Ausländische Musikstudenten sollen zahlen : Hochschule soll Gebühren verlangen

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Der Landesrechnungshof sieht eine neue Einnahmequelle: Die Landesregierung wird aufgefordert, Studiengebühren von Musikstudenten zu kassieren, die nicht aus der EU stammen. An der Rostocker HMT lernen 550 Studenten.

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10. Januar 2013, 08:40 Uhr

Schwerin/Rostock | Kurz vor den nächsten Aufnahmeprüfungen an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) hat der Landesrechnungshof von der Landesregierung gefordert, Studiengebühren von jenen Musikstudenten zu kassieren, die nicht aus der Europäischen Union (EU) stammen. Das wäre wegen der hohen Ausbildungskosten gerechtfertigt, heißt es im jüngsten Jahresbericht der Rechnungsprüfer. Anlass des LRH-Vorschlags ist der seiner Meinung nach hohe Anteil an Musikstudenten aus dem EU-Ausland. 2010 waren es mehr als 40 Prozent der Studienanfänger. Die hohe Quote sei nur möglich, weil die HMT ihre Studenten nach einem "rechtlich bedenklichen" Zulassungsverfahren auswähle, so der LRH. Der Vorwurf wird von der HTM entschieden bestritten.

An der HMT lernen rund 550 Studenten, die von 75 Hochschullehrern und -mitarbeitern betreut werden. Das Land finanziert die Hochschule derzeit mit 5,8 Millionen Euro pro Jahr. Bei der Aufnahme der Studenten spielt neben einem umfangreichen Test vor allem das künstlerische Talent der Bewerber eine Rolle. Da viele Bewerber von außerhalb der EU kommen, würden auch viele die Prüfung bestehen, so die HMT. Der Landesrechnungshof behauptet jedoch, die HMT stufe zahlreiche Bewerber zu Unrecht als "nicht geeignet" ein und bringe so die Zahl der geeigneten Bewerber mit den zu vergebenen Studienplätzen in Einklang. 2010 seien deshalb von 1100 Bewerbern nur 81 genommen worden. Wenn es regelmäßig mehr geeignete Studienwillige als Kapazitäten gibt, müsste die HMT ihre Studienplätze auch nach Quoten verteilen. Der Anteil der Studenten von außerhalb der EU wäre auf maximal 25 Prozent begrenzt. "Dieses praktizierte Verfahren entspricht aber gerade nicht den hochschulrechtlichen Regelungen, insbesondere auch nicht den Vorschriften der Eignungsprüfungsordnung der HMT", urteilten die Rechnungsprüfer. Hochschulrektorin Susanne Winnacker lehnt allerdings "Studiengebühren und Quoten prinzipiell ab". Die HMT müsse "die Begabtesten nehmen, die wir überhaupt finden können", sagte sie gegenüber dieser Zeitung. "Es macht die Welt auch nicht glücklicher, sich auf eine Auswahl nach Nationalitäten zurückzuziehen". Im Gegenteil würde die Internationalität der Studentenschaft das Studium bereichern. Gleichwohl will sie sich dem vom Landesrechnungshof angesprochenen Problem stellen. Die Balance zwischen den Anteilen an Studenten aus verschiedenen Ländern "darf aber nicht über das Geld hergestellt werden".

Hochschulkanzler Frank Ivemeyer bestritt unterdessen, dass es regelmäßig mehr geeignete Bewerber gibt als freie Plätze. Auch würden geeignete Bewerber keineswegs als "nicht geeignet" abgelehnt, obwohl sie laut Eignungsprüfung als "geeignet" einzustufen wären. Die hohe Zahl der Studenten zum Beispiel aus Asien und Russland erklärte er unter anderem mit der hohen Wertschätzung für die klassische europäische Musik in diesen Ländern. Für die Aufnahmeprüfungen seien die Bewerber zudem in der Regel sehr viel "stringenter" vorbereitet als ihre deutschen Mitbewerber. Dennoch seien zum Beispiel 2012 nur 20 Prozent der neuen Studenten von außerhalb der EU gekommen. Durch eine spezielle Zusammenarbeit mit den Musikschulen fördert die HMT unterdessen seit 2008 besonders talentierte junge Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern und bereitet sie auf ein Studium an der HMT vor. 20 Schüler sind inzwischen als "Frühstudenten" an der HMT eingeschrieben.

Der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sagte gegenüber dieser Zeitung, die hiesige CDU lehne Studiengebühren weiterhin generell ab. Das gelte auch für Studenten von außerhalb der EU und für Studenten der HMT. Wenn überhaupt, so seine persönliche Sicht der Dinge, müsse die Vergabe der Studienplätze anders gesteuert werden.

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