Prozess : Höchst gefährliches Hobby

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Jörg Fenger
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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Jörg Fenger

Sprengstoffbastler aus Woldegk muss doch nicht in Haft

Der Sprengstoffbastler von Woldegk muss doch nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Neubrandenburg wandelte die 2016 vom Amtsgericht verhängte Freiheitsstrafe für den 35-Jährigen gestern in einem Berufungsprozess in eine Bewährungsstrafe von drei Jahren um. „Das ist hier ein Ausnahmefall“, sagte Richter Jochen Unterlöhner in der Begründung. Der Verurteilte sei noch nie straffällig gewesen, habe niemanden geschädigt, umfassend gestanden und sich nach dem Auffliegen der Tat vor zwei Jahren tadellos geführt. Der Woldegker habe allerdings „höchst gefährliche Mischungen“ gehabt.

Der gelernte Landmaschinenschlosser war im Februar 2016 aufgeflogen, als ein Versuch in seiner Einraumwohnung im vierten Stock außer Kontrolle geraten war. Er bugsierte das gefährliche Gemisch auf den Balkon, wo Nachbarn den Rauch sahen und die Feuerwehr riefen. Dann kam heraus, dass er fast drei Jahre in seiner Wohnung mit explosiven Substanzen experimentiert und die Mischungen etwa 50 Mal im Freien erprobt hatte, was er sofort gestand. Grund sei „Experimentierfreude“ gewesen.

„Ohne ihn hätten wir das aber nie aufklären können“, erklärte der Sprengstoffexperte der Polizei in Neubrandenburg, Thomas Kilius. Für ihn blieb es bis zuletzt „ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist“. Der Verurteilte hatte gesagt, er habe sich von 2011 an gern Actionfilme angesehen und sich dann für Sprengstoff zu interessieren begonnen.

„Die Faszination an Explosionen hat ihm eine unwahrscheinliche Befriedigung gegeben“, erklärte eine psychiatrische Gutachterin. Der Mann sei ansonsten sehr gehemmt, aber durchaus bemüht, straffrei durchs Leben zu gehen.

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