Angeklagter gesteht Missbrauch : „Hochaggressive, planvolle Tat“

Der Tatort und das Phantombild, mit dem der Täter in Schwerin und in der Sendung „Aktenzeichen XY“ gesucht wurde. Fotos: archiv
Der Tatort und das Phantombild, mit dem der Täter in Schwerin und in der Sendung „Aktenzeichen XY“ gesucht wurde. Fotos: Archiv

Vergewaltiger eines elfjährigen Jungen gesteht vor Gericht seine Tat

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22. Juni 2017, 20:55 Uhr

Es ist der Albtraum    aller Eltern: Ihr Kind wird von einem Fremden auf der Straße angesprochen, mitgelockt und an einem abgelegenen Ort missbraucht. Ein heute 41-jähriger Schweriner hat das einem elfjährigen Jungen und seiner Familie im Dezember 2015 angetan. Erst 13 Monate später konnte er gefasst werden. Gestern hat er vor Gericht die Tat gestanden.

Im grünen Freizeithemd und ausgewaschenen Jeans wurde er, an den Füßen gefesselt, in den Gerichtssaal geführt. Mit einem Aktenordner verbarg der eher schmächtige Mann sein Gesicht vor den 25 Zuschauern, die zum Prozessauftakt gekommen waren. Viele gingen bald wieder. Das Gericht wollte verhindern, dass Details der Tat und dadurch auch der Name des missbrauchten Kindes öffentlich bekannt werden. Zum Schutz des Jungen schloss es das Publikum mehrmals zeitweise aus.

Der gelernte Gas- und Elek-trotechniker ist wegen Vergewaltigung, Kindesmissbrauchs und Amtsanmaßung angeklagt. Er hatte den Jungen auf dem Weg zur Schule angesprochen, sich mit einem falschen Ausweis als Polizist ausgegeben und das Kind aufgefordert, zu einem angeblichen Drogentest mitzukommen. Er führte den Jungen zum Buga-Spielplatz am Franzosenweg in der Nähe des Schweriner Sees, wo er ihn vergewaltigte. Danach drohte er dem Jungen, ihn zu töten, falls er zur Polizei gehe.

Dennoch informierte das Kind seine Eltern und die Polizei. Die Fahndung verlief vorerst im Sande, obwohl am Tatort DNA-Spuren des Täters an drei Zigarettenkippen und einem Kaugummi sichergestellt wurden. Der Täter ist nicht vorbestraft und war in keiner Datenbank registriert. Auch die Auswertung der in den umliegenden Funkzellen registrierten Handys brachte die Ermittler nicht weiter.

Zufällig und willkürlich wurde der Junge Opfer des Täters. Durch einen Zufall kamen knapp ein Jahr nach der Tat die Ermittlungen wieder voran. Der Junge erkannte seinen Peiniger im Schweriner Stadtgebiet. Eine weitere Funkzellenauswertung und ein Abgleich mit jener vom Tattag grenzte die Zahl der Verdächtigen ein. Die Polizei fing an, diese Männer zum DNA-Test zu bitten. Der Täter war einer der ersten, der der Aufforderung freiwillig folgte. Im Januar 2017 wurde er festgenommen.

Der Verteidiger wollte der Öffentlichkeit auch Details aus dem Leben des Angeklagten vorenthalten und beantragte, das Publikum auszuschließen. Die Richter jedoch befanden, die Öffentlichkeit habe das Recht, mehr über den Täter zu erfahren. Eine Psychiaterin beschrieb den Angeklagten als Mann mit einem Doppelleben. Freundlich, höflich, hilfsbereit und fleißig habe er sich gut angepasst gegenüber Nachbarn und Kollegen verhalten. Andererseits, so die Gutachterin, lebte er seine Sexualität teilweise hemmungslos aus und suchte sich „wahllos“ Sexualpartner. Er ging ins Bordell, er schlief mit der Freundin seiner Freundin, er kontaktierte andere Männer über Kleinanzeigen. Auch schickte er seine Freundin auf den Strich und ging eine Scheinehe mit einer Ausländerin ein. An Kindern aber, so der Angeklagte gegenüber der Gutachterin, habe er kein sexuelles Interesse. Als Jugendlicher habe er homosexuelle Erfahrungen gemacht. In den vergangenen Jahren kamen ihm angeblich entsprechende Phan-tasien nur, wenn er Kokain genommen hatte – so wie im Hagenower Bordell in der Nacht vor der Tat. Die Gutachterin glaubt allerdings nicht, dass der 41-Jährige die Tat im Rausch beging: „Es war eine hochaggressive, planvolle Tat, die er rigoros durchgesetzt hat.“ Sie hält den Angeklagten für schuldfähig, pädophil sei er nicht. Der Angeklagte hat an die Familie des Jungen bereits ein Schmerzensgeld in vierstelliger Höhe gezahlt, so sein Verteidiger. Das Urteil will das Gericht in der nächsten Woche fällen.

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