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Sturmschäden : Hier klingelt kein Telefon mehr

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit einer Woche ist das kleine Botelsdorf wegen eines Sturmschadens vom Telefonnetz abgehängt. Das ist nur eine Spätfolge von „Herwart“

Drei Straßen, gut 100 Einwohner, ganz viel Grün und so richtig schön ab vom Schuss. Idylle pur. Wer seine Ruhe sucht, ist in Botelsdorf bei Gadebusch genau richtig. Kein lästiger Verkehrslärm, auch Handys klingeln hier wegen fehlender Netzabdeckung so gut wie nie. Und seit nunmehr einer Woche schweigt auch das gute alte Festnetztelefon. Nur eine Spätfolge des Sturmtiefs „Herwart“. Der fegte vergangenes Wochenende über das Land und entwurzelte in Mecklenburg-Vorpommern Bäume, deckte Dächer ab und beschädigte Hochleitungen. Noch sind nicht alle Schäden behoben.

„Unser ganzes Dorf ist abgehängt. Während des Sturmes am vergangenen Wochenende sind Bäume auf die Telefonleitung gestürzt und haben die kaputtgemacht“, sagt die 74-jährige Ilse Grewe aus Botelsdorf. Ein Ausflug ins Botelsdorfer Wäldchen bringt Gewissheit und zeigt das ganze Ausmaß der Zerstörungswut der Herbsturmes. Zig Bäume wurden entwurzelt oder wie Streichhölter weggegnickt. Am Straßenrand Spuren der Aufräumarbeiten durch die Freiwillige Feuerwehr.

Gleich zwei große Kiefern sind in der Sturmnacht auf die einzige nach Botelsdorf führende Telefonleitung gekracht, ein Telefonmast ist sogar komplett weggebrochen. Dem Druck hielt die Leitung offensichtlich nicht stand, am Eingang des Wäldchens hat sie sich in gut fünf Metern Höhe aus dem Verteilerkasten eines weiteren Telegrafenmastes gerissen. Einen Mast weiter baumelt das andere Ende des daumendicken Telefonkabels kurz über dem Erdboden. Klar, in Botelsdorf geht kein Anruf mehr rein. Und raus auch nicht. Auch andernorts bleiben die Leitungen stumm. In Marnitz und Hornkaten bei Parchim sind ebenfalls die Leitungen beschädigt.

„Das ist schon blöd. Wir wissen ja gar nicht, wohin wir uns beispielsweise bei einem Notfall wenden können“, klagt Ilse Grewe. Der Bürgermeister von Veelböken, zu der das lauschige Botelsdorf gehört, weiß um die Problematik. „Ich frage mich, warum die Deutsche Telekom so lange braucht, um das zu beheben“, so Andreas Timm.

Die erfuhr aber erst gestern durch eine Information der SVZ von dem Schadensfall. Nun will sich der Telekommunikationsriese umgehend darum kümmern. Frank Leibiger von der Deutsche Telekom AG erklärt: „Die Reparatur ist für den kommenden Montag geplant. Wichtig für unsere Netztechniker war, dass die Gemeinde die umgestürzten Bäume sicher zur Seite geschafft hat, damit sie ungefährdet arbeiten können.“

Aus den Regionen

Ein Viertel des Ludwigsluster Schlossparks ist beschädigt

Noch nie gab es im Schlosspark Ludwigslust so gewaltige Schäden, wie nach den Stürmen „Xavier“ und „Herwart“. Aus Sicherheitsgründen muss die Grünanlage vorerst geschlossen bleiben. Darüber informiert  Heike Kramer vom Betrieb für Bau und Liegenschaften MV.

