Stolpersteine in Greifswald entwendet : "Hier fehlt ein Stolperstein. Uns fehlen die Worte"

Unbekannte rissen die Gedenksteine an verschiedenen Orten in der Stadt mit roher Gewalt aus dem Boden.dpa
Unbekannte rissen die Gedenksteine an verschiedenen Orten in der Stadt mit roher Gewalt aus dem Boden.dpa

Am Jahrestag der Pogromnacht haben vermutlich Rechtsextreme in Greifswald alle Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen. Die Steine erinnern an die deportierten und getöteten Juden während des Nationalsozialismus.

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09. November 2012, 06:51 Uhr

Greifswald | Am Jahrestag der Pogromnacht haben vermutlich Rechtsextreme in Greifswald alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen. Die Steine erinnern an die während des Nationalsozialismus deportierten und getöteten Juden. Die Stadt war am Morgen von Bürgern auf die Straftat aufmerksam gemacht worden und informierte die Polizei. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und geht nach derzeitigen Erkenntnissen von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus, wie Neubrandenburgs Polizeipräsident Knut Abramowski am Freitag sagte. Ein Zusammenhang zur am Abend geplanten Rechten-Demonstration in Wolgast sei anzunehmen.

Die Polizei setzte eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. "Ich verurteile diesen hinterhältigen Anschlag aufs Schärfste", sagte der Polizeichef. Die Polizei werde alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen treffen, um den oder die Täter schnellstmöglich zu ergreifen.

Oberbürgermeister Arthur König (CDU) zeigte sich betroffen und kündigte an, eine pragmatische Lösung zu finden, um schnellstens wieder an die aus Greifswald deportierten Juden zu erinnern. "Menschen, die bis heute nicht wahrhaben wollen, dass die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet wurden, werden nicht die Oberhand gewinnen", sagte er. Der Chef der SPD-Landtagsfraktion Norbert Nieszery sagte, er hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen würden. Mitglieder des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises legten gestern an den betroffenen Orten Blumen nieder. Bürger zeigten sich schockiert. "Hier fehlt ein Stolperstein. Uns fehlen die Worte", hieß es auf einem Plakat.

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