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Zehnjährige bleibt verschüttet : Hochwasser stoppt Retter auf Rügen

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Die Suche nach dem Mädchen am Kap Arkona ist wegen Hochwassers eingestellt worden. Nach Vorhersagen soll der Wasserstand bis zum Neujahrstag nicht zurückgehen. Bis dahin ruhen die Suchmaßnahmen.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2011 | 06:04 Uhr

Kap Arkona | Das nach einem Küstenabbruch am Kap Arkona auf Rügen vermisste zehnjährige Mädchen bleibt verschwunden. Die in der Nacht unterbrochene Suche am Strand könne wegen des gestiegenen Wasserpegels vorerst nicht fortgesetzt werden, teilte Einsatzleiter Daniel Hartlieb gestern mit.

Laut Wettervorhersage werde bis 1. Januar ein Pegelstand von 70 Zentimetern über dem Normalpegel bestehen bleiben. "Unter diesen Bedingungen würden die Einsatzteams und ihre Technik bis hüfthoch in den modrigen Kreide- und Mergelschlamm einsinken, sodass eine Suche nicht mehr möglich ist." Die Absturzstelle bleibe weiträumig abgesperrt, sagte Hartlieb. Sollten sich die Verhältnisse plötzlich wider Erwarten bessern oder sich neue Hinweise ergeben, dann würden die Helfer die Suche sofort wieder aufnehmen.

Auch Baggereinsatz blieb ohne Erfolg

Am Montagnachmittag waren in der Nähe der ehemaligen Nebelsignalstation mehrere Tausend Kubikmeter Kreide aus der 38 Meter hohen Steilküste gebrochen. Dabei wurde das aus Nordbrandenburg stammende Kind am Strand vermutlich verschüttet.

Seine Mutter und Schwester wurden verletzt und werden seitdem im Greifswalder Klinikum behandelt.

Seit Donnerstagmorgen hatten 149 Einsatzkräfte an der Abbruchstelle wieder nach dem vermutlich ums Leben gekommenen Kind gesucht. Zuletzt hatten in der Nacht fünf Suchhunde an einer Stelle im Geröll angeschlagen. Ein aus Berlin herangeschafftes Spezialröntgengerät gab ebenfalls ein Signal. Mit einem Bagger hatten daraufhin Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) bis 1,60 Meter tief gegraben, ohne jedoch fündig zu werden. Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann (Bündnis für Rügen) kündigte unterdessen die Einrichtung eines automatischen geologischen Überwachungssystems an dem instabilen Küstenbereich an. Bis Mitte Januar sollen auf dem Gelände um die ehemalige Nebelsignalstation mehrere Sensoren installiert werden, darunter auch zwei Messfühler unmittelbar im Hangbereich. Die Sensoren sollen etwaige Veränderungen im Kliff registrieren und an einen Computer senden, der im Notfall automatisch Alarm auslöst. Eine ähnliche Lösung hatte sich in den vergangenen Jahren schon am Abbruchhang in Lohme bewährt, wo im März 2005 ein mehrere Hundert Meter breiter Küstenhang abgebrochen war. Heinemann sagte, die Einrichtung des Messfeldes am Kap sei bereits seit Monaten geplant gewesen. 2010 wurde am Kap Arkona bereits der extrem absturzgefährdete Steilküstenbereich am Burgwall mit Sensoren ausgestattet.

Katastrophentouristen drohen Sanktionen

Der Vize-Landrat von Vorpommern-Rügen, Lothar Großklaus (CDU), kündigte Sanktionen wie Bußgeldverfahren gegen Personen an, die die bestehenden ausgeschilderten Absperrungen vor der Abbruchstelle ignorieren. Im Januar soll es ein Krisengespräch mit Geologen, Vertretern von Behörden und Umweltverbänden geben. "Nach den seit zehn Jahren zunehmenden Küstenabbrüchen haben wir einen kritischen Punkt erreicht, an dem man eine Entscheidung treffen müsse, inwiefern die gefährdeten Bereiche gesichert werden können", sagte Großklaus. Sicherheit müsse an erster Stelle stehen, daher seien auch zeitweilige Sperrungen nicht mehr auszuschließen.

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