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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 08:43 Uhr

Hersteller schwindeln auf Etiketten

vom

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2013 | 07:28 Uhr

Schwerin | Die Fantasie der Lebensmittelhersteller kennt kaum Grenzen: Weidemilch von Kühen, die nicht auf der Koppel stehen, sondern nur überwiegend Grünlandfutter in den Trog bekommen, Gelee-Ananasecken mit der Abbildung von Ananas auf der Verpackung, die aber nur Zuckerwaren sind, 7-Kräuter-Essig, der lediglich aus Auszügen aus 7 Kräutern besteht und als natürliches Aroma deklariert ist - in 360 Fällen fühlten sich Verbraucher in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren von Lebensmittelherstellern durch irreführende Bezeichnungen getäuscht. Mit dabei: acht Produkte von Herstellern und Händlern aus MV - u. a. von der Hansano-Molkerei, vom Hagenower Essigproduzent en Kühne, dem Pizzawerk Oetker aus Wittenburg und den Händlern Edeka und Coop. Verbrauchertäuschung sei kein Einzelfall, sagte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, gestern bei der Vorlage des Mängelkatalogs des 2011 gestarteten Internetportals "lebensmittelklarheit.de". Am häufigsten beschwerten sich Kunden über beworbene Zutaten, die in den Produkten aber kaum vorhanden seien. Getäuscht fühlten sie sich auch bei der Herkunftsbezeichnung und der Angabe "Ohne Geschmacksverstärker". Etwa die Hälfte aller eingegangenen Produktbeschwerden waren der Verbraucherzentrale zufolge "berechtigte Produktbeschwerden mit Täuschungspotenzial" gewesen. Die Verbraucher seien sensibler geworden, sagte Uta Nehls von der Verbraucherzentrale Rostock. Insgesamt gingen in den vergangenen zwei Jahren 7300 Produktbeschwerden ein. Von den 360 auf dem Portal veröffentlichten Produkten ging es in 212 Fällen um Täuschung, in 107 Fällen mussten die Warenbezeichungen von den Herstellern geändert werden.

Wie im Fall des "Appenzeller Käsesalats" von der Mecklenburger Fisch-Feinkost GmbH, Wittenburg. Das Produkt war nach Firmenangaben zwar zunächst mit "Appenzeller Käse" hergestellt, später aber durch "Glockenzeller Käse" ersetzt worden. Nach Kritik benannten die Wittenburger den Käse in "Mecklenburger Käsesalat" um.

Vor allem der regionale Herkunftsnachweis sorge für Verwirrung, erklärte Nehls. Firmennamen, Marken- und Produktbezeichnungen mit regionalem Bezug würden häufig nichts über die Herkunft der Rohstoffe oder den Ort der Produktion aussagen. Gefordert seien klare gesetzliche Regelungen für die Lebensmittelkennzeichnung. "Was draufsteht, muss auch drin sein, und was drin ist, muss auch draufstehen", forderte Verbandschef Billen.

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