Vorwurf : Hof beutet Erntehelfer aus

1 von 2

Gewerkschaft: Katastrophale Arbeitsbedingungen für Saisonarbeiter

svz.de von
03. Juli 2014, 07:45 Uhr

Harte Bandagen auf dem Jobmarkt für Saisonarbeiter: Schlechte Arbeitsbedingungen in MV bringen die Ermittlungsbehörden zum Einsatz. Gegen einen Agrarhof im Großraum Rostock (Name der Redaktion bekannt) ist Anzeige wegen Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft und Wucher gestellt worden. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, teilte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock mit. Wie es hieß, soll der Landwirt mit Arbeitsantritt der rumänischen Saisonarbeiter u. a. deren Pässe einbehalten haben.

Das betroffene Unternehmen bestritt gegenüber unserer Redaktion die Vorwürfe. Die Pässe seien aufbewahrt worden, um die Mitarbeiter für die Krankenkasse anzumelden. Es sei niemand genötigt worden, hieß es. Auf dem Hof erhielten die Saisonarbeiter Beschäftigung und gegen Bezahlung Unterkunft und Essen.

Allerdings habe es Probleme mit den rumänischen Vermittlern gegeben. So seien die Saisonarbeiter offenbar mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt worden. Ihnen sei zugesagt worden, für die Feldarbeit könne man 3000 Euro im Monat verdienen. In der Ernte werde nach Akkord gearbeitet. 3000 Euro Verdienst seien kaum zu erreichen, hieß es. Zudem hätten die Arbeitsvermittler von den Rumänen neben einer Vermittlungsgebühr von 200 Euro zusätzlich Transportkosten verlangt. Auch dem Agrarhof seien entsprechende Kosten in Rechnung gestellt worden. Inzwischen seien fest angestellte Mitarbeiter des Unternehmens bedroht worden. Sie hätten Anzeige erstattet.

Schätzungen zufolge arbeiten pro Saison etwa 4000 Erntehelfer vornehmlich aus Polen, Rumänien und der Ukraine in Mecklenburg-Vorpommern – auf Spargel- und Erdbeerfeldern, bei der Salat- oder Obsternte. Schlechte Arbeitsverhältnisse für Saisonarbeiter sind offenbar kein Einzelfall: „Das ist nur die Spitze des Eisberges“, erklärte Dirk Johne von der Gewerkschaft IG BAU. Es herrschten teilweise „katastrophale Bedingungen“. Es gebe aber kaum noch Kontrollmöglichkeiten. Oft würden Betroffene aus Angst keine Anzeige erstatten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen