Bienenvölker : Hochsicherheitstrakt für die Königin

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Immer wieder werden in MV Bienenvölker gestohlen. Die Imker rüsten deshalb mit Sicherheitstechnik auf.

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29. November 2017, 12:00 Uhr

Lothar Wilke hat aufgerüstet: Hohe Zäune, Alarmanlagen mit GPS-Funktion. Fast wie in einem Hochsicherheitstrakt. Eine Festung für seine 24 Völker. Lothar Wilke ist Imker auf Usedom. Bei Nacht und Nebel wurden ihm 2015 zwei Bienenstöcke samt Völkern gestohlen. Der Schaden betrug etwa 1000 Euro. „Wenn die weg sind, das tut ganz schön weh“, meint Wilke. „Jetzt habe ich den Klau-Schutz.“ Sobald jemand einen seiner Bienenstöcke bewegt, wird ein Alarm auf seinem Handy ausgelöst. Per GPS kann er verfolgen, wo seine Bienenstöcke hintransportiert werden. Wie Wilke sichern immer mehr Imker im Land ihre Honigsammler. Denn jedes Jahr häufen sich in MV die Diebstähle.

So auch an der Mecklenburgischen Seenplatte. Im Gutspark Friedrichsfelde bei Waren wurden in den vergangenen Tagen acht Bienenkästen samt Völkern gestohlen. Laut Polizei habe der Imker den Verlust der insgesamt 400 Kilogramm schweren Beute am Montag gemeldet. Der Sachschaden liegt bei etwa 3000 Euro. Bei einem ähnlichen Fall Anfang November in Sponholz bei Neubrandenburg haben sich gleich 20 Bienenvölker quasi in Luft aufgelöst. Sie wiederzufinden ist fast unmöglich.

„Da bauen sich Menschen etwas auf und dann wird es einfach mutwillig zerstört“, empört sich Torsten Ellmann, Vorsitzender des Landesverbands der Imker MV. „Das ist skrupellos. Nicht nur gegenüber den Menschen, sondern auch gegenüber den Tieren“, sagt er. Denn die Bienen halten derzeit Winterruhe. Dabei sitzen sie dicht beieinander in ihrem Stock, um sich gegenseitig zu wärmen. Unnötige Bewegungen könnten die Gruppe auflösen.

Vor allem in der kalten Jahreszeit sind die Tiere sehr sensibel. „Ob die gestohlenen Bienen das überstehen ist ungewiss. Dann hatten die Diebe viel Angst und nichts gewonnen“, meint Ellmann. Den vergangenen Winter überlebten nur 70 Prozent der Bienen in MV. 6000 Völker schafften es nicht, erklärt Ellmann. „Wir haben die Völker neu aufgebaut. Aber Honig produzieren sie im zweiten Jahr.“

Als Folge seien die Preise für den süßen Brotaufstrich derzeit gestiegen. „Bienen und Schaf ernähren den Herrn im Schlaf – dieser Spruch stimmt so nicht mehr“, meint auch Lothar Wilke. Laut dem Deutschen Imkerbund produziere jedes Volk eine durchschnittliche Erntemenge von 20 bis 30 Kilogramm. Zusammengerechnet kämen die Imker so auf 15  000 bis 25  000 Kilo Honig pro Jahr. Klingt erst einmal viel. Doch der Deutsche vernascht im gleichen Zeitraum im Durchschnitt ein Kilogramm der Süßigkeit. Dafür müsste eine Biene alleine sieben Mal um die Welt fliegen.

Erst der Winter, dann der verregnete Sommer und zuletzt die starken Stürme – „es war ein schlechtes Honigjahr“, sagt Ellmann. Die Imker im Land hätten mit hohen Einkommenseinbußen zu kämpfen. Eine Ursache für die Diebstähle? Eine Bienenkönigin kostet immerhin zwischen 50 und 400 Euro. „Alle, die sich eine Biene holen, sollten vom Verkäufer ein Gesundheitszeugnis verlangen. Seriöse Verkäufer haben so etwas immer.“, meint Ellmann. Das sei auch wichtig, um die Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen wie der Faulbrut und der Varroamilbe zu verhindern.

Der Landesverband der Imker bietet daher Kaufberatungen an und vermittelt kostengünstige Bienenköniginnen und -Völker. Derzeit gibt es 8500 Imker im Land, 1700 davon sind im Verband.

311 Diebstähle wurden alleine 2015 bundesweit der Imkerversicherung Gaede & Glauerdt aus Hamburg gemeldet. Dabei handelt es sich um mehr als 1000 Völker und Zigmillionen Tiere. Lothar Wilke hofft, dass er nie wieder in diese Statistik kommt. Dass er dafür einiges in die Sicherung seiner Biene investieren musste, nimmt er in Kauf: „Was bleibt einem anderes übrig? Ich möchte endlich wieder ruhig schlafen.“

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