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Zulage für Landlehrer? : Hilfeschrei aus der Grundschule

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Die Grundschulen senden Alarmsignale. Die Zahl der Überlastungsanzeigen steigt, mit denen Pädagogen signalisieren: Wir können unsere Aufgaben nicht mehr erfüllen. Anlass ist der Ausbau der integrativen Grundschule.

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erstellt am 30.Jan.2012 | 07:18 Uhr

Schwerin | Die Grundschulen im Land senden Alarmsignale. Nach Auskunft von Annett Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, steigt landesweit die Zahl der Überlastungsanzeigen, mit denen Pädagogen ihrem Dienstherrn signalisieren: Wir können unsere Aufgaben nicht mehr erfüllen. Anlass ist der Ausbau der integrativen Grundschule.

Seit dem vergangenen Schuljahr gibt es an den allgemeinen Förderschulen keine ersten Klassen mehr, Grundschulen sollten die Lücke schließen. "Meist ohne Fortbildung oder klare Vorgaben für die Lehrer", sagt Annett Lindner. Sie schildert ein Beispiel aus dem Schulamt Schwerin: In einer Klasse lernen 27 Kinder, fünf von ihnen wurde Förderbedarf attestiert. Sie werden einmal in der Woche von einer Sonderschulpädagogin unterrichtet - für drei Stunden. Die übrige Zeit ist die Klassenlehrerin auf sich allein gestellt und muss überlegen, ob sie zieldifferent unterrichten soll, die einen also nach dem Grundschullehrplan, die anderen nach dem der Förderschule. "Und wenn ja, woher bekommt sie den Förderschullehrplan?", fragt Annett Lindner.

Wie andere Interessenvertretungen sitzt die GEW in der Begleitgruppe der frisch konstituierten Expertenkommission zu Integration und Inklusion in der Schule, die langfristig ein Konzept für die Reform erarbeiten wird. Doch drängt die Gewerkschaft bereits auf schnellere Verbesserungen, etwa zusätzliche Förderstunden oder mehr Diagnoseförderklassen (DFK), die den Stoff von Klasse 1 und 2 in drei Schuljahren bearbeiten.

Eine zweite große Baustelle im Schulsystem stellt derzeit die Berufsschule dar. Aus Gewerkschaftssicht versagt dort das Lehrerpersonalkonzept, die Solidarvereinbarung, nach der sich alle Lehrer die vorhandenen Stunden teilen sollten. "Seitens des Landes gab es keine Einsicht für die Notwendigkeit eines Systemwechsels", kritisiert Annett Lindner nach der kürzlich gescheiterten Verhandlungsrunde zwischen Land und Lehrerverbänden zur Zukunft der Berufsschulen. Man habe sich vertagt und verabredet, die Gespräche wieder aufzunehmen, "wenn einer eine gute Idee hat".

Die Gewerkschaft sieht diesbezüglich zuerst das Land in der Pflicht. Sie sucht derweil Verbündete, unter anderen bei den Handwerkskammern, um sich gegen Qualitätsverlust und massiven Unterrichtsausfall in der Berufsausbildung stark zu machen. "Wir haben schon jetzt einen Fachkräftemangel und vergehen uns derart an der Berufsausbildung. Das darf nicht sein", betont Annett Lindner.

Unter dem Titel "Bildung ist Mehrwert" sammelt die GEW in den kommenden Wochen Vorschläge, um die Arbeitsbedingungen der Lehrer zu verbessern und den demografischen Wandel in den Schulen zu meistern. Demnächst braucht das Land bis zu 600 junge Lehrerinnen und Lehrer pro Schuljahr. "In Rostock und Greifswald ist das kein Problem, auf dem platten Lande schon", sagt Annett Lindner und regt eine Landlehrer-Zulage an, um Absolventen zu locken. Zudem müsse das Land die hohe Unterrichtsverpflichtung von 27 beziehungsweise 27,5 Stunden pro Woche (Grundschule) überdenken. Anderswo werde mehr Geld für weniger Arbeit geboten, gibt die Gewerkschafterin zu bedenken. Auch eine Verbeamtung junger Lehrer und Erleichterungen für ältere Kollegen müssen diskutiert werden.

Die GEW will ihre Vorschläge Anfang März auf einer Mitgliederkonferenz zu einem Forderungskatalog an das Land bündeln. Spätestens im Doppelhaushalt 2014/15 sollten sich dann die Schritte zu einem "langfristigen Personalentwicklungskonzept" finanziell auswirken.

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