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Lesung “Mein Kampf“ : Hetzschrift der Nazis entmystifizieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Lesung aus Hitlers „Mein Kampf“ mit wissenschaftlicher Begleitung

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Es war teilweise schwer zu ertragen, was die Besucher in der Volkshochschule in Schwerin zu hören bekamen. „Manchmal wurde mir bei dem Geruch dieser Kaftanträger übel.“ Es sind Worte Adolf Hitlers über die Juden. Sie kamen gestern Abend aus dem Mund einer Frau. Mit fester Stimme, aber ohne Pathos, Sarkasmus oder Ironie las die Schauspielerin Marlen Ulonska aus Hitlers „Mein Kampf“. Da ist von der „teuflischen Gewandheit dieser Verführer“ die Rede, er vergleicht sie mit Maden, nennt sie „Geschwulst“, dichtet ihnen „satanische Wildheit“ an.

Sachlich las Marlen Ulanska Auszüge über Hitlers Darstellung seiner Wandlung zum Antisemiten, über seine Sicht auf die „jüdische Weltherrschaft“ und seine Ratschläge für eine erfolgreiche Propaganda der Nazis. Eingeladen zur Lesung hatte die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, allerdings mit wissenschaftlicher Begleitung, um die „Propaganda-Hetzschrift“ der Nazis zu entmystifizieren.

70 Jahre lang war es in Deutschland nicht möglich, Hitlers Buch, dass als ein zentrales Zeugnis seiner Gedankenwelt, seiner Ideologie und seiner Ziele gilt, zu drucken. Erst als Ende 2015 das vom Freistaat Bayern bewachte Urheberrecht auslief, konnte das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) eine so genannte kritische Edition herausgeben. Mit über 3500 Anmerkungen zum Originaltext ordnen die Autoren ein oder stellen richtig, was Hitler zwischen 1924 und 1926 zu Papier brachte.

85 000 Exemplare des kommentierten Nachdrucks wurden bereits verkauft. Das Autorenteam wurde mit einem Wissenschaftspreis geehrt. „Die Publikation zeigt Hitlers Falschaussagen und Verdrehungen auf, korrigiert sachliche Fehler und erläutert den zeitgenössischen Kontext“, hieß es in der Begründung. Dass das Buch zum neuen Heldenepos der Rechtsradikalen geworden ist, wie lange befürchtet, lässt sich wohl nicht sagen.

Auch in der gut gefüllten Aula in Schwerin wollten sich vor allem interessierte Zuhörer meist gesetzterem Alters informieren. Geduldig und kenntnisreich beantwortete Roman Töppel, er ist einer der IfZ-Autoren, nach der Lesung die Fragen der Zuhörer. Eine der Erkenntnisse: Hitlers Machwerk wurde im Dritten Reich offenbar häufiger gelesen, als nach dem Zweiten Weltkrieg behauptet wurde. Warum es nach 1945 selbst zu wissenschaftlichen Zwecken so lange nicht mehr gedruckt werden durfte, konnten so mancher nicht nachvollziehen. Denn, so Töppel, Hitler Reden, inzwischen längst nachgedruckt und veröffentlich, waren meist schärfer als „Mein Kampf“.

 


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