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Studie der Bertelsmann Stiftung : Hohe Kinderarmut in MV

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Die Kinderarmut in Deutschland entwickelt sich zwar insgesamt rückläufig, innerhalb der Bundesländer, Landkreise und Städte klaffen die Armutsquoten weit auseinander. Kinderarmut ist im Osten MV weit verbreitet.

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erstellt am 02.Feb.2012 | 12:06 Uhr

Gütersloh/Schwerin | Kinderarmut ist nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) vor allem im Osten Mecklenburg-Vorpommerns weit verbreitet. Während in den Altkreisen Bad Doberan (21,5 Prozent) oder Nordwestmecklenburg (24,5) knapp ein Viertel der Unter-Drei-Jährigen von Armut betroffen war, waren es in der Region Uecker-Randow 42,4 Prozent. Damit ist das Armutsrisiko dort fast doppelt so hoch wie in wirtschaftlich stärkeren Regionen des Landes.

Auch in den ehemals sechs kreisfreien Städten ist Kinderarmut unterschiedlich stark ausgeprägt: In Greifswald betrug die Quote 34,3, in Schwerin 41,6 Prozent. Im Landesdurchschnitt waren es 33 Prozent.

Der gestern veröffentlichten Bertelsmann-Studie zufolge, für die Daten aus dem Jahr 2009 ausgewertet wurden, verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern die zweithöchste Armutsquote unter den Flächenländern. Höhere Quoten gab es demnach nur in Sachsen-Anhalt sowie in den Stadtstaaten Berlin und Bremen. Neueren Zahlen von 2010 zufolge lebten in Mecklenburg-Vorpommern 12 338 Kinder im Alter bis zu drei Jahren in Armut.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, plädierte als Konsequenz aus den Armutszahlen für eine andere Verteilung der staatlichen Gelder: "Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden. Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden", betonte er.

Allerdings gehören Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu den Bundesländern mit dem umfangreichsten Angebot an Krippenplätzen.

Laut Bundesagentur für Arbeit kommen in Mecklenburg-Vorpommern immer mehr Kinder im Alter bis zu 15 Jahren ohne Hartz IV aus. Im September 2011 lebten demnach im Land rund 46 100 dieser Kinder von Hartz IV, fünf Jahre vorher waren es noch 58 000. Zwischen September 2006 und September 2011 sank die Zahl der unter 15-Jährigen, die bundesweit auf die staatliche Grundsicherung angewiesen waren, von 1,9 Millionen um etwa 257 000 auf knapp 1,64 Millionen.

Kinder gelten der Bertelsmann Stiftung zufolge als arm, wenn sie in Familien aufwachsen, die staatliche Leistungen der Grundsicherung wie Hartz IV bekommen. In der Studie sind die Kinderarmuts-Zahlen aus allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands aufgeführt. Trotz eines gewissen Rückgangs gebe es noch keinen Grund zur Entwarnung, heißt es.

Weitere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen, mit der Anzahl der Kinder in einer Familie sinkt. Im Durchschnitt gilt die Regel: Je mehr Kinder, desto größer das Armutsrisiko. Das belegen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in den vergangenen fünf Jahren in MV zwar insgesamt deutlich um 26 Prozent gesunken. Bei Bedarfsgemeinschaften mit drei Kindern gab es jedoch nur einen leichten Rückgang.

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