Schleckerfrauen aus der Region : Hoffen und weiter kämpfen

Zwei von 50 Schleckerfrauen aus der Region: Sylvia Schweigmann (r.) und Christiane Schröder (2.v.r.), die fast zwei Jahrzehnte in derselben Filiale in Malliß gearbeitet hatten und anschließend vor allem als Springer tätig waren. Sie kämpfen weiter für sich.
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Zwei von 50 Schleckerfrauen aus der Region: Sylvia Schweigmann (r.) und Christiane Schröder (2.v.r.), die fast zwei Jahrzehnte in derselben Filiale in Malliß gearbeitet hatten und anschließend vor allem als Springer tätig waren. Sie kämpfen weiter für sich.

Nach der Insolvenz der Drogeriekette werden die betroffenen, zumeist weiblichen Mitarbeiter salopp als „Schleckerfrauen" bezeichnet. Rund 50 Schleckerfrauen waren in der Region Ludwigslust, Hagenow und Parchim beschäftigt.

svz.de von
10. Juli 2012, 10:05 Uhr

Ludwigslust | Nach der Insolvenz der bundesweit tätigen Drogeriekette werden die von dem Firmen-Aus betroffenen, zumeist weiblichen Mitarbeiter kurz und ziemlich salopp als "Schleckerfrauen" bezeichnet. Hinter jeder einzelnen Geschichte dieser Schleckerfrauen steckt eine ganz persönliche Geschichte. Rund 50 Schleckerfrauen, die bereits in der ersten Welle gekündigt worden waren oder die derzeit noch "freigestellt" sind, waren in der Region Ludwigslust, Hagenow und Parchim beschäftigt. Wie soll es jetzt weitergehen? Um erste Antworten auf diese Frage zu suchen und zu finden hatte die Arbeitsagentur Ludwigslust gestern zu einer Jobbörse speziell diesen Personenkreis eingeladen. Auf der anderen Seite der Beratungstische saßen Vertreter der Diakonie, der IHK zu Schwerin, der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung und der Großkundenbetreuung der Bundesagentur für Arbeit sowie Zeitarbeitsfirmen wie unique und iperdi, Aurea und Wullweber. Sinn des Nachmittages war es nach Auskunft von Veronika Sohra, Teamleiterin des Arbeitgeberservices Landeskreis Ludwigslust-Parchim, den Frauen eine Möglichkeit zu geben, sich am Arbeitsmarkt, über das Wo und Wie von künftigen Beschäftigungsmöglichkeiten zu orientieren. Zum Hintergrund gehört, dass Arbeitsplätze gerade im Handel nicht so reichlich gesät seien. Vor Beginn der Veranstaltung rechnete Veronika Sohra mit rund 40 Besucherinnen und - sehr optimistisch betrachtet - mit etwa 35 Schleckerfrauen, die mit mehr Klarheit oder sogar mit konkreten Handlungsempfehlungen wieder nach Hause fahren würden. Eine der ersten, die sich in Ludwigslust Rat und Orientierung holen wollten, war eine 45-jährige stellvertretende Filialleiterin aus der Region Plau, seit dem 1. Juli für drei Monate freigestellt. Wie sie sagt, falle einem die Orientierung schon schwer, wenn man 16 Jahre in einem Betrieb gearbeitet und gesagt habe, man gehe in seinen Laden. "Dann tut das schon weh." Die Jobbörse fand sie an sich eine gute Idee, aber sie sei doch noch ziemlich diffus im Kopf, um zu wissen, was sie wirklich machen wolle. Sie wisse lediglich, was sie nicht wolle. "Ich bleibe aber dran."

Hoffen und weiter kämpfen - das gilt auch für Sylvia Schweigmann aus Malliß, 51 Jahre, und Christiane Schröder, 50 Jahre, aus Dömitz. Nach der Schließung ihrer Mallisser Filiale im November 2011 waren sie als Springer tätig. "Ich war zuletzt in Lübtheen ", so Schröder. "Wir hatten dort so einen Super-Umsatz, dass ich die Schließung überhaupt nicht verstanden habe." Beide fühlen sich vom Firmengründer, freundlich formuliert, arg getäuscht, haben "aber trotz unseres Alters" schon selbst aktiv recherchiert. "Wir verlassen uns auf niemanden. Wir kämpfen selber, dass wir wieder was finden." Am Ende des Nachmittages waren übrigens insgesamt 35 Schleckerfrauen nach Ludwigslust gekommen, und es habe viele gute, motivierte Gespräche gegeben, so Veronika Sohra.

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