„Etwa ein Viertel der rund 127 Hektar großen Anlage ist akut geschädigt. Hunderte Bäume – ihre Zahl kann nur geschätzt werden – sind den beiden Stürmen zum Opfer gefallen“, so  Kramer. Die größten Schäden habe dabei Xavier angerichtet.  Es gebe Bereiche, da steht kein einziger Baum mehr auf 10000 Quadratmetern. In anderen Parkabschnitten seien die  Bestände zwar weniger geschädigt, doch lauern hier die größten Gefahren. Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass sich abgebrochene Äste aus den Kronen lösen und herabstürzen. Viele Bäume sind teilweise entwurzelt, stehen schief und drohen umzustürzen. Das kann jederzeit, auch bei Windstille, passieren. Solange die Gefahren nicht gebannt sind, dürfe der Park nicht betreten werden.

Malchow: Gefahr im Wald

Die beiden Herbststürme im Oktober haben in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns Hunderttausende Festmeter Holz zu Bruch gehen lassen. Entwurzelte Bäume, in den Baumkronen hängengebliebene Äste: Nach wie vor raten Forstleute beim Betreten der Wälder auf „sturzgefährdete Äste und Bäume“ zu achten.  Einige Bäume hätten nach den heftigen Sturböen an Standfestigkeit verloren und könnten daher schon bei leichten Windböen umgeworfen werden.

 Die Forstleute sind auch vier Wochen nach dem ersten Sturmzug Anfang Oktober noch immer mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Sturmtief Xavier hat allein in der Landesforst mehr als 100000 Festmeter Holz zu Bruch gehen lassen.  Besonders viel Schadholz hätten die Forstleute in Südwest-Mecklenburg entdeckt, teilte das Landwirtschaftsministe- rium mit.

Allerdings machten die Sturmschäden nach „Xavier“ lediglich fünf Prozent der jährlichen Einschlagmenge in MV aus, so dass es nach Einschätzung der Forstexperten zu keinen nennens- werten Problemen auf dem Holz- markt kommen werde.

Sturmtief „Herwart“ hat hingegen in allen Forstämtern in der vergange- nen Woche vergleichsweise we- nige Schäden angerichtet.  Das Holz werde  im Zuge des laufenden Einschlags mit aufbereitet und verkauft.

Wallanlage in Parchim bleibt gesperrt

Die Wallanlagen und Teile des  Alten Friedhofs in Parchim bleiben auch weiterhin gesperrt. Der Sturm hatte auch hier mehrere Bäume entwurzelt und große Äste abgebrochen. Sie blockierten unter anderem die Parkwege. Die Aufräumarbeiten, so die Stadtverwaltung, erfolgen nach Priorität. Alle Betroffenen werden um Verständnis gebeten.

Schwerin: Waldfriedhof wieder offen

Der nach Sturm „Herwart“ aus Sicherheitsgründen gesperrte Schweriner Waldfriedhof ist seit gestern wieder freigegeben. Besucher könnten auf den Wegen zu den Grabstätten gelangen, teilte die Stadtverwaltung mit. Es werde jedoch weiterhin um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten, zumal die Aufräumarbeiten noch nicht vollständig beendet seien. Der Sturm hatte am vergangenen Wochenende rund 50 zum Teil sehr große Bäume entwurzelt, abgeknickt oder deren Astwerk brechen lassen.

Loch im Dach von Schweriner Gemeindehaus

In Schwerin brach zum Entsetzen von Küster Lothar Dornau ein großer Ast durch das Dach des Gemeindehauses der Schelfkirche. Verletzt wurde niemand. In der Decke klafft jetzt jedoch ein Loch, dass vorerst nur provisorisch abgedichtet werden konnte. Die Reparatur soll in den nächsten drei bis vier Wochen erfolgen. Der Raum im Gemeindehaus kann dennoch genutzt werden.

Ziegel vom Marsstall weggeflogen

Auch das Dach vom Marstall in Schwerin hielt dem Sturm nicht stand. Auf einer Fläche von circa 20 Quadratmetern riss  „Herwart “ die Ziegel mit sich. Das Dach wurde erst einmal provisorisch abgedichtet. Schnellstmöglich soll mit den Reparaturen begonnen werden.

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