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Entsorgung der Aida-Abwässer : Hightech-Firma sucht Häuptlinge

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Kavelstorfer Firma auf der Überholspur: Im Rostocker Hafen nahmen die Experten von H&F Industry Data zuletzt ihre neueste Messtechnik in Betrieb, um die Schiffsabwässer zu entsorgen. So soll die Ostsee sauberer werden.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 09:10 Uhr

Rostock/Kavelstorf | Kavelstorfer Firma auf der Überholspur: Im Rostocker Hafen nahmen die Experten von H&F Industry Data zuletzt ihre neueste Messtechnik in Betrieb, um die Schiffsabwässer zu entsorgen. In Hamburg werden sie 83 Trinkwasserbrunnen mit neuer Automatisierungsstechnik ausrüsten. Und auf dem Berliner Großflughafen (BER) sorgten die Ingenieure dafür, dass die Landebahnen auch bei Starkregen schnell entwässert werden. Wer steckt hinter diesen Projekten? Ein Besuch im Gewerbegebiet Kavelstorf-West.

Nicht mal zwei Minuten nachdem man die A 19 an der Abfahrt Dummerstorf verlassen hat, biegt man in die Zeppelinstraße ein. Ein typisches Gewerbegebiet nüchterne Zweckbauten, karges Umfeld, dazu rauscht die Autobahn. Ein Bauer zuckelt mit seinem Einspänner an dem Gebäudekomplex von H&F vorbei. An der Fassade steht "Power in Automation". Tradition neben Fortschritt.

Drinnen geht es bescheidener zu. Den Begriff "Hightech" nutzt Geschäftsführer Andreas Felske nicht, wenn er über das jüngste Projekt seiner Firma spricht, die auf Automatisierung und Informationsverarbeitung spezialisiert ist. Der 53-Jährige nennt es "Tagesgeschäft". Zwei Millionen beträgt das Auftragsvolumen in Hamburg. Langjährige Erfahrung in der Automatisierung von Wasser- und Klärwerken haben die Mitarbeiter von H&F seit 20 Jahren. 2002 haben sie in Hamburg bereits die Rathausschleuse technisiert - bei laufendem Betrieb.

Der Fortschritt sorgt dafür, dass der Mensch abkömmlich ist, eine Diskussion, die sich eigentlich erübrige, findet Felske. Nachdenklich stimmt es ihn allerdings doch, wenn der Hobby-Skipper an Urlaube in Frankreich denkt. Der persönliche Kontakt zu einem Schleusenwärter, der einem auch mal Wein und Honig verkaufe, fehle, wenn der Mensch eingespart werde.

Doch die Innovationen der Kavelstorfer sorgen eben auch dafür, dass die Ostsee sauberer wird. Dank der modernen Mess- und Analysetechnik können bis zu 900 Kubikmeter des Grauwassers, also des Abwassers, der Kreuzfahrtschiffe aus deren Rumpf quantitativ erfasst und qualitativ überprüft werden, bevor sie in die Kanalisation kommen. Nach Angaben des Hafens sei Rostock damit neben Helsinki und Tallinn einer der wenigen Ostseehäfen, die diesen Dienst anbieten. Und ein Mensch zur Maschine wird auch benötigt: Der Hafenmeister könne mit einem wetterfesten Rechner über sein Gelände gehen, um die Annahme und Analyse der Abwässer zu dirigieren, erläutert Felske.

Um die gesteuerte Entsorgung von Wasser ging es auch 2007 bei ihrem bislang größten Auftrag - auf dem BER-Flughafen. Am 3. Juni wird der vollständig in Betrieb genommen und damit wird sich zeigen, ob die Landebahnen enormem Niederschlag trotzen können. Auf dem Rollfeld des dann drittgrößten deutschen Flughafens sorgt die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik aus der Nähe von Rostock dafür, dass die Wassermassen unterirdisch kontrolliert abgepumpt und gefiltert werden. Die Steuerung von acht besonders großen Pumpwerken und ein spezielles Pipeline-Überwachungssystem sind Teil des 4-Millionen-Euro-Auftrags.

Das 20-jährige Jubiläum hat der Mittelständler 2011 hinter sich gebracht. 120 Mitarbeiter hat die Firma. Das Thema Fachkräftemangel kennt der Chef gut. "Es ist schon schwierig und es wird noch schwieriger." Er sucht "Häuptlinge" und meint Leitmonteure, die eine Baustelle eigenverantwortlich führen können. Damit die Kavelstorfer auch in Zukunft weiter durchstarten können.

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