Brückentinsee bei Dabelow : Herzinsel unterm Hammer

Die Herzinsel macht ihrem Namen alle Ehre – beliebt ist sie vor allem bei Hochzeitspaaren.
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Die Herzinsel macht ihrem Namen alle Ehre – beliebt ist sie vor allem bei Hochzeitspaaren.

Für 1,7 Millionen Euro wechselt ein idyllisches Eiland den Besitzer. Doch der neue Eigentümer bleibt rätselhaft

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12. Juni 2017, 21:00 Uhr

Der Mann in Jeans und blauem Sakko mit Goldknöpfen überlässt zunächst den anderen Bietern in Saal 1 des Warener Amtsgerichtes das Feld. 15 Angebote sind für die sogenannte Herzinsel im Brückentinsee bei Dabelow bereits abgegeben worden. Der Vertreter eines Immobilienunternehmens hat den Preis für das idyllische Eiland auf 960 000 Euro nach oben getrieben. „Weitere Gebote?“, fragt Justizbeamtin Kristin Kohbieter in die Runde. Jetzt meldet sich der Mann mit den Goldknöpfen das erste Mal zu Wort. Der Anwalt bietet im Namen einer Penny Business Limited-Gruppe und eröffnet damit ein spannenden Zweikampf um die etwa fünf Fußballfelder große Insel in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Die Insel wurde bis 1990 von der Stasi als Ferienort genutzt und war für die Öffentlichkeit gesperrt – Walter Kummerow aus Berlin kaufte das herzförmige Objekt zwei Jahre später von der Treuhand. Aus der Insel für Spitzel wurde ein beliebter Rückzugsort für Verliebte und Hochzeitspaare. Für das romantisches Flair sorgt eine fast 200 Meter lange Holzbrücke. Mehrere TV-Berichte haben das Eiland bundesweit bekannt gemacht. Auch in einer Reportage über die zehn schönsten Inseln in Deutschland wurde es mit aufgenommen. Derzeit wird das Eiland von einem kleinen Hotel genutzt, das mit dem Namen „Herzinsel“ wirbt und als Trauungsort für Verliebte wirbt.

Doch Kummerow muss sich von der Insel trennen. Unfreiwillig. Ein Geschäftspartner und Miteigentümer steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die beiden haften mit ihrem Vermögen, zu dem auch die Insel gehört. Das Eiland sollte versilbert werden. Bis zu vier Millionen Euro waren im Gespräch. Doch es fand sich kein Käufer – das idyllische Fleckchen 80 Kilometer nördlich von Berlin kam gestern Vormittag im Warener Amtsgericht unter den Hammer. Zwangsversteigerung.

Etwa 20 Besucher haben im Saal Platz genommen. Um 9.14 Uhr verkündet die Justizbeamtin: „Ich fordere zur Abgabe von Geboten auf.“ Der erste Vorschlag kommt vom Noch-Inselbesitzer selbst.

600 000 Euro bietet Walter Kummerow. Ein Ehepaar packt umgehend 50 000 Euro drauf. Als dritte Bewerberin steigt eine bekannte Modedesignerin in die Versteigerung ein: Jette Joop. Sie würde für die Herzinsel 700 000 Euro bezahlen. Das Angebot hält aber nicht lange. Zehn Minuten nach Auktionsbeginn liegt der Preis bereits bei 800 000 Euro. Nun mischt auch der Immobilien-Unternehmer aus Stendal mit. „In welchen Schritten muss denn geboten werden“, fragt er nach. „Es sind keine Bieterschritte vorgeschrieben. Theoretisch gehen auch Centschritte. Dann sitzen wir aber morgen noch hier“, klärt Justizbeamtin Kohbieter auf. So viel Zeit hat der Mann dann aber wohl doch nicht und erhöht für das Unternehmen Prometheus Investment um 10 000 Euro. Auf den Plätzen wird getuschelt. Einem Bieter in karierten Shorts und Sandalen ist die Insel 820 000 Euro wert – das Gebot wird sofort vom Immobilienmakler gekontert: „830 000 Euro“. Walter Kummerow tippt das Angebot in seinen Laptop ein.

Drei Parteien treiben den Preis für die Insel weiter in die Höhe: der Immobilienmakler, eine Doktorin und ein Ehepaar. Die Frau sitzt im Gerichtssaal und bietet mit. Ihr Mann verfolgt die Versteigerung über das Smartphone mit. Jette Joop ist längst ausgestiegen. Sie hat nur ein Gebot abgegeben. Dabei wäre die Modedesignerin Kummerows Lieblingspartnerin gewesen, wie er später erzählt. Er habe im Vorfeld der Versteigerung engen Kontakt zu ihr gehabt.

Der Millionenmarke nähern sich die Bieter nach 35 Minuten. Der Prometheus-Vertreter hat 960 000 Euro geboten – jetzt steigt der Mann mit den Sakko-Knöpfen ins Rennen mit ein. Sein Gebot liegt bei 1,1 Millionen Euro. Und er ist bereit, noch mehr zu zahlen. Für das Ehepaar ist bei 1,2 Millionen Euro Schluss. „Das war’s“, raunt die Frau ins Telefon und packt die Unterlagen in ihre Handtasche. Der Showdown ist eröffnet: Nur noch Penny-Business und Prometheus bieten um die Insel – der Preis ist mittlerweile schon fast auf das Dreifache des Eingangsgebotes geklettert: 1,6 Millionen Euro sind zu überbieten. Der Prometheus-Vertreter wippt mit dem Fuß und lutscht an seiner Sonnenbrille. Dann erhöht er noch einmal um
50 000 Euro. Doch der Konkurrent im Sakko lässt sich nicht abschütteln. Er bietet 1,7 Millionen Euro. Die Justizbeamtin wartet auf das Gegengebot. Sie setzt zum Countdown an : „1,7 Millionen Euro zum 1., zum 2., zum 3. – möchte noch jemand ein Gebot abgeben?“ Schweigen im Saal. Die Versteigerung ist beendet – die Herzinsel hat einen neuen Besitzer. Einen Unbekannten allerdings.

Angaben zur Identität des wirklichen Käufers und den Plänen seines Mandaten will der Mann im Sakko nicht machen. „Kein Kommentar“, blockt der Anwalt aus Frankfurt am Main alle Nachfragen ab. Der Gewinner der Versteigerung muss die Millionensumme nun binnen sechs bis acht Wochen überweisen, zuzüglich 400 000 Euro, weil das Grundstück mit einem Kredit belastet ist.

Auch Walter Kummerow weiß nicht, für welchen Mandanten der Jurist die Insel ersteigert hat und was die neuen Eigentümer mit ihr vorhaben. „Es ist nicht unser Wunschkandidat geworden, aber vielleicht entpuppt er sich noch als solcher.“ Immerhin: „Es ist ein guter Preis rausgekommen. Wir werden heute mit einem Glas Sekt feiern“, sagt Kummerow. Der Hotelbetrieb für Verliebte und Hochzeitspaare wird vorerst weitergehen. Der Pachtvertrag läuft noch bis 2021 und ist nicht kündbar. Walter Kummerow würde es begrüßen, wenn die Herzinsel auch darüber hinaus ein romantisches Feriendomizil bleiben würde.

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