Flüchtlingsdrama : Hilfsbereitschaft weiter groß

Die erste Mahlzeit in Zahrensdorf in der Nacht zu Dienstag nach stundenlanger Busfahrt aus München
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Die erste Mahlzeit in Zahrensdorf in der Nacht zu Dienstag nach stundenlanger Busfahrt aus München

Kommunen unterstützen Flüchtlinge bei Unterkunft und Verpflegung / Kaserne in Fünfeichen als Quartier vorgesehen

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09. September 2015, 07:45 Uhr

Die Hilfsbereitschaft für die in MV ankommenden Flüchtlinge ist nach wie vor groß. Viele Kommunen haben bereits viele Neuankömmlinge aufgenommen, andere bereiten sich darauf vor. Hilfe kommt von der Bundeswehr. Die große Zahl von Flüchtlingen aus Syrien ist auch für muslimische Gemeinden eine Herausforderung.

Boizenburg Kurz vor 23 Uhr sind sie plötzlich da. Ohne ein Wort kommen die Flüchtlinge aus dem Bus mit Erdinger Kennzeichen. Nach stundenlanger Fahrt aus München sind sie in der Nacht zu gestern in Zahrensdorf bei Boizenburg gelandet. Umringt von Sanitätern, Polizisten, Mitarbeitern des Landesamtes und der Kreisverwaltung verteilen sich die rund 60 Neuankömmlinge auf die Feldbetten einer für sie vorbereiteten Turnhalle. Beifall und Willkommensrufe gibt es im Dorf für sie nicht. Großes Interesse schon. Bereits am Nachmittag tauchen erste Nachbarn auf, die Spenden bringen. Kinder mit Spielsachen, Jugendliche mit Kleidung. Aber auch Provokationen bleiben nicht aus. Ein Kombi stellt sich in die Einfahrt. Im Kofferraum sind drei große Benzinkanister zu erkennen. Die Polizei reagiert schnell, holt Verstärkung und schickt das Fahrzeug weg.

Neubrandenburg In der fast leeren Bundeswehrkaserne in Fünfeichen bei Neubrandenburg kommen Flüchtlinge unter. Wie ein Sprecher des Landeskommandos der Bundeswehr gestern sagte, sollen dort bis heute rund 200 Menschen Zuflucht finden. Es handelt sich laut Innenministerium vor allem um syrische Kriegsflüchtlinge. Die Kaserne wird im Zuge der Bundeswehrreform bis 2016 aufgegeben und soll zivil genutzt werden. Eine Bundeswehreinheit ist noch auf dem Gelände. In Neubrandenburg leben bereits rund 800 Flüchtlinge und Asylbewerber.

Schwerin Seit einiger Zeit strömen an jedem Freitag mehr als 250 Muslime zum Gebet in die beiden kleinen Räume des Islamischen Bundes in Schwerin, wie dessen Vorsitzender Mohamed Dib Khanji gestern berichtete. Früher seien es nicht mehr als 70 bis 80 gewesen. Die zusammen 125 Quadratmeter großen Räume seien komplett überfüllt. Der Islamische Bund suche größere Räumlichkeiten und sei dazu mit der Stadt im Gespräch. Ziel sei der Erwerb eines leerstehenden Kindergartens.

Hagenow Zwei weitere Notunterkünfte können in MV seit gestern bis zu 140 zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim stellte dem Land zwei leerstehende Schulungseinrichtungen in Heidhof bei Dömitz und in Hagenow mit je 70 Plätzen zur Verfügung, wie ein Sprecher in Parchim sagte. Die Unterkünfte sollten sofort belegt werden. Beide Unterkünfte sind, ebenso wie Zahrensdorf, Außenstellen der Erstaufnahmestelle des Landes in Horst.

Gadebusch „Mir wurde geholfen, jetzt helfe ich anderen Menschen“, sagt Hasan. Er ist Bauingenieur, Vater eines Kindes, floh aus Damaskus und lebt in Schwerin. Als Kriegsflüchtling kam er vor acht Monaten nach MV. In der Nacht zu gestern unterstützte er mit seinen jungen Deutschkenntnissen die ehrenamtlichen Kräfte vom Roten Kreuz in Meetzen bei Gadebusch. Name, Alter Wohnort, Angehörige – wichtige Fakten gilt es bei der Registrierung in der provisorisch eingerichteten Erstanlaufstelle vor dem Gutshaus aufzunehmen. Die kleine Zeltstadt ist eine vorübergehende Einrichtung.

Lübz Zwar wurden in ihrem Zuständigkeitsbereich noch keine Flüchtlinge aufgenommen, aber Gudrun Stein, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Eldenburg Lübz, ist sich sicher: „Wir können alle täglich sehen, wie dramatisch sich die Lage entwickelt. Die Aufgabe, darauf zu reagieren, kommt auch näher zu uns.“ Man versuche den Bedarf mit kommunalem Eigentum zu klären. „Es gab schon erste Gespräche. Grundsätzlich haben sich die Gemeinden im Amtsbereich bereit erklärt, zu helfen.“ Auch Privatleute hätten sich gemeldet.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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