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Museum Wolgast : Heute Eröffnung: Ein Platz für Romantiker

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wolgaster Museum öffnet mit neuem Konzept pünktlich zum 240. Geburtstag des Malers Philipp Otto Runge

svz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 09:00 Uhr

Entlang der Bundesstraße 111 ist Wolgast in diesen Sommertagen kein gemütlicher Platz: Durch das „Tor zur Insel Usedom“ stauen sich die Autokolonnen. Doch nur einen Steinwurf vom hektischen Lärm entfernt, wenige Meter neben der Peene-Brücke, scheint die Zeit stehen geblieben. Hier steht das Geburtshaus des bedeutenden Malers der romantischen Malerei, Phi-lipp Otto Runge (1777-1810).

Hinter der klassizistischen Fassade dieses Bürgerhauses ist das 18. Jahrhundert spürbar: In der Diele wird schon Philipp Otto mit seinen Geschwistern Fangen gespielt haben. Welchen Radau mag es gemacht haben, wenn die Rasselbande von elf Kindern die hölzerne Treppe in den ersten Stock hochstürmte? Was mag der als streng geltende Vater dazu gesagt haben? Noch im Vorraum stehend, startet der Besucher des Rungehauses das Kopf-Kino.

Pünktlich zum 240. Geburtstag des Künstlers am 23. Juli öffnet das Kleinod mit einer komplett neuen Dauerausstellung. Dass Originalbilder des Künstlers oder Mobiliar aus dem Nachlass gänzlich fehlen, ist kein Manko. „Das Haus ist der museale Gegenstand und das zeigen wir“, erläutert Museumsleiterin Barbara Roggow das neue Konzept. Alles Authentische in dem Haus, in dem Runge seine ersten zehn Lebensjahre verbrachte und dessen Raumaufteilung über Jahrhunderte erhalten blieb, wurde sorgsam restauriert.

In diese Räume fügt sich nun eine moderne Ausstellung. Im Erdgeschoss kann man der Biografie des Malers nachspüren – seiner durch Krankheit gezeichneten Kindheit, seinem Drängen, Maler zu werden. Ein Berufswunsch, der vom Vater, der Kaufmann und Reeder war, abgelehnt und vom Bruder Daniel unterstützt wird.

Nachvollziehbar wird, wie sich der Maler von den Dogmen der an der Antike orientierten klassizistischen Malerei abwendete. „Wir sind keine Griechen mehr, können das Ganze schon nicht mehr so fühlen, wenn wir ihre vollendeten Kunstwerke sehen, viel weniger selbst solche hervorbringen, und warum uns bemühen, etwas mittelmäßiges zu liefern.“ Das war 1802.

Im Nachbarraum hängen auf mattiertem Glas aufgebrachte Repliken von Originalgemälden in Originalgröße. Die Originale sind heute alle im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Hamburg wurde Lebensmittelpunkt von Runge bis zu seinem Tuberkulose-Tod im Jahr 1810.

Die knarrende Treppe hinauf, wird es thematisch: In der ehemaligen Schlafstube der großen Runge-Kinder begegnen sich heute die beiden größten Maler der Romantik: Runge trifft auf Caspar David Friedrich (1774-1840). Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten mit den identischen Lebensstationen Kopenhagen und Dresden, die sich 1801 das erste Mal auf Heimatbesuch in Pommern begegneten.

Genau wie Friedrich mag Runge vom klaren Licht der pommerschen Küstenlandschaft und der Weite des Himmels beeinflusst gewesen sein, mutmaßt Roggow. Mit seinem Zeiten-Zyklus von 1803, in dem er die Tagesstimmungen allegorisch verarbeitet, nimmt Runge als erster deutscher Maler die großen Themen der Romantik auf: den Kreislauf des Werdens, Wachsens und Vergehens, die göttliche Einheit von Mensch und Natur.

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