Finanzministerin reagiert auf Hinweise des Landesrechnungshofes : Hobby soll nicht mehr Steuern sparen

<strong>Bei Pferden</strong><strong> müssen die Steuerprüfer</strong> genau unterscheiden, ob sie Hobby sind oder tatsächlich dem Broterwerb dienen.  <foto>dpa</foto>
Bei Pferden müssen die Steuerprüfer genau unterscheiden, ob sie Hobby sind oder tatsächlich dem Broterwerb dienen. dpa

Wer sein Hobby zum Unternehmen erklären will, um Steuern zu sparen, muss künftig höhere Hürden überwinden. Ministerin Heike Polzin (SPD) hat die Finanzämter angewiesen, bei einem solchen Verdacht schneller zu reagieren.

svz.de von
09. Januar 2013, 08:16 Uhr

Schwerin | Wer sein Hobby zum Unternehmen erklären will, um Steuern zu sparen, muss künftig höhere Hürden überwinden. Finanzministerin Heike Polzin (SPD) hat die Finanzämter angewiesen, schneller zu reagieren, wenn sie den Verdacht haben, jemand wolle die Ausgaben für seine "Liebhaberei" als Verluste eines Unternehmens deklarieren. Denn wenn Verluste vom übrigen Einkommen abgezogen werden, muss der Betreffende weniger Steuern zahlen. Die Ministerin reagierte damit auf Mängel, die der Landesrechnungshof (LRH) in vier Finanzämtern feststellte. Unter anderem durfte die Ehefrau eines Arztes mit dem Anbau von Getreide über 14 Jahre eine Million Euro Verlust machen, ohne dass das Finanzamt eingriff. Vermutlich sparte die Frau dadurch 500 000 Euro an Steuern.

Es gilt als vollkommen normal, dass Unternehmen vor allem kurz nach der Gründung keine Gewinne erzielen. Wenn, wie der LRH feststellte, ein EDV-Berater jedoch angibt, im Nebenerwerb verlustreich Boote zu vermieten, sollen die Steuerbehörden künftig spätestens nach fünf Jahren kritisch nachfragen, warum der Inhaber nichts dagegen tut. Möglicherweise wird die Motoryacht überwiegend privat genutzt. Dann allerdings können der Kaufpreis des Bootes und die laufenden Kosten nicht über Jahre hinweg als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Die Vermutung, dass es sich um "Liebhaberei" und nicht um ein Unternehmen handelt, mit dem Gewinn erzielt werden soll, wird laut Erlass der Finanzministerin erhärtet, "wenn die Tätigkeit keinerlei Existenzgrundlage für den Steuerpflichtigen darstellt und es ihm augenscheinlich darum geht, ein Hobby zu pflegen wie Viehhaltung und -zucht, besonders von Pferden, zu imkern, sich künstlerisch zu betätigen, Motorsport auszuüben oder eine sonstige Freizeitgestaltung zu betreiben".

Bei seinen Stichproben hatte der LRH oft schwerwiegende Indizien festgestellt, "die für eine Liebhaberei sprachen". In fast allen Fällen "hatten die Finanzämter die gebotene Prüfung unterlassen und die Verluste Jahr für Jahr endgültig anerkannt".

Skepsis ist nach Ansicht der Rechnungsprüfer zum Beispiel geboten, wenn alte Gutshäuser luxussaniert und in einem Teil des Gebäudes Ferienwohnungen angeboten werden, deren teure Herrichtung durch die Mieteinnahmen kaum eingespielt werden können. In einem Fall jedoch erkannte das Finanzamt 500 000 Euro der Ausgaben als steuermindernden Verlust an.

Auch in der einen oder anderen kostenintensiven "Pferdepension" steht offenbar nur selten ein fremdes Pferd.

Eine Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst betrieb nebenberuflich eine Praxis für Psychotherapie. Das Finanzamt ging auch nach 16 Jahren und Verlusten von 60 000 Euro nicht von Liebhaberei aus.

Ein mittlerweile 90-jähriger Pensionär konnte dem Finanzamt über Jahre hinweg glaubhaft machen, seine nur schwer verkäufliche Hobby-Malerei sei ein Nebenerwerb. Ein Handwerksmeister musizierte nebenbei auf Tanzveranstaltungen. Was er für sein Instrument, für Noten sowie für An- und Abfahrt ausgab, wurde von den Honoraren nicht gedeckt, minderte aber seine Steuerpflicht. Laut Landesrechnungshof hätte er damit beim Finanzamt nicht durchkommen dürfen.

Ein Sprecher des Landesrechnungshofs räumte ein, dass es für die Finanzbeamten wegen des komplizierten Steuerrechts schwierig sein kann, ein teures Hobby vom gewinnorientierten Unternehmen zu unterscheiden. Langfristig "wird nur eine grundlegende Steuerreform die Finanzämter entlasten können".

Hans Sennewald, Vorsitzender des Steuerberaterverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, glaubt aus eigener Berufspraxis nicht, dass die Finanzämter in den vergangenen Jahren generell zu lasch mit "Hobby"-Unternehmen umgegangen sind. "Nach meiner Erfahrung sind die Steuerbeamten sehr vorsichtig", sagte der Verbandschef der Steuerberater.

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