Provokation : Hochgerüstete „Eurofighter“ aus Laage im Baltikum

dpa_148e6800b6ec650e

Machtdemonstration an Russlands Grenzen. Experten warnen vor Risiken

svz.de von
20. September 2015, 13:54 Uhr

Das so genannte „Air Policing“ der Nato über dem Baltikum gibt es zwar schon seit 2004, seit Beginn der Ukraine-Krise hat es aber eine neue Bedeutung und Brisanz bekommen. Er ist eines der wichtigsten Zeichen der Bündnissolidarität an die baltischen Staaten, die sich seit der Annexion der Krim durch Russland massiv von ihrem mächtigen Nachbarn bedroht fühlen.

Nirgendwo sonst kommen sich die Streitkräfte der Nato und Russlands so nahe wie im Baltikum. Die Alarmierung der hier stationierten Kampfflieger ist inzwischen zum Alltag geworden. Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 gab es 365 solcher Einsätze. Wirklich brenzlig wurde es dabei nie. Auf die leichte Schulter wird der Einsatz von Nato und Bundeswehr trotzdem nicht genommen.

Im Gegenteil: Die fünf in Estland stationierten „Eurofighter“ wurden für den viermonatigen Einsatz sogar aufgerüstet und sind nun erstmals mit voller Kriegsbewaffnung unterwegs. Dazu zählt eine scharfe Kanone, Infrarot-Kurzstreckenraketen, ein elektronisches Abwehrsystem und radargesteuerte Mittelstreckenraketen. Letztere hatte die Luftwaffe im Einsatz noch nie an Bord.

Im Inland dürften die „Eurofighter“ die Mittelstreckenwaffen nur im Kriegs- oder Spannungsfall tragen. Luftwaffeninspekteur Karl Müllner begründet die Aufrüstung damit, dass die russischen Flieger mit derselben Bewaffnung unterwegs seien. „Das ist kein Mittel zum Eskalieren. Das ist nur ein Mittel, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können“, argumentiert Müllner. Außerdem sei das für die Moral der Truppe wichtig. „Es gibt uns schon eine gewisse Rückversicherung, auch mit einer vollen Ausstattung dabei zu sein, denn man weiß ja nicht, was der andere für Befehle hat“, sagt Müllner. „Man würde auch als Polizist nicht unbewaffnet oder ohne seine Schutzausrüstung in den Einsatz gehen.“

In Russland dürften solche Signale nicht gut ankommen. Moskau hat auch Manöver im Osten des Nato-Gebiets oder in der Ukraine stets als Provokation gewertet. Ähnlich sieht das die Linke im Bundestag. Vize-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sprach gestern von „brandgefährlichen Kriegsspielen“ und „Wahnsinn“, den die Bundesregierung sofort stoppen müsse. „Wer voll bewaffnete “Eurofighter„ der Bundeswehr nach Osteuropa schickt, hat offensichtlich den Verstand verloren.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen