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Fame Premiere in Schwerin : Himmlische Narren auf dem Weg zum Ruhm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Fame – Das Musical“ am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin . Noch 14 Vorstellungen nur bis 6. März. Karten fast vergriffen.

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 20:45 Uhr

Ein nostalgischer Blick zurück. Ende der 80er-Jahre saß eine Gruppe von Studenten in der Kantine der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ und trieb die Dozenten in den Wahnsinn, weil sie wie verrückt eine Szene des Films „Fame“ nachahmten und mit Besteck auf Tische und Teller eintrommelten. Nach dem Studium kam die Truppe fast geschlossen ans Schweriner Theater. Heute arbeiten diese Schauspieler mehr oder weniger erfolgreich an verschiedenen großen und kleinen Bühnen, bei Film und Fernsehen oder schlagen sich irgendwie durchs Leben. Was mag aus ihren Träumen vom großen Ruhm noch übrig sein?

Nur zwei dieser Künstler sind dem Schweriner Theater über die Jahre treu geblieben. Peter Dehler als Regisseur und Schauspieldirektor, Thorsten Merten, der vielbeschäftigte Filmschauspieler, als gern gesehener Gast. Da hat es fast schon etwas Schicksalhaftes, dass beide in der letzten Schweriner Inszenierung Dehlers noch einmal zusammentreffen – in eben jenem Stück, das den Träumen junger Menschen vom großen Ruhm nachspürt. Denn genau davon erzählt „Fame – Das Musical“, das auf dem Film aus dem Jahr 1980 beruht, danach seinen Siegeszug um die Welt antrat und in Deutschland die bis heute anhaltende Musicalwelle auslöste.

Nun ist „Fame“ auch in Schwerin angekommen, wo das Staatstheater sich in den zurückliegenden Jahren mit erfolgreichen Stücken wie „Rocky Horror Show“, „Sonnenallee“ oder „Producers“ fast den Ruf eines Musicalhauses erspielt hat. Zumindest die unerschütterliche Beliebtheit beim Publikum scheint diese Entwicklung zu bestätigen. Auch „Fame“ wurde nach der Premiere am Donnerstag begeistert mit nicht enden wollendem Beifall gefeiert.

Eine angemessene Reaktion. Denn was das Schauspielensemble gemeinsam mit dem Ballett und den Statisten aufs Bühnenparkett zaubert, kann man nur als großes, effektvolles und vor allem in denSchauspielszenen berührendes Theater bezeichnen. Und die furios musizierende, fünfköpfige John R. Carlson-Band ersetzt ein ganzes Orchester.

Gleich die Eröffnungsszene, in der die künftigen Studenten mit der Zulassung für die Hochschule der Darstellenden Künste in der Hand mit überschäumender Freude von ihren großen Hoffnungen singen, offenbart den Schwung und die Energie dieser Inszenierung. Wahrscheinlich dürfte es schwer werden, an einem anderen deutschen Theater ein Schauspielensemble zu finden, das so wie das Schweriner sängerisch und tänzerisch aufzutrumpfen vermag.

Dabei sind die Charaktere der angehenden jungen Schauspieler, Sänger und Tänzer innerhalb des großen Ensembles durchaus individuell gezeichnet. Hier die Streberin, dort der Underdog. Die Clowns fehlen nicht und nicht die Rampensau, nicht der Hypersensible, die Schwärmerische, die unangepasst Wütende und nicht zuletzt die ewig Hungrige mit dem geringfügigen Gewichtsproblem. Die vielen kleinen Binnengeschichten um Liebe, Vertrauen, Karriere und Verlust, in kurzen Spielszenen erzählt, sorgen zwischen den bombastischen Musicalsongs und den rasanten Tänzen für Momente des Innehaltens.

Das Lehrertrio liefert schauspielerische Kabinettstückchen: Thorsten Merten als der Schauspiellehrer, der selber auf der Bühne gescheitert ist, Lucie Teisingerova als dauerqualmende, gestrenge Ballettlehrerin und Katrin Heller, für die die Schule und die Kunststudenten, diese „himmlischen Narren“, ganzer Lebensinhalt sind.

Dass eigentlich spartanische, nur von zwei Spindreihen an den Seiten, einer Treppe und einer angedeuteten amerikanischen Häuserfront akzentuierte Bühnenbild wird durch eine riesige Videowand im Hintergrund, die das Bühnengeschehen verdoppelt oder vervielfacht, zu einer hypermodernen Installation (Holger Syrbe).

Bei allem heiligen Ernst, den der Traum vom Ruhm verlangt, ist Peter Dehlers Inszenierung witzig und voller komischer Anspielungen auch auf den Geschmack des Publikums. Ob das freilich immer Recht hat? 

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