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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 21:34 Uhr

Hochschulen fallen in ein Millionen-Loch

vom

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erstellt am 06.Jun.2013 | 07:57 Uhr

Rostock/Greifswald | Überfüllte Hörsäle, Studenten, die mit Handzetteln den Profes soren wegen der Noten hinterher laufen oder keine geeigneten Bücher in der Bibliothek finden - so sieht häufig der Alltag an den beiden Universitäten und den vier Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern aus. Denn diese haben kein Geld, um beispielsweise Professoren lange zu halten oder sogar dauerhafte Forschungen betreiben zu können.

Hauptgründe dafür sind die deutlich gestiegenen Personal-, Energie- und Bewirtschaftungskosten und der verstärkte Zustrom von Studenten. Sie sorgen für Ausgaben der Hochschulen, die mit den jährlich um 1,5 Prozent steigenden Überweisungen des Landes nicht zu decken sind. Die Hochschulen haben bereits einen Mehrbedarf in Millionen höhe angemeldet. Allein die Uni Rostock beziffert diesen für 2014 auf 17,4 Mil lionen, die Universität Greifswald auf 7,7 Millionen Euro, die Fachhochschule Stralsund benötigt 600 000 Euro und die in Neubrandenburg 400 000 Euro mehr. Im Jahr 2015 könnte der Bedarf weiter ansteigen.

Bei einem Treffen in dieser Woche mit den Hochschulen des Landes versprach Bildungsminister Mathias Brodkorb, sich den Problemen anzunehmen. "Im Hinblick auf die Verträge mit den Dozenten wird sich etwas tun. Die Hochschulen sollten sich Personal für länger als ein Jahr leisten können." Dabei erläuterte der SPD-Mann verschiedene Modelle für die Besoldung der Professoren: "Wir überlegen, die Grundbezüge der Professoren um 500 oder 600 Euro zu erhöhen, dabei gibt es jedoch verschiedene Modelle, die wir mit den Hochschulen zusammen erarbeiten wollen." Aus diesem Grund bat er die Universitäten und Hochschulen um nachvollziehbare, transparente und vergleichbare Zahlen. Außerdem werde das Land in den nächsten fünf Jahren rund 400 Millionen Euro für die Universitäten und Hochschulen ausgeben. Er hoffe dabei auf die Unterstützung durch den Bund.

Sollte der Mehrbedarf der Hochschulen nicht ausgeglichen werden, hätte dies weitreichende Folgen. "In diesem Fall können über 100 befristete Stellen, für die die Verträge 2013 auslaufen, nicht erneut besetzt oder verlängert werden", erklärt Jan Meßerschmidt, Pressesprecher der Uni Greifswald. Dies hätte fatale Konsequenzen für die Lehre und den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Hinzu kommen die schweren Hürden für Forschungsanträge, besonders für die Hochschulen. "Von angenommen 20 Anträgen wird vielleicht einer bewilligt", erklärt Mathias Grünwald, Prorektor der Hochschule Neubrandenburg. "Die Schwellen, um Fördergelder zu bekommen, sind für Hochschulen viel zu hoch." Dies schrecke viele Professoren ab, überhaupt Forschung zu betreiben. Die ausstehenden Fördergelder müssten dann mit Geld aus dem eigenen Etat ausgeglichen werden, welcher immer kleiner werde.

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