Poetry Slammerin aus Rostock : „Hoffentlich ein paar Lacher und Applaus“

Lampenfieber und Texte schreiben: Caroline Benz ist die Titelverteidigerin des Master of Slam

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23. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Caroline Benz ist Titelverteidigerin beim Master of Slam, heute tritt sie wieder an. Ein Gespräch über Überspitzungen, Lampenfieber und Texte. Katharina Golze sprach mit der 21-Jährigen.

Was macht der Master of Slam für dich aus?
Ich bin letztes Jahr zum ersten Mal beim Master of Slam aufgetreten und es war ein total schöner Abend. Mich hat besonders gefreut, dass Videoaufnahmen entstanden sind, dann konnte ich endlich mal meiner Mutter zeigen, was ich da überhaupt mache.


Und der Preis war auch nicht ohne.
Ich habe ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop gewonnen, wo ich mit der Autorin Franziska Hauser an meinen Texten arbeiten konnte. Das war im Juli, das Wetter war top und ich habe mich super mit Franziska verstanden. Schreiben und baden gehen, was Besseres gibts nicht.


Dein Finaltext 2018 handelt vom Studentsein. Was studierst du?
Ich studiere Medizin im siebten Semester. Da man sich zentral bewirbt und Wunsch-Universitäten angibt, ist es schon ein bisschen Zufall, dass ich in Rostock gelandet bin. Nach dem ersten Staatsexamen habe ich überlegt, die Uni zu wechseln, bin nun aber sehr glücklich, dass ich hier geblieben bin.


Wie viel ist an deinen Texten eigenes Erlebnis und wie viel überspitzt?
Es steckt immer beides drin. Meine Texte sollen unterhalten und stecken voller Übertreibungen, kommen aber auch immer aus meinem Leben und direktem Umfeld. Ich bin immer etwas überrascht, dass viele Zuhörer denken, das „Ich“ im Text bin komplett ich.


Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?
Ich habe mal auf der Bühne gesagt, ich schreibe über Dinge, die mich aufregen. Das ist natürlich etwas zu einfach ausgedrückt. Als ich angefangen habe mit Slam, wollte ich möglichst lustig sein und viele Lacher kassieren. Inzwischen bin ich politischer und von Zeit zu Zeit sogar mit sehr persönlichen Texten auf der Bühne. Inspiration dafür kann wirklich alles sein.

Wie bist du zum Poetry Slam gekommen?
Ich hatte mich 2016 im ersten Semester einfach beim Ursprungs-Slam angemeldet. Ich kannte nur ein paar YouTube-Videos und wusste eigentlich gar nicht so genau, was ein Poetry Slam ist. An diesem Abend habe ich gewonnen und dann war ich angefixt.

Was macht die Poetry-Slam-Community aus?
Durch den Charakter der Veranstaltungen, dass die Texte eben bewertet werden und man sich auch durch den Sieg für weitere Slams qualifizieren kann, ist eine gewisse Konkurrenz nicht von der Hand zu weisen. Ich persönlich sehe Slam als Hobby, gönne jedem den Sieg und freue mich einfach über gute Texte. Ich habe in der Szene schon unglaublich coole und spannende Leute kennengelernt und ohne die Hilfe von Menschen, die schon länger mit Poetry Slam zu tun haben, hätte ich bestimmt nicht halb so viel erlebt.


Was waren deine bisher größten Erfolge?

Den größten Auftritt bisher hatte ich bei den Deutschsprachigen Meisterschaften 2018 in Zürich. Durch mein Studium komme ich selten dazu, außerhalb von MV aufzutreten. Dieses Jahr darf ich wieder zu den Deutschsprachigen Meisterschaften, diesmal nach Berlin, als Landesmeisterin von Mecklenburg-Vorpommern. Das wird richtig gut.


Was ist das für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen?
Ich bin vorher jedes Mal unfassbar aufgeregt und frage mich, warum ich mir das antue. Aber wenn ich dann erst mal da oben stehe und je nach Beleuchtung im Idealfall das Publikum gar nicht erkennen kann, ist alles gut. Dann gibts nur noch meinen Text. Und hoffentlich ein paar Lacher und Applaus.

Wie bereitest du dich auf einen Auftritt vor?
An den Texten arbeite ich unterschiedlich lang, meistens einige Tage. Dann lass ich den Text gerne mal eine Weile ruhen, bis ich weiter daran arbeite. Ich habe aber auch schon Texte am Tag des Auftritts geschrieben. Dann lese ich den meistens meiner Mitbewohnerin oder per Sprachnachricht meinem besten Freund vor, um zu testen, ob der Text ankommt. Und dann bin ich bereit für den Auftritt.


Deine Strategie gegen das Lampenfieber?
Hinter der Bühne hin und her tigern und ein Beruhigungsbierchen trinken. Eins!




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