Serie „Adel verpflichtet" : Hierbleiben und anpacken

Das Schloss Ulrichshusen  ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts Familiensitz der von Maltzahns und wurde nach einem Großbrand 1987 von Helmuth und Alla von Maltzahn 1993 bis 2001 wieder aufgebaut.
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Das Schloss Ulrichshusen ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts Familiensitz der von Maltzahns und wurde nach einem Großbrand 1987 von Helmuth und Alla von Maltzahn 1993 bis 2001 wieder aufgebaut.

Musik kann beflügeln, wie Ulrichshusen zeigt / Seit 1994 gehört es zu den wichtigsten Festspielort im Land – Initiator war Helmuth von Maltzahn

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04. März 2015, 11:50 Uhr

Wer im Sommer in das kleine Dorf Ulrichshusen kommt, dürfte sich die Augen reiben. Um das sanierte und idyllisch am See gelegene Renaissanceschloss und die Konzertscheune der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern tummeln sich Hunderte Besucher in dem 50 Seelen-Ort, manchmal lustwandeln Musiker durch den Park. Auch TV-Lady Barbara Schöneberger hat hier wie viele andere Hochzeit gefeiert, berichtet „Schlossherr“ Helmuth von Maltzahn. Der 66-Jährige gehört zu einer der ältesten deutschen Adelsfamilien, deren Geschichte sich 800 Jahre zurückverfolgen lässt. Seine Familie floh wie viele Adlige aus Mecklenburg und Vorpommern 1945 nach Westen und wurde enteignet.

Doch das ist Vergangenheit. Seit 1990 erstand dank des couragierten Mannes und seiner Familie nicht nur Ulrichshusen sprichwörtlich aus Ruinen. Auch das Nachbargut Tressow und Schloss Gützkow wurden saniert – mit Investitionen von geschätzt rund vier Millionen Euro und öffentlicher Förderung. Eine Leistung, die auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) würdigt: „Helmuth von Maltzahn gehört zu denen, die sich mit großer Tatkraft und vielen Ideen auf vorbildliche Weise für unser Land engagieren.“ Mit dem Wiederaufbau des Schlosses und seinem Engagement für die Klassik-Festspiele habe Maltzahn Großes geleistet. „Die DDR und Mecklenburg waren für uns früher weiter weg als der Mond“, erinnert sich der in Stade bei Hamburg geborene Geschäftsmann.

Maltzahn studierte in Bonn und Harvard (USA) und arbeitete europaweit als Manager eines großen Konzerns, der Kosmetika und Pflegemittel vertreibt. „Mein Schlüsselerlebnis war 1964, als mein Vater starb“, erzählt er. Im Westen sei „Junker“ damals eher ein Schimpfwort gewesen. Nach der Beerdigung kam aber per Paket aus dem Heimatdorf in Mecklenburg ein geflochtenes Kreuz für das Grab. Das habe die guten Beziehungen zur Dorfbevölkerung belegt.

1989, als die Mauer fiel, war Maltzahn 40 Jahre alt, hatte in Hessen gerade ein historisches Gebäude saniert und dafür einen Denkmalpreis erhalten. „Ich wollte ein Haus aus der Familie im Osten wieder aufbauen, die Wahl fiel auf das bei einem Brand schwerbeschädigte Ulrichshusen.“ Anfangs räumte man am Wochenende auf, der Durchbruch kam 1994. Maltzahn und dem Intendanten der Klassik-Festspiele, Matthias von Hülsen, gelang es, Menuhin (1916-1999) für ein Konzert zu begeistern. Der Grundstein für den Hauptort der Festspiele war gelegt, und Menuhin kam jedes Jahr.

Um die 60  000 Besucher jährlich zählt das Dorf inzwischen. „Der Mann war ein Glücksfall für uns“, sagt der ehemalige Bürgermeister Dirk Stolz. Maltzahn, der 2002 samt Familie vollständig nach Mecklenburg zog, sah seine Töchter hier aufwachsen, betätigt sich jetzt als Forst- und Landwirt sowie Politiker und Diplomat. „Du musst hier leben und dich einbringen“, lautet seine Maxime. Er bewirtschaftet zusammen mit einem Landwirt rund 600 Hektar Acker und Wald als „Hinterland für das Schloss“. Zu den Bauern im Umfeld habe er ein gutes Verhältnis. Das Problem seien jetzt finanzkräftige Investoren, die ihr Geld bei Boden anlegten. Landwirtschaft dürfe nicht zum Industriegut werden, da hätten Einheimische nichts davon.

Die Frage nach seiner Identität ist für Maltzahn klar: „Ich bin Mecklenburger.“ Falls er mal nicht mehr könne, sei sicher, dass seine derzeit in Berlin lebenden erwachsenen Töchter weitermachen. Das sei geregelt. Er selbst will sich als Kommunalpolitiker, Honorarkonsul für Polen und bei der Stiftung Mecklenburg weiter engagieren. Und wenn das Leben zu Ende geht? „Dann werde ich gegenüber in Rambow an der Kirche begraben werden.“

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