zur Navigation springen

Tourismus in MV : Hilfe für ungepflegte Radwege

vom
Aus der Onlineredaktion

Neu gebaut und nicht gewartet: Viele Radpisten in MV sind schon wieder in beklagenswertem Zustand

Für die vernachlässigten Touristen-Radwege im Nordosten kommt Hilfe in Sicht. Nach dem Vorbild Brandenburgs soll eine Koordinierungsgruppe mit Landkreisen, Kommunen, Land, Tourismusverbänden und ADFC gebildet werden, um ein Modernisierungsprogramm auf den Weg zu bringen, sagte der Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), Martin Elshoff, gestern in Schwerin. Zunächst werde der Radfernweg Berlin – Kopenhagen in den Fokus genommen. Er führe auf 255 Kilometern durch Mecklenburg-Vorpommern und weise mit neun Prozent die geringsten Schäden unter den Radfernwegen im Land auf.

Die Schäden, die in den vergangenen Jahren oft mangels Pflege entstanden, sind nach Elshoffs Worten vielfältig: zugewachsene Wege, ausgewaschene Fahrbahnbeläge, veraltete und verwitterte Wegweiser. Für die Reparaturen seien inzwischen etwa 50 Millionen Euro nötig.

Elshoff verwies erneut auf das Vorbild Brandenburg. Dort habe ein 40-Millionen-Euro-Programm spürbare Verbesserungen gebracht. „Man merkt, wenn man auf einem Radweg die Landesgrenze von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern überquert“, sagte er.

Mecklenburg-Vorpommern verliert seit Jahren in der Gunst deutscher Fahrradtouristen. Lag der Nordosten 2011 auf Platz eins, ist es jetzt nur noch Platz sieben. Als Hauptgrund gelten schlecht gepflegte Radwege. Ein Fünftel der Gesamtstrecke der vier wichtigsten Radfernwege im Land sei in einem schlechten, für den Nutzer nicht akzeptablen Zustand, sagte Elshoff. Dies sei das zentrale Ergebnis einer großangelegten Untersuchung im vergangenen Jahr. Untersucht wurden der Ostseeküstenradweg, der Radweg Berlin-Kopenhagen, der Mecklenburger-Seen-Radweg und der Oder-Neiße-Radweg.

Neben Geld sind nach Elshoffs Worten auch klare Zuständigkeiten für den Ausbau und den Erhalt der Radwege nötig. Oft fehle es vor Ort an der Bereitschaft, eine Priorität beim Radweg zu setzen. Elshoff betonte das wirtschaftliche Potenzial von Fahrradtouristen. Jeder lasse im Schnitt 74 Euro pro Tag in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Opposition forderte das Land zum schnellen Handeln auf. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, sagte: „Gebraucht wird deutlich mehr Geld und Leidenschaft von der Landesregierung.“ Sie forderte im Rahmen der ab Herbst laufenden Haushaltsberatungen für den Landesetat 2018/2019 personelle und finanzielle Unterstützung.

Auch die AfD verlangte ein Ende des Investitionsstaus. „Wären die erforderlichen Reparaturen der beschädigten Streckenabschnitte sofort erfolgt, müsste die öffentliche Hand jetzt nicht bis zu 50 Millionen Euro für ein Modernisierungsprogramm auf den Tisch legen“, sagte der tourismuspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Thomas de Jesus Fernandes.

Nach Angaben aus dem zuständigen Infrastrukturministerium in Schwerin stehen für die Jahre 2017 bis 2020 jährlich 3,25 Millionen Euro für die Förderung der touristischen Radwege zur Verfügung.

Touristische Radfernwege seien überwiegend kommunale Radwege und die Kommunen seien für den Unterhalt verantwortlich, betonte ein Sprecher. Einige wenige Fernradwege verliefen entlang von Bundes- oder Landesstraßen. Dort sei das Land zuständig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen