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Trabi-Treffen Anklam : Hier lebt der „Trabi“ weiter

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit 22 Jahren treffen sich Freunde des Ost-Autos in Anklam. Bisher ist die Begeisterung für den Trabant ungebrochen

svz.de von
erstellt am 05.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Es scheint als wäre die Zeit hier stehen geblieben: Überall ist das typische Trabant-Knattern zu hören, ein Abschnittsbevollmächtigter düst auf einer Schwalbe über den Platz, die Kinder radeln auf Klapp-Fahrrädern und geschlafen wird im Klappfix.

Jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende erwacht die DDR auf dem Anklamer Flugplatz zum Leben. Mehr als 1500 Teilnehmer werden bis Sonntag beim 22. Internationalen Trabant- Treffen erwartet. Unter ihnen sind nicht nur Deutsche. Der Pole Lukasz Jarzabek lebt mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn fast an der Grenze zu Litauen. 800 Kilometer haben die Drei bis nach Vorpommern zurückgelegt. Zwölf Stunden habe die Fahrt gedauert, berichtet Jarzabek – denn allzu schnell geht es mit einem Trabant und einem Wohnwagen dahinter nicht voran. Die Familie ist das erste Mal beim Treffen und total begeistert. Der „Trabi“ sei sein Hobby, erklärt Lukasz Jarzabek. „Das ist ein starkes Auto. Der fährt und fährt und fährt – ohne Probleme.“

Neben dem polnischen Trabant steht einer mit norwegischem Kennzeichen. Das Auto gehört zu Denny Schulz. Der geborene Dresdner lebt seit 10 Jahren in Norwegen. Auch er habe um die 800 Kilometer bis nach Anklam in seinem Oldtimer zurückgelegt. Er liebt es, dass der Trabant so einfach und spartanisch ist. „Dass man mit so einem kleinen Auto und so einer kleinen Maschine so weit kommen kann“, sagt er beeindruckt. Dabei ist es nicht die erste längere Tour, die er mit einem Trabant gefahren ist. 1998 ist er mit einem Kumpel von Dresden nach Nizza gefahren. „Du nimmst dir eben Zeit“, sagt er, denn der Trabant fährt in etwa 90 Kilometer die Stunde.

An die 1000 Fahrzeuge gibt es beim 22. Internationalen Trabant-Treffen zu sehen. Darunter auch viele Ost-Mopeds. Einen ganzen Schwung davon hat die Gruppe um André und Christian Stoll mitgebracht. Besonders stolz sind die Brüder aber auf ihre Trabant-Feuerwehr: ein knallroter Mini-Trabi mit Blaulicht und Löschanhänger. „Die hat Christian zu seinem 5. Geburtstag bekommen“, berichtet sein Bruder. Heute ist er 22.

Auch wenn er und seine Freunde die DDR nicht mehr miterlebt haben, sind sie doch echte Liebhaber von Ostmopeds und -autos. „Wir sind früher schon immer mit Vati in der Werkstatt gewesen“, berichtet der 18-jährige André. Auch ihn fasziniert die Einfachheit der Fahrzeuge. „Ein kleiner Motor mit sechs Schrauben dran, den kriegst du ganz leicht ausgebaut.“ Aber auch der Klang und der Geruch sei einfach toll am „Trabi“, ergänzen die anderen.

Mit Jung und Alt reist die Gruppe aus Tribsees jedes Jahr an. „Der Trabi lebt“, sagt Jens Rüberg ganz klar. Er ist der Vorsitzende vom Trabbi-Buggy- Club ´93, der das Treffen seit 22 Jahren auf dem Anklamer Flugplatz veranstaltet. 1995 haben sie mit 638 Teilnehmern angefangen, heute sind es dreimal so viele. „Damals hat das Treffen 2 800 Mark gekostet, heute kostet es 79 000 Euro“, sagt Jens Rüberg, um die Dimension klarzumachen. 80 Prozent der Teilnehmer seien mittlerweile Stammgäste und jedes Jahr dabei. „Die meisten kommen aus der Generation, die Anfang der 90er den Führerschein gemacht hat.“ Den Trabant wollte nach der Wende keiner mehr haben und so haben die Fahranfänger damals günstig ein Auto bekommen, erklärt er. Und die Liebe ist bei vielen bis heute geblieben. Allerdings ist der Trabant kein Alltagsauto mehr, mit dem man zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt. „Jetzt werden die schön fertig gemacht und nur noch bei strahlendem Sonnenschein herausgeholt.“ Der Vereinsvorsitzende macht sich Gedanken um die Zukunft. Seine Befürchtung: „In zehn bis 15 Jahren ist das Ding vorbei.“

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