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Deutschlands oberster Orthopäde aus Rostock : Herr über Knochen und künstliche Gelenke

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Prof. Dr. Wolfgang Mittelmeier wurde zu Deutschlands oberstem Orthopäden gewählt. Doch der Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Uni Rostock will deshalb nicht als Spitzenmediziner bezeichnet werden.

svz.de von
erstellt am 05.Dez.2011 | 07:58 Uhr

Rostock | Er steht als einziger Orthopäde aus Mecklenburg-Vorpommern in der aktuellen Focus-Ärzteliste, wird dort als ausgewiesener Spezialist für Knie- und Hüftgelenksersatz-Operationen bezeichnet - doch Prof. Dr. Wolfgang Mittelmeier, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Universität Rostock, will deshalb nicht als Spitzenmediziner bezeichnet werden.

Auch seine kürzlich erfolgte Wahl zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie rechtfertige diese Bezeichnung nicht, meint er. Doch Fakt ist: Das auf jeweils ein Jahr befristete Ehrenamt wird nicht jedem angetragen. Der Rostocker Orthopäde hat, zusammen mit seinem Team, einiges auf die Beine gestellt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht.

So arbeitet die Uniklinik zusammen mit der Rostocker Beschichtungsfirma DOT seit Jahren an der Entwicklung von Knochenersatz-Materialien, die vom Körper im Idealfall gar nicht als Implantate erkannt werden. Die besten Ergebnisse haben die Forscher durch eine Beschichtung mit Kupfer erreicht - das Metall ist nicht nur dazu in der Lage, Bakterien zu bekämpfen, es regt den Körper auch zur Bildung eigener Zellen an.

Jährlich werden in Deutschland rund 300 000 Knie- und Hüftgelenks-Implantate eingesetzt. Neun von zehn dieser künstlichen Gelenke halten zehn Jahre lang, doch bei immerhin zehn Prozent der Implantate gibt es Probleme. Infektionen gehören ebenso dazu wie Passungenauigkeiten oder Luxationen - also Ver- oder Ausrenkungen. Letztere rühren Prof. Mittelmeier zufolge unter anderem daher, dass die ISO-Normen für Implantate auf einen 74 kg schweren Patienten abstellen, der normal geht. "Doch in der Realität sind die Patienten schwerer und stolpern häufig - dabei wirkt dann im Knie das Achtfache des Körpergewichts auf das Implantat…"

Der Chef greift selbst im Jahr 500 Mal zum Skalpell

Bei Patienten, die an der Rostocker Uniklinik ein neues Gelenk bekommen haben, hat es dennoch schon seit mehreren Jahren keine Luxationen mehr gegeben. Mittelmeier führt das auf das in seiner Klinik entwickelte Qualitätsmanagement-System "Endozert" zurück: "Wir sind die erste Orthopädische Universitätsklinik in Deutschland, die sich komplett zertifizieren lassen hat - mit dem Ziel, den Patienten bei Gelenkersatzoperationen ein höchstmögliches Maß an Sicherheit garantieren zu können."

Alle Abläufe im Vorfeld, während und nach einer entsprechenden Operation werden seither nach einem festen Schema gestaltet und dokumentiert. Komplikationen könnten so nicht nur frühzeitig erkannt, sondern auch umgehend behoben werden.

Anästhesie und Röntgenabteilung seien dabei ebenso einbezogen wie die Krankengymnasten, die seither auch an jedem Wochenende mit den Patienten arbeiten. Zu den selbst auferlegten Qualitätsstandards gehöre darüber hinaus, dass jeder Operateur mindestens 50 Gelenkersatzoperationen pro Jahr nachweisen müsse - "wer einen bestimmten Eingriff seltener macht, dem fehlt einfach die erforderliche Routine", betont Mittelmeier. " Das ist wie in der Bundesliga: Da kann man auch nicht spielen, wenn man nur einmal in der Woche operiert." Der Chef geht übrigens mit gutem Beispiel voran: Trotz aller anderweitigen Verpflichtungen greift er pro Jahr etwa 500 Mal selbst zum Skalpell.

"Alle Mitglieder im Team haben ein viel stärkeres Qualitätsbewusstsein entwickelt, seit wir uns der Zertifizierung unterwerfen", lobt der Klinikchef. Es werde disziplinierter gearbeitet und - ganz wichtig für den Klinikalltag - der Verwaltungsaufwand, der sonst 30 Prozent der täglichen Arbeitszeit ausmache, sei durch die standardisierten Abläufe deutlich gesunken.

2007 wurde Endozert in Rostock eingeführt. Mittlerweile hätten 20 andere deutsche Kliniken das System getestet, so Mittelmeier, 40 weitere hätten Interesse daran bekundet. Während seiner Präsidentschaft in der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie will er darauf hinwirken, dass sich möglichst alle Fachkliniken in Deutschland diesem Qualitätsmanagement unterziehen - Im Interesse ihrer Patienten.

Universitätsklinikum Rostock

Am Universitätsklinikum arbeiten mehr als 3400 Mitarbeiter - Ärzte, Krankenschwestern, -pfleger, Angestellte der Verwaltung. Das Universitätsklinikum Rostock gliedert sich in 36 Kliniken/Abteilungen und 19 Institute, das Haus verfügt über insgesamt 1080 Betten.

Das Klinikum befindet sich an mehreren Standorten in der Hansestadt Rostock: Campus Schillingallee, Anatomie und Nuklearmedizin in der Gertrudenstraße, Hals-Nasen-Ohrenklinik, Augenklinik und Orthopädie in der Doberaner Straße, Strahlenklinik in der Südstadt, Zentrum für Nervenheilkunde in Gehlsdorf, Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt.

Seit 2006 arbeitet das Universitätsklinikum Rostock als Anstalt öffentlichen Rechts. Jetzt steht ein neuer Rechtsformwechsel bevor: zum 1. Januar 2012 fusionieren Universitätsklinikum Rostock und Medizinische Fakultät zur Universitätsmedizin Rostock.

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