Ausbildung : Hier ist kräftiges Anpacken gefragt

Für Steffen Michelsen aus Crivitz birgt der Beruf des Kochs keine Nachteile. Er liebt es, mit Lebensmitteln zu experimentieren und besonders die Fleischverarbeitung liegt ihm. Nach seiner Lehre will er bei einem Gourmetrestaurant in Bayern anheuern.
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Für Steffen Michelsen aus Crivitz birgt der Beruf des Kochs keine Nachteile. Er liebt es, mit Lebensmitteln zu experimentieren und besonders die Fleischverarbeitung liegt ihm. Nach seiner Lehre will er bei einem Gourmetrestaurant in Bayern anheuern.

Steffen Michelsen absolviert im Schloss Basthorst eine Ausbildung zum Koch: Neue Azubis für kommendes Lehrjahr dringend gesucht

svz.de von
06. Juni 2016, 08:00 Uhr

In der Küche kann es schon einmal hektisch zugehen – dann klirren die Teller, der Schweiß fließt und die Anspannung der Belegschaft ist groß. Vor allem dann, wenn Dutzende Gerichte oder mehr gleichzeitig die wartenden Gäste erreichen sollen. Doch da müssen Köche durch, auch die in Ausbildung. Wie Steffen Michelsen, der derzeit sein zweites Lehrjahr im Schloss Basthorst bestreitet.

Das Kochen wurde dem 18-Jährigen quasi in die Wiege gelegt, denn seine Eltern betreiben eine eigene Fleischerei. „Ich habe schon früher an den Wochenenden immer mitgeholfen und der Umgang mit Lebensmitteln macht mir Spaß“, erklärt er. Besonders mit Fleisch weiß der Jugendliche umzugehen – das wundert nicht.

Während seiner Ausbildung durchläuft der Crivitzer verschiedenste Stationen auf dem Schlossgelände, vom Service und Housekeeping bis hin zum eigentlichen Kochen. „Da rennen die Auszubildenden manchmal ganz schön zwischen den Häusern hin und her“, gibt Fanny Leichtfuß zu, die im Schloss Basthorst für das Marketing zuständig ist. Doch dafür werde den Azubis auch einiges geboten. „Langweilig ist es hier nie, wir bekommen ein umfangreiches Entertainment-Programm“, erklärt Steffen Michelsen verschmitzt. Auf dem Gelände der großzügigen Schlossanlage von 1823 wird so manches Fest gefeiert.

Doch auch, wenn es dann Leckereien wie Thunfischpralinen, Lammrücken oder Mohn-Mousse gibt, bei denen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen kann, entscheiden sich die meisten dafür, nur zu essen, statt für andere zu kochen. Laut aktueller Arbeitsmarktstatistik (Stand Mai 2016) stehen Köche auf Platz eins der unbesetzten Ausbildungsplätze – und damit der unbeliebtesten. Etwa 18 Prozent der Lehrstellen bleiben jährlich unbesetzt. Dabei bemüht man sich im Schloss sehr um seine Auszubildenden, sagt Leichtfuß. Es gibt sogar ein Lehrlingswohnheim zu erschwinglichen Preisen direkt auf dem Gelände und „alle drei Monate gibt es einen Azubitag, an dem wir die Lehrlinge ausführen zu Partnern, Lieferanten oder auch mal anderen Branchen wie Radiosendern“, sagt sie. Dadurch solle das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden. An neuen Auszubildenden für das kommende Lehrjahr jedoch mangelt es. „Noch haben wir keinen Ausbildungsplatz vergeben und freuen uns über jede Bewerbung“, so die Marketing-Chefin.

„Wahrscheinlich sind viele für diesen Job einfach zu faul“, versucht Steffen Michelsen das fehlende Interesse zu erklären, „oder es sind die falschen Vorurteile gegenüber dem Beruf.“ Denn das in der Küche ein eher rauhes Arbeitsklima herrscht, kann der 18-Jährige nicht bestätigen. Die gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten jedoch bleiben. Vor allem am Wochenende und an Feiertagen wird der Koch-Azubi in Zukunft am Herd stehen müssen – wenn nötig auch bis tief in die Nacht.

Doch den jungen Crivitzer stört das nicht – im Gegenteil. Er braucht nicht nachts um die Häuser zu ziehen und Party zu machen, um glücklich zu sein. Viel lieber tüftelt er an neuen Rezepten und wird in der Küche kreativ. Probiert sich aus. „Ich war schon immer ein eher praktischer Typ. So ein Job im Büro wäre sicher nichts für mich“, sagt er und lacht.

Praktisch veranlagt wie der angehende Koch ist, hat er sich auch schon um seine berufliche Zukunft gekümmert. Im Gourmetrestaurant und Hotel „Überfahrt“ am Tegernsee in Bayern wird er demnächst ein Praktikum absolvieren, das ihm hoffentlich den Weg zu einem Job dort ebnet.

Marketingleiterin Fanny Leichtfuß ist da zuversichtlich. „In unserer Branche werden eigentlich immer Arbeitskräfte gesucht und gute Leistungen werden schnell belohnt.“ Zudem seien deutsche Hotelfachkräfte vor allem im Ausland beliebt und angesehen. „Es ist also ein Job mit großen Auswahlmöglichkeiten“, sagt sie mit Lächeln in Steffens Richtung.

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