Höhere Preise lassen Ernte-Minus schmelzen

Wintergerste Foto: dpa
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svz.de von
09. Juli 2012, 07:45 Uhr

Neubrandenburg | Sonnenschein und ein bisschen Wind: Dieses ideale Erntewetter wünschen sich derzeit die Landwirte vergeblich. Trotzdem sind auf den Feldern in Regenpausen schon Mähdrescher im Einsatz. Ihre ersten 25 Hektar Wintergeste hat die Agrargesellschaft Chemnitz (Landkreis Seenplatte) geerntet - insgesamt stehen im Betrieb auf rund 1400 Hektar Getreide und Ölfrüchte auf dem Halm. "Wir liegen bei der Gerste ein bisschen unter dem langjährigen Durchschnitt von 60 Dezitonnen/Hektar", sagt Geschäftsführer Rudi Jaschinski. Das Futtergetreide habe auf "Sandstellen" unter der langen Trockenheit ein wenig gelitten.

"Das wird wohl die dritte Ernte in Folge mit Erträgen unter dem Normalwert", schätzt Frank Nissen ein. Der Neubrandenburger Regionalleiter der HaGe Nordland Kiel, deren Niederlassung kauft und vermarktet in Vorpommern, Ost-Mecklenburg und Nordbrandenburg Getreide und Ölfrüchte, benötigt für seine Planungen eine möglichst genaue Prognose über die Menge reifender Feldfrüchte. "Wir brauchen in diesem Jahr keine zusätzlichen Lagerkapazitäten anmieten", stellt er fest. Die ersten Betriebe seien pünktlich in die Ernte der Wintergerste gestartet.

Die lang anhaltende kühle Trockenheit im Frühjahr und der kurzzeitige Schockfrost im Februar haben seinen Angaben zufolge den Beständen im Nordosten geschadet. Insbesondere der Winterweizen habe teilweise durch die Eiseskälte gelitten, so dass Flächen umbrochen werden mussten. Die ausbleibenden Niederschläge verzögerten danach generell das Pflanzenwachstum.

Im Gegensatz zu den Erträgen entwickle sich das Preisniveau für Getreide und Ölfrüchte recht ordentlich. "Es vergeht derzeit kein Tag, an dem die Kurve nicht nach oben zeigt", berichtet Nissen. Durch den Anstieg könnten Ausfälle beim Ertrag teils ausgeglichen werden. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Kosten bei der Ernte nicht davon galoppierten. Internationale Einflüsse zeigten den Preisen ihre Wirkung: So seien auch in Polen große Flächen wegen der Frostschäden umbrochen worden, die Exportnationen Russland und Ukraine litten unter Trockenheit.

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