Aktion für krebskranke Frauen : Heute mal die „Lady in Blue“

Mary Marquardt (M.) wird durch Maskenbildnerin Beatrice Rauch zu «Mary Rosa», Angret Kristens wurde zu «Lady in Blue».
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Mary Marquardt (M.) wird durch Maskenbildnerin Beatrice Rauch zu «Mary Rosa», Angret Kristens wurde zu «Lady in Blue».

Maskenbildnerinnen vom Rostocker Volkstheater verwandeln krebskranke Frauen in Fantasiefiguren – und sorgen so für besondere Momente

svz.de von
16. Mai 2018, 20:45 Uhr

Mary Rosa sitzt im Rostocker Studio 301 mit einer quietschrosa Perücke und in einem Barockkleid vor einem schwarzen Tuch, dahinter eine verspiegelte Scheibe und wiederum dahinter eine Kamera. Der Fotograf und Regisseur Andreas Duerst möchte den Moment festhalten, wenn das Tuch fällt und sich die 37-jährige Frau zum ersten Mal in ihrem neuen Outfit sieht.

Mary Rosa ist krank, sehr krank und macht beim Projekt Transformation des Rostocker Vereins „Gemeinsam mehr Mut – Wege bei Krebs“ mit. Ein, zwei Sekunden dauert es, bis aus dem neutralen zuerst ein staunender und dann ein überglücklicher Gesichtsausdruck wird. Die Verwandlung ist gelungen: Mary, die eigentlich Mary Marquardt heißt, hat in dem Moment ihr Schicksal und die Sorgen auf die Seite gedrängt und ist einfach nur glücklich.

Zwölf krebskranke Frauen haben sich im Studio versammelt, um sich von Maskenbildnerinnen des Volkstheaters Rostock umgestalten zu lassen.„Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Beatrice Rauch.

Mary Marquardt wird nach ihrer Verwandlung zu «Mary Rosa» von Fotograf Andreas Duerst und einem Filmteam im Bild festgehalten. Die 37-jährige krebskranke Frau nimmt an dem Projekt Transformation des Rostocker Vereins «Gemeinsam mehr Mut - Wege bei Krebs» teil.
Foto: Bernd Wüstneck

Mary Marquardt wird nach ihrer Verwandlung zu «Mary Rosa» von Fotograf Andreas Duerst und einem Filmteam im Bild festgehalten. Die 37-jährige krebskranke Frau nimmt an dem Projekt Transformation des Rostocker Vereins «Gemeinsam mehr Mut - Wege bei Krebs» teil.

 

Sie habe im Laufe ihrer Karriere schon so viele Menschen verwandelt, doch das hier sei etwas ganz Besonderes. „Es ist unwahrscheinlich emotional.“ Es seien Frauen dabei, ohne Haare, denen es teilweise furchtbar schlecht gehe. Dann gebe es diese sichtbare Verwandlung, wenn die Augen leuchteten und ein Strahlen übers Gesicht gehe. „Eine der Frauen sah so wunderbar aus, sie fühlte sich so gut. Ich war so stark gerührt, dass mir die Tränen liefen.“

„Der Mut zur Verwandlung oder die Lust der Verwandlung“ ist das Projekt betitelt. Die Fotografien sollen in einem Buch und in einer Wanderausstellung gezeigt werden. „Gleichzeitig entsteht ein Film, in dem die Verwandlungen der Frauen gezeigt werden“, sagt Duerst. „Die Kranken werden durch den unerwarteten Moment aus ihrer Stimmung herausgerissen“, sagte Ernst Klar, Chef der allgemeinen Chirurgie an der Universitätsmedizin Rostock. Dieser Effekt setze sich im Alltag fort. „Das Leben hat doch noch lustige Aspekte trotz der Krankheit“, ist die Botschaft. Und das könne zu neuen Gedanken führen.

Angret Kristens sieht sich nach ihrer Verwandlung zu «Lady in Blue» im Spiegel, Fotograf Andreas Duerst und ein Filmteam halten diesen Moment fest. Die 63-jährige, die sich vor drei Jahren einer schweren Krebsoperation unterziehen musste, nimmt an dem Projekt Transformation des Rostocker Vereins «Gemeinsam mehr Mut - Wege bei Krebs» teil.
Foto: Bernd Wüstneck

Angret Kristens sieht sich nach ihrer Verwandlung zu «Lady in Blue» im Spiegel, Fotograf Andreas Duerst und ein Filmteam halten diesen Moment fest. Die 63-jährige, die sich vor drei Jahren einer schweren Krebsoperation unterziehen musste, nimmt an dem Projekt Transformation des Rostocker Vereins «Gemeinsam mehr Mut - Wege bei Krebs» teil.

 

Knapp drei Jahre hat es gedauert, bis das Projekt gediehen war, berichtet Jazzsängerin und Mitinitiatorin Jaqueline Boulanger. Die Idee stamme aus Belgien. Sie habe jedes Mal Gänsehaut bekommen, als sie sah, wie die Frauen sich veränderten, berichtet Boulanger, die ebenfalls vor einigen Jahren die Diagnose Brustkrebs bekommen hat. „Ein Beispiel für diese Verwandlung ist Mary. Was für ein Sonnenschein“, schwärmt Boulanger.

Ihr Alltag sei von der Krankheit geprägt, die schon weit fortgeschritten ist, berichtet Mary. Ihr könne nicht mehr geholfen werden. Trotzdem strahlt sie an diesem Tag eine gewisse Ruhe aus. „Es geht von Tag zu Tag weiter“, erzählt sie vom Alltag mit ihren acht- und elfjährigen Kindern. Die Verwandlung, die sie im Studio erlebt, ist deutlich zu spüren. „Präsent ist die Krankheit schon, aber der Kopf ist weitgehend frei.“ Das kann auch die 63-jährige Angret Kristens nachvollziehen, die sich vor drei Jahren einer „Riesenoperation“ unterziehen musste. „Das verändert das Leben“, sagt sie und macht mit ihrer leuchtend blauen Perücke trotzdem einen zufriedenen Eindruck. Nach Diagnose und Therapie habe sie ihr Leben einem vollständigen Wandel unterzogen. „Die Verwandlung hier ist ein besonderer Kick.“ Normalerweise sei sie nicht der Mensch für die Öffentlichkeit und es gebe Tage, die „nicht so gut sind“. Doch in diesem Rahmen könne sie die „Lady in Blue“ sein.

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