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Berufsbild Nachtwächter : „Hört ihr Leut und lasst euch sagen"

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Mitten in der Nacht tönte früher eine Stimme durch die schlafende Stadt. Wenn der Nachtwächter durch die Gassen schritt, verkündete er singend jede Stunde, wieviel die Kirchturmuhr anzeigte.

Mitten in der Nacht tönte früher eine Stimme durch die schlafende Stadt. Wenn der Nachtwächter durch die Gassen schritt, verkündete er singend jede Stunde, wieviel die Kirchturmuhr anzeigte.

Gekleidet war er immer in einen schwarzen Umhang. Eine Laterne, ein Horn und eine Hellebarde durften nicht fehlen. Die Hellebarde ist eine Stangenwaffe mit einer breiten und kurzen Klinge an der Spitze. Der Nachtwächter musste nachts durch die Straßen gehen und die Menschen vor Feuer und Räubern schützen.

Die Häuser damals waren sehr oft aus Holz errichtet, was leicht Feuer fing. Jede Familie hatte in ihrem Haus eine offene Feuerstelle zum Kochen und Heizen. So konnte es also schnell einmal brennen. Nicht selten brannten früher ganze Orte ab, weil es noch keine so schnelle Feuerwehr gab, wie wir sie heute kennen. Mühsam musste man mit Wassereimern die Brände löschen.Deshalb war es besonders wichtig, dass der Nachtwächter vor ausbrechendem Feuer warnte. Dazu blies er mit dem Horn Signale.

Der Nachtwächter kontrollierte aber auch, ob die Stadttore verschlossen waren und ob jedermann seine Haustür verriegelt hatte. Traf er des Nachts verdächtige Personen, durfte er sie sogar verhaften. Damit man nun sicher war, dass der Nachtwächter nicht selber einschlief, musste er die Stunden, die die Kirchturmuhr schlug, zum Beispiel laut singend ansagen: "Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen: Unsere Uhr hat Zwölf geschlagen."

Zum Schutz der Bewohner gab es außerdem oft auch noch einen Türmer. Er wohnte allein oder mit seiner Familie im höchsten Turm der Stadt und beobachtete von dort aus die Gegend. Aus der Höhe konnte er Feuer und feindliche Überfälle sehr schnell entdecken. In manchen Städten kann man heutzutage Nachtwächter-Führungen mitmachen. Dabei verkleiden sich die Stadtführer wie früher und führen die Gäste durch den Ort.

Manchmal benutzen wir den Begriff "Nachtwächter" als Schimpfwort und meinen damit einen trotteligen Menschen. Das ist aber ziemlich unangebracht, denn die Nachtwächterarbeit war sehr wichtig und schützte die Bewohner. Heute hat die Polizei diese Aufgaben übernommen. Den Beruf des Nachtwächters gibt es nicht mehr.

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erstellt am 19.Dez.2011 | 09:12 Uhr

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