Hitze-Kollaps in Deutschland

Die extremen Temperaturen machen vielen Menschen zu schaffen / Tödliche Badeunfälle / Vielerorts Unwetter

svz.de von
05. Juli 2015, 13:20 Uhr

Am bislang heißesten Wochenende des Jahres sind mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen in Deutschland ums Leben gekommen. Strände und Seen erlebten bei fast 40 Grad einen gewaltigen Ansturm. Auch an Land hatte die Hitze gefährliche Folgen. Waldgebiete und Wiesen brannten. Auf die Hitze folgten in einigen Regionen Unwetter.

Doch Hoch „Annelie“ bescherte vielen Menschen aber auch ein perfektes Wochenende. Freibäder, Eisdielen und Biergärten waren ebenso heiß begehrt wie Brunnen und Planschbecken. Rimini-Feeling gab es an den Küsten: Die Ostsee sei „ihrem Ruf als besseres Mittelmeer“ an diesem Wochenende gerecht geworden, sagte ein Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Die Strände seien „pickepackevoll“ gewesen.

Unter den Badetoten waren am Wochenende Kinder und Jugendliche: In Bayern ertrank ein Vierjähriger in einem Baggersee. Am Rheinufer in Köln wurde ein Sechsjähriger beim Spielen von der Strömung erfasst. In einem Naturfreibad in Siegen ertrank ein Jugendlicher. Badetote meldeten auch Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft rief dazu auf, nur in bewachten Gewässern zu schwimmen. Bei Unfällen spiele oft Leichtsinn eine Rolle. Im letzten Jahr starben laut DLRG 392 Menschen beim Schwimmen in Deutschland, meist in Flüssen und Seen. Wegen Verdachts auf Hitzekollaps wurden mindestens sechs Teilnehmer des Deutschen Chorfestivals in Trier ins Krankenhaus gebracht. In Schwagstorf bei Osnabrück kollabierten 25 Erntehelfer auf einem Erdbeerfeld. In Berlin musste am Wochenende die Kuppel des Reichstagsgebäudes gesperrt werden – einige Menschen hatten zuvor dort bei 44 Grad Innentemperatur Kreislaufprobleme bekommen.

Die Polizei bekam auch Notrufe, weil Eltern ihre Kinder beim Einkauf in geparkten Autos zurückgelassen hatten. Auch Hunde mussten aus Fahrzeugen befreit werden. „Das ist unfassbar“, sagte ein Beamter in Thüringen. Die Fahrzeughalter seien mit Megafonen ausgerufen worden.

Die hohen Temperaturen ließen vielerorts die Ozonbelastung steigen. Hitzeschäden bremsten den Verkehr auf einigen Autobahnen und Bahnstrecken. Wegen der großen Hitze sind bundesweit allein gestern mindestens 19 Fernzüge der Deutschen Bahn ausgefallen. Zudem habe es bis zum Nachmittag 32 Ausfälle auf Teilstrecken gegeben, weil die Klimaanlagen in den ICEs und ICs nicht mehr funktionierten.

Die Tropen-Hitze brachte in einigen Regionen bereits Unwetter. In Hattingen am Rande des Ruhrgebiets wurden zwei Menschen vom Blitz getroffen und schwer verletzt. In Thüringen kippte eine Windböe auf der Autobahn 4 nahe Mellingen einen Lastwagen um. Das Führerhaus hing über einer Brücke und drohte in die Tiefe zu stürzen. Der Fahrer wurde gerettet. Am späteren Nachmittag löste heftiger Regen unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Niedersachsen mehrere Rettungseinsätze aus.

Die Hitzewelle hat Deutschland einen neuen Temperaturrekord beschert: Im bayerischen Kitzingen wurden gestern 40,3 Grad gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach mitteilte. Die bisher höchste jemals gemessene Temperatur in Deutschland betrug 40,2 Grad.

Heute soll eine Kaltfront für etwas Abkühlung sorgen, bevor morgen die Temperaturen wieder auf mehr als 30 Grad klettern. Der DWD rechnete mit schweren Unwettern in Westdeutschland. Auch Tornados seien möglich.

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