Teterow : Hilfen für den Pommernadler

Kein anderes Wildtier ist Mecklenburg-Vorpommern namentlich so verbunden wie der Pommernadler.
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Kein anderes Wildtier ist Mecklenburg-Vorpommern namentlich so verbunden wie der Pommernadler.

In der Heimat fehlen Lebensräume und Nahrung. Mit einigen Initiativen wird dem kleinen Adler geholfen

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19. September 2017, 12:00 Uhr

Kein anderes Wildtier ist Mecklenburg-Vorpommern namentlich so verbunden wie der Pommern-adler. Doch dem kleinstem deutschen Adler fehlen Lebensräume.

„In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch rund 100 Brutpaare“, sagt Landeskoordinator Wolfgang Scheller. In Brandenburg seien 22 Paare bekannt, eins in Sachsen-Anhalt. Zumindest sei aber der Bestandsrückgang gestoppt worden, sagt Scheller mit etwas Genugtuung. Die auch als Schreiadler bekannten Raubvögel sind auf Wiesen und Weiden angewiesen. Mit dem Wegfall der Flächenstilllegung in der Landwirtschaft zu Beginn der 2000-er Jahre hatte sich die Zahl der Adler verringert. Auf brachliegenden Flächen finden die Vögel Mäuse und Amphibien, auf intensiv genutzten Feldern kaum etwas.

Der erstmals 1831 wissenschaftlich beschriebene Schreiadler kam in der ehemaligen preußischen Provinz Pommern häufig vor, weshalb er Aquila pomarina genannt wurde. Der Adler mit bis zu 67 Zentimetern Körperlänge und 160 Zentimetern Flügelspannweite war einst bis ins westliche Deutschland verbreitet, berichtet Scheller. Die Bejagung und Veränderungen der Lebensräume verdrängten den scheuen Vogel immer weiter nach Osten. Die westliche Verbreitungsgrenze des Adlers verläuft heute mitten durch Mecklenburg-Vorpommern und den Nordosten Brandenburgs. So gibt es noch Brutplätze bei Gnoien und Teterow. „Wir müssen aufpassen, dass nicht auch die noch verloren gehen“, warnt Scheller.

„Es fehlt dem Schreiadler an Nahrung“, sagt der Arzt Gerd Tschiesche. „Er jagt, anders als alle anderen Arten, gerne zu Fuß am Boden. Und dabei findet er kaum noch etwas“, weiß der Nebenerwerbslandwirt, der am Stadtrand von Gnoien (Landkreis Rostock) und im Trebeltal Wiesen und Weiden bewirtschaftet. Während konventionelle Betriebe bis zu fünfmal im Jahr Gras zur Futtergewinnung mähen, nutzt der Biobauer seine Flächen als Weideland für Rinder und Pferde. Durch den längeren Pflanzenaufwuchs siedeln sich kleine Säugetiere wie Mäuse an, die bevorzugte Nahrung der Adler. Tschiesche legt zusätzlich Mähstreifen an, auf denen kaum eine Maus den Superaugen des Greifs entgeht. Diese Biotope sind zugleich Rückzugsgebiete für Insekten. Durch seine Art der Bewirtschaftung schaffe er wenigstens eine Insellösung – auch wenn die Umweltprobleme damit nicht aus der Welt zu schaffen seien.

Auch der Landwirt Matthias Hantel engagiert sich für den Schreiadler. „Wir machen um seinen Horst einen großen Bogen“, sagt der Chef des Milchhofes Alt Sührkow bei Teterow. Umweltminister Till Backhaus (SPD) begrüßt das Engagement: „Der Pommernadler ist ein symbolträchtiges Tier für unser Land. Ginge die Art verloren, ginge mit ihr auch ein Stück Identität.“

Immerhin gab es 2016 im Land so viele Neuansiedlungen wie lange nicht. Man müsse aber abwarten, ob diese dauerhaft seien, ob die Vögel überhaupt aus dem Winterquartier zurückkehrten, sagt Scheller.

Dieser Tage ziehen wieder Tausende Schreiadler über den Bosporus und das östliche Mittelmeer gen Afrika. Die meisten kommen aus Ost- und Südosteuropa, wo sie noch häufiger als in Deutschland Feuchtwiesen und Moore, Hügel- und Berglandschaften mit dichten Wäldern finden. Der Flug ins Winterquartier birgt viele Gefahren: In den östlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres hat die Jagd auf Greifvögel Tradition. Scheller lobt das Engagement in Israel. Dort gelte ein absolutes Jagdverbot, und es werde Buch geführt über die Bestandsentwicklung des Adlers.

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