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Regisseur Andreas Dresen : Heute wird er 50 Jahre alt

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Dieser Mann ruht in sich. Und in seiner Kunst. Nichts von einer Getriebenheit, wie man sie bei einem vermuten könnte, der seit 1989, nach seinem Regiestudium in Babelsberg, bereits 19 Fernseh- und Kinofilme gedreht hat.

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erstellt am 16.Aug.2013 | 12:09 Uhr

Potsdam/Schwerin | Diesen Beitrag zum heutigen 50. Geburtstag des Regisseurs Andreas Dresen dürfte es nicht geben. Eigentlich. Denn Dresen hat unlängst in seiner nüchternen Art mitgeteilt: "50 ist eine Zahl wie 49." Womit er zweifellos recht hat. Aber weil es darüber hinaus doch einige Gründe gibt, diesen durch und durch bescheidenen und bodenständigen Künstler gerade heute in den Mittelpunkt zu rücken, wollen wir ihm einfach mal widersprechen: 50 ist keine Zahl wie 49. Zumal Dresens erste 50 Jahre genug Stoff hergeben, um auf ein künstlerisches Werk zurückzublicken, das sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann.

Wer Andreas Dresen in Gesprächen oder Podiumsdiskussionen erlebt, bestens informiert, bestechend klug argumentierend und fast immer gelassen, kann nur zu einem Ergebnis kommen: Dieser Mann ruht in sich. Und in seiner Kunst. Nichts von einer Getriebenheit, wie man sie bei einem vermuten könnte, der seit 1989, nach seinem Regiestudium in Babelsberg, bereits 19 Fernseh- und Kinofilme gedreht hat. Der Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg und Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie ist. Der mit Preisen geradezu überhäuft wurde: vom Preis der deutschen Filmkritik für "Nachtgestalten" und "Halbe Treppe" über Deutsche Filmpreise für "Halbe Treppe", "Wolke Neun" und "Halt auf Freier Strecke" und den Silbernen Berlinale-Bären für "Halbe Treppe" bis zum Cannes-Preis "Un Certain Regard" für "Halt auf Freier Strecke". Und wo um alles in der Welt mag Dresen die vielen, vielen weiteren nationalen und internationalen Preise aufbewahren, nicht zuletzt die beiden Fliegenden Ochsen des Filmkunstfestes Schwerin?

Diesem Festival ist Andreas Dresen von Anfang an treu verbunden. Natürlich, schließlich ist er, der Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und der Schauspielerin Barbara Bachmann, in Schwerin aufgewachsen, ist hier zur Schule gegangen. An der EOS drehte er erste Amateurfilme. Als praktisch im Theater Christoph Schroths Großgewordener hat er dessen künstlerische Haltung, das Konzept des anspruchsvollen, eingreifenden, nicht elitären Volkstheaters immer hautnah miterlebt.

Das prägt seine Filme bis heute. Man glaubt, die Leute aus den Dresen-Filmen zu kennen und freut und leidet gerade darum so mit ihnen, wenn sie in den Fallstricken der Liebe zappeln, einsam sind oder an den Tücken des Alltags zu verzweifeln drohen. Was sie aber selten tun. Denn Dresen-Filmen wohnt immer auch ein Stückchen Hoffnung inne. Und selbst wenn, wie in "Halt auf freier Strecke", der krebskranke Frank am Ende sterben muss, hat nicht der Tod das letzte Wort, sondern das Leben in Gestalt der Tochter, die zwar traurig ist, aber doch zum Training geht. So ist nun mal das Leben.

Wollte man für die Filme Dresens eine ästhetische Klammer finden, so wäre sie vielleicht im Improvisierten, Spontanen zu finden. Einige seiner besten Arbeiten sind so entstanden - "Halbe Treppe" etwa oder "Sommer vorm Balkon".

Wahrscheinlich trifft es aber auch ein großes Wort wie Menschenfreundlichkeit. Dresen mag die Menschen, seine Filmfamilien, zu denen sowohl seine Drehteams als auch die Figuren seiner Filme gehören. Selbst wenn er, der eher nicht den neoliberalen Lagern zuzurechnen ist, einen Mann wie Herrn Wichmann von der CDU porträtiert, verrät und denunziert er ihn nicht, trotz des ironischen Blickes, der bei der Beobachtung eines solchen parteipolitschen Don Quichottes in der Brandenburger Provinz nicht ausbleiben kann.

Über seinen in Frankfurt/Oder spielenden Film "Halbe Treppe" mit der Musik der "17 Hippies" sagte Dresen einmal, dass er keine dieser Geschichten selbst erlebt habe, "aber es gibt Punkte darin, die mich selber berühren. Da fängt man an, darüber gerne zu erzählen, weil es einem gerade wichtig ist." Und: "Angehen muss es einen immer etwas. Wenn es mich nichts anginge, hätte ich keine Lust, mich über so lange Zeit damit zu beschäftigen. Man verbringt ja mit so einem Film zwei Jahre seines Lebens."

Bestimmt geht es Schauspielern ähnlich, wenn sie mit ihm, wie er sagt, auf eine große Abenteuerreise gehen. Denn er bekommt sie alle: Corinna Harfouch oder Henry Hübchen, Devid Striesow oder Milan Peschel und Thorsten Merten, Axel Prahl, Michael Gwisdek, Steffi Kühnert oder Inka Friedrich sowieso, die man fast schon als Dresen-Schauspieler bezeichnen kann.

Von großen Regisseuren bleibt oft ein besonderer Stil. Der große Ernst Lubitsch perfektionierte den Lubitsch-Touch, diese unartige, aber nette Art, etwas nicht und zugleich doch zu sagen. Den Kaurismäki-Touch zeichnet eine gewisse Lakonie aus, mit der auch Dresen gern arbeitet, allerdings ohne jeden Anflug von Zynismus. Wird man auch einmal, vielleicht zum 70. Geburtstag des Potsdamer Regisseurs, von einem Dresen-Touch sprechen?

Im Oktober beginnt Dresen in Leipzig mit einem neuen Film - "Als wir träumten" - über eine Jungs-Clique in der Nachwendezeit. Heute hat er, der frischgewählte Laienrichter, noch einen Termin am Brandenburger Verfassungsgericht. Dienst ist Dienst. Am Abend will er dann aber groß feiern. Herzlichen Glückwunsch, Andreas Dresen!

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