Frauen im Handwerk : Herrin über Millionen Haustiere

Die Bienen von Petra Freiheit haben gerade Hochsaison.
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Die Bienen von Petra Freiheit haben gerade Hochsaison.

Hunderte Bienenvölker fliegen für Petra Freiheit / In der Nähe von Rostock betreibt die 56-Jährige seit 30 Jahren mit ihrer Familie eine Imkerei

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10. Juli 2015, 12:00 Uhr

Diese Arbeit ist süß, aber auch gefährlich: In Rederank bei Rostock betreibt Petra Freiheit mit ihrer Familie eine Imkerei – seit bald 30 Jahren. Nur vorsichtig und am besten mit Schutzkleidung nähert sie sich den summenden Kästen. „Denn wenn erstmal eine Biene gestochen hat, riechen die anderen das Gift und stechen auch“, warnt sie. Vor ihrer Zeit mit den kleinen Geschöpfen saß Petra Freiheit auf einem Mähdrescher. Doch mit der Arbeit in der Landwirtschaft war es schon in den 80er-Jahren vorbei. „Ein alter Nachbar hatte damals Bienen, und ich habe ihm oft geholfen“, erinnert sich die 56-Jährige. „Irgendwann schenkte er mir ein ganzes Volk als Dankeschön. Und ich dachte mir, das mit dem Honig kannst du auch allein.“ Sie kaufte sich Bücher zu diesem Thema, schaute sich bei anderen Imkern Tricks ab und lernte so alles Nötige.

Von Anfang an dabei: ihr Mann und ihre Tochter Katrin, die gleich nach dem Schulabschluss in den Familienbetrieb einstieg. Der besteht seit 1987. „Zu DDR-Zeiten musste man für die Selbstständigkeit 100 Bienenvölker haben“, sagt Petra Freiheit. „Wir haben welche gekauft und konnten uns gut über Wasser halten. Den Honig haben wir damals in großen Kannen abgeliefert und bekamen sieben Mark pro Kilo. Aber ich hatte auch einen Erlaubnisschein für eigene Stände in Rostock und konnte zweimal die Woche meine Produkte in einigen Stadtteilen verkaufen.“

Mit der Wende veränderte sich vieles. Plötzlich ließ sich der Honig hier nicht mehr verkaufen. Petra Freiheit wich sofort auf Märkte in Hamburg, Lübeck und Bremen aus. Es dauerte drei bis vier Jahre, bis die hiesige Kundschaft sich wieder auf einheimische Produkte besann.

Ein großes Problem – schon seit vielen Jahren – ist die Varroa-Milbe, die ganze Bienenvölker ausrotten kann. Heutzutage gibt es aber noch ganz andere Bedrohungen: „Es gibt so wenig Nutzpflanzen, um Nektar zu sammeln“, beklagt die Imkerin.

„Nach der Rapsblüte dauert es etwa zwei Wochen, bis die Linden anfangen zu blühen. Dazwischen finden die Bienen hier nichts.“ Dann müssen Freiheits mit ihren Völkern in Naturschutzgebiete oder auf Obstanbauflächen wandern. Außerdem geraten die Bienen auf Feldern oft mit Pestiziden in Berührung, tragen die Gifte in den Stock und sterben. „Die Bienen verlieren die Orientierung, finden nicht zurück. Das Volk leidet darunter, die Brut entwickelt sich nicht richtig.“

Der Familienbetrieb hat immer zwischen 150 bis 300 Völker, jedes mit bis zu 80  000 Tieren. Sobald die Bienen im Frühjahr mehr Nektar sammeln, als sie für ihre eigene Ernährung brauchen, beginnt die Honig-Zeit. Fleißig seien sie, sagt man ihnen nach: Jede sammelt im Laufe ihres etwa vierwöchigen Lebens so viel Honig, wie in einen Fingerhut passt. Doch schon im Juli ist hierzulande die floral-animale Saison vorbei. „Alles, was die Bienen dann noch finden, brauchen sie für sich selbst. Und ab zehn Grad bleiben sie sowieso im Stock.“

Die gesamte Familie ist mit Leidenschaft in der Imkerei dabei – Eltern, Tochter und Schwiegersohn. Honig, Kerzen, Wein und andere Produkte verkaufen sie auf Märkten oder auf ihrem Hof in Rederank.

Es gibt viele Stammkunden. „Sie wollen wissen, woher der Honig kommt und dass er wirklich die Inhaltsstoffe hat, die hineingehören.“

Freiheits Honig ist streng qualitätsgeprüft und zertifiziert. „Es ist viel Arbeit, manchmal auch schwere, es gibt kein Wochenende und kaum Urlaub“, sagt die Imkerin. „Aber uns macht es immer noch Spaß.“

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