Na sowas! - Erfindungen aus MV : Hightech am Meeresboden

 Der Tauchroboter wird für einen Einsatz vorbereitet
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Der Tauchroboter wird für einen Einsatz vorbereitet

Tauchroboter sind keine Neuheit - solche, die bis sechs Kilometer unter dem Meeresspiegel gelangen können, schon. Bei der Firma Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH in Bentwisch bei Rostock wurde einer entwickelt.

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16. Mai 2013, 10:53 Uhr

Es ist vier Grad kalt dort unten und stockdunkel. Der Wasserdruck ist so hoch, dass niemand unbeschadet hinabtauchen kann - in der Tiefsee, bis sechs Kilometer unter dem Meeresspiegel. Aber für Forscher ist dieser Teil der Erde interessant - also müssen sie etwas hinunterschicken, das die extremen Bedingungen aushält.

Tauchroboter an sich sind keine Neuheit - solche, die in diese Tiefen gelangen können, schon. Bei der Firma Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH in Bentwisch bei Rostock haben die Ingenieure einen Forschungsroboter entwickelt, der druckneutral taucht. Druckneutral bedeutet, dass durch eine spezielle Fertigungstechnologie die sensiblen Messgeräte keinen Schaden nehmen. "Erno 2", kurz für Erprobungs- und Notberge-System, wurde 2012 im Nordatlantik erfolgreich getestet - in Kooperation mit dem Institut für Ostseeforschung (IOW) in Warnemünde. Er wird in Bentwisch gefertigt. Der Trick: Man baut die spezielle Elektronik nicht mehr in Druckkammern ein oder umgibt sie mit Öl, sondern vergießt sie mit Silikon. Das heißt, die empfindliche Elektronik ist komplett durch eine elastische Umhüllung geschützt und kann so unbeschadet abtauchen.

"Für 6000 Meter Tiefe würde man riesige Druckkammern brauchen, um die Technik abzuschirmen - die Fahrzeuge wären ungefähr so groß wie ein kleines Zimmer", erklärt Carl Thiede. "Unser Roboter ist nicht größer als ein Kühlschrank." So ist "Erno 2" auf Forschungsschiffen leicht einsetzbar. An Bord gibt es ohnehin eine Winde, um Sonden ins Wasser zu lassen - diese reicht für den kleinen Tauchroboter aus. Er ist durch ein Kabel mit dem Forschungsschiff verbunden, denn alle Systeme werden elektrisch betrieben. Er hat - neben der Steuerungselektronik - Kameras, LED-Scheinwerfer und einen Greifer zur Probennahme. Ein Sonar erkundet einen Umkreis von 200 Metern - viel weiter, als die Kameras schauen können. Mit Lasertechnik können Objekte vermessen werden.

Durch ein spezielles Navigationssystem wissen die Forscher über Wasser immer genau, wo ihr Gerät sich befindet. Das ist wichtig, weil sich "Erno 2" ein Stück über dem Meeresboden von seiner Garage trennt und ferngesteuert agiert. Über eine Datenleitung können die Wissenschaftler verfolgen, was mehrere Kilometer unter ihnen passiert. Die Länge der Tauchfahrten ist nahezu unbegrenzt, denn die Batterien der Unterwassertechnik können während des Einsatzes nachgeladen werden. Angetrieben von vier Elektromotoren, lässt sich der Roboter in einem Radius von 120 Metern über den Meeresboden manövrieren. "Er ersetzt unter Wasser Hände, Ohren und Augen", sagt Enitech-Chef Gerhard Körner. "Es gibt bereits Interessenten, die das Gerät kaufen wollen." Der Industrie kommt die Neuentwicklung entgegen, denn es gibt einen steigenden Bedarf für relativ kleine, einfache Unterwasserfahrzeuge, etwa für Inspektionsfahrten in der Offshore-Industrie. "Erno 2" kostet etwa 800 000 Euro - bisherige Lösungen ab fünf Millionen Euro aufwärts.

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