35. Bürgersprechstunde : Hilferuf beim Landesvater

<strong>Jürgen Hamann</strong>, Vorsitzender des Schweriner Tierschutzvereins, spricht mit Erwin Sellering über Katzen und Kater. <foto> Foto: P. Jasmer</foto>
Jürgen Hamann, Vorsitzender des Schweriner Tierschutzvereins, spricht mit Erwin Sellering über Katzen und Kater. Foto: P. Jasmer

Als Erwin Sellering bei seinem Amtsantritt ankündigte, dass er den Bürgern mehr als seine Vorgänger Gehör schenken werde, war das ein guter Vorsatz. Am Mittwoch fand bereits die 35. Bürgersprechstunde in Schwerin statt.

svz.de von
11. Juli 2012, 08:09 Uhr

Schwerin | Als Erwin Sellering (SPD) bei seinem Amtsantritt im Herbst 2008 ankündigte, dass er den Bürgern mehr als seine Vorgänger Gehör schenken werde, war dies ein guter Vorsatz. Ob der Ministerpräsident ahnte, was auf ihn zukommen würde? Im Frühjahr in Ueckermünde saß der Landesvater bis nach Mitternacht mit Bürgern zusammen. Bei seiner nunmehr 35. Bürgersprechstunde gestern in Schwerin drängten sich vier Bürgerinitiativen und weit über 40 Wähler, so dass erstmals die Sprechstunde auf zwei Tage ausgedehnt werden musste. Doch nicht immer kann der Erste Mann im Lande helfen. Aber zuhören, das kann er.

Mayk Peters aus Schwerin und seine Mutter Ingrid wenden sich in großer Not an den Ministerpräsidenten. Zur Sprechstunde haben sie gleich den dritten Termin ergattert. Sie wollen mit dem Landeschef über ihr Gartengrundstück mit Bungalow im Stadtteil Neumühle sprechen. Ihr Kleinod steht vor dem Aus: Die Stadt hat die Pacht um 122 Prozent erhöht. Ab kommenden Jahr. Innerstädtische Sanierung ziehe eine Wertsteigerung nach sich, so die Begründung, die in den letzten Jahren manchen Grundstückseigner und Pächter in MV erreichte. Für Familie Peters unbegreiflich. "Das können wir doch gar nicht bezahlen", klagt Ingrid Peters. Seit elf Jahren pachten sie und werkeln fleißig. "Bisher gab es nur einmal eine minimale Erhöhung und jetzt das!", zeigen sie sich von den Schweriner Stadtvätern enttäuscht. Ebenso wie Familie Peters gehe es sieben weiteren Pächtern. "Einer von ihnen lebt dort richtig. Entweder er bezahlt oder er hat gar kein Dach mehr über dem Kopf", berichtet die Schwerinerin von den existenziellen Nöten. Bei Erwin Sellering findet sie für ihr Problem zwar Gehör, aber helfen kann er nicht. Das sei eine Angelegenheit der Stadt, heißt es. Familie Peters muss weiter kämpfen.

Helfen kann der Ministerpräsident aber im Fall von Jürgen Hamann. Der Vorsitzende des Schweriner Tierschutzvereins kümmert sich um freilaufende Katzen und Kater. Seit über 20 Jahren nimmt er sich schon der Tiere an. Peter und Felix, beide über 20 Jahre, sind die ältesten Tiere, denen er mit Futter und Tierarztbesuchen hilft. Er investiert viel Geld und Zeit. "Von dem Geld hätte man sich vielleicht schon zwei Mittelklassewagen kaufen können", spekuliert er gestern. Seine Kritik: Seitdem 2002 der Tierschutz ins Grundgesetz und auch in die Landesverfassung aufgenommen wurde, sei nicht viel passiert. Jürgen Hamann wünscht sich eine Lösung für freilaufende Katzen. "Tierhalter, die ihre Katzen und Kater draußen lassen, sollen angehalten werden, ihre Tiere zu kastrieren und sterilisieren", so der Vereinsvorsitzende. In Bremen sei dies bereits durchgesetzt worden. Laut Hamann habe sich auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) dafür ausgesprochen, "aber geschehen ist nicht viel". Jürgen Hamann fordert Sellering auf, mehr Druck aufzubauen, damit sich etwas bewegt. Und der Ministerpräsident verspricht, die Anfrage an das Landwirtschaftsministerium weiterzuleiten.

Probleme aus erster Hand zu erfahren, sei ihm wichtig, sagte Erwin Sellering mit Blick auf die vielen Anmeldungen. Während seiner Amtszeit haben über 800 Menschen den Weg in seine Sprechstunde gefunden, gut 600 Gespräche wurden geführt. "Direkte Hilfe ist aber kaum möglich", schränkt der Regierungschef ein. Vielmehr könne er Hilfestellungen und Hinweise geben.

Doch in Gerichtsbeschlüsse oder in städtische Angelegenheiten könne selbst er nicht hineingrätschen, erklärte er. "Aber ich werde auf Dinge aufmerksam, die ich sonst nicht hören würde".

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