Gesundheitliche Versorgung : „Herz-Effekte“: Fernüberwachung für Herzpatienten

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Digitale Lösungen sollen helfen, der dünner werdenden medizinischen Versorgung auf dem Lande gegenzusteuern

svz.de von
23. Mai 2017, 05:00 Uhr

Relativ wenige Menschen auf relativ großem Raum – so sieht die Lage in Mecklenburg-Vorpommern aus. Die Einwohner werden immer älter, brauchen mehr ärztliche Betreuung. Doch die medizinische Versorgung auf dem Land dünnt aus. Digitale Lösungen sollen helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

In den kommenden drei Jahren werden 14 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds der Bundesregierung in ein Projekt der Universitätsmedizin Rostock (UMR) investiert. Insgesamt 3000 Patienten mit chronischen Herzerkrankungen sollen ab Oktober in „Herz-Effekte“ eingebunden werden. Die Teilnehmer bekommen Blutdruckmessgeräte, Waagen und Aktivitätstracker, deren Daten per App an eine digitale Plattform übertragen werden. Über die Software können alle Beteiligten, zum Beispiel auch behandelnde Ärzte, darauf zugreifen. Der Patient entscheidet selbst, wer seine Werte einsehen darf – welcher Arzt oder auch welcher Angehörige. Herzstück der Betreuung wird ein Callcenter, in dem erfahrene Krankenschwestern sitzen. Sie nehmen Anrufe der Patienten entgegen, greifen vor allem aber selbst zum Hörer, wenn das System Abweichungen von den Normwerten anzeigt. Die Patienten werden einer bestimmten Risikokategorie zugeordnet. Diese hängt davon ab, ob und welche anderen Erkrankungen vorliegen. „Dadurch erkennen wir Probleme frühzeitig und können eine angemessene Therapie einleiten“, erklärt Prof. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der UMR. „So wollen wir die beste medizinische Versorgung auch für Patienten auf dem flachen Land ermöglichen.“ Um nachzuweisen, dass die erhofften Effekte tatsächlich eintreten, ist die wissenschaftliche Begleitung des Projekts nötig. Die Hälfte der Patienten aus der Studie wird mit dem neuen System betreut, eine Kontrollgruppe erhält die normale Behandlung. Dafür kooperieren die Rostocker Ärzte mit dem Helios-Klinikum in Schwerin. AOK und Techniker Kasse sind ebenfalls beteiligt. „Sie haben ein großes Interesse an regionalen Versorgungsnetzwerken“, weiß Schmidt. Die Firma Philips als Technik-Partner hat die Software entwickelt und stellt die nötigen Geräte zur Verfügung. Wenn das Verfahren sich bewährt, soll es in die Regelversorgung der Krankenkassen aufgenommen werden. Außerdem könnte es auf andere Krankheiten wie Schlaganfälle, Krebs oder chronische Leiden ausgeweitet werden. „Solche Lösungen sind die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum“, meint Schmidt.
 

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