Herr Kaiser, wir kommen

<fettakgl>Sechs Frauen, ein Ziel, Frauentag mit Roland Kaiser:</fettakgl> Katrin Herrmann, Anja Lange, Sandra Hennig, Marion Thieltges, Ute Albrecht und Nicole Langhans  (von unten nach oben) gehen heute Abend aus in Schwerin. <foto>Marlis Tautz</foto>
Sechs Frauen, ein Ziel, Frauentag mit Roland Kaiser: Katrin Herrmann, Anja Lange, Sandra Hennig, Marion Thieltges, Ute Albrecht und Nicole Langhans (von unten nach oben) gehen heute Abend aus in Schwerin. Marlis Tautz

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08. März 2013, 10:26 Uhr

Schwerin | Auf jeden Fall bequeme Schuhe. Oder doch lieber etwas Schickeres? Stilettos vielleicht? Der Kreis der Kolleginnen ist geteilter Meinung. Beim zweitwichtigsten Punkt wenigstens besteht Einigkeit: Ein Frauentag mit Roland-Kaiser-Konzert - "das ist die ideale Kombination", sagt Ute Albrecht. "Perfekt", findet Katrin Herrmann die Aussicht. Ein halbes Dutzend Karten hat jede der beiden Schwerinerinnen gekauft für den heutigen Auftritt des Schlagersängers in der Sport- und Kongresshalle der Landeshauptstadt - für die Frauen im Büro, für die Schwägerin vom Lande, die Nichte aus Bremen, die Schwiegertochter.

In Pulks und Scharen und großen und kleinen Runden werden sie zu ihrem Roland pilgern - junge Frauen, ältere Frauen und ganz viele Frauen dazwischen. Der Sänger spricht die verschiedensten Altersgruppen an, behaupten seine Fans. Auf Internetseiten philosophieren sie über den typischen Publikumsmix in Kaiser-Konzerten: Ein Drittel Frauen, ein Drittel verliebte Paare, ein Drittel homosexuelle Männer, wobei natürlich Schnittmengen möglich sind.

Ute Albrecht und ihre Kolleginnen wollen heute direkt mal drauf achten, ob das stimmt. Seit Tagen freuen sie sich auf diesen Abend. Ausgerechnet am Frauentag, ausgerechnet in Mecklenburg-Vorpommern startet Roland Kaiser seine Tournee 2013, die wie sein neues Album "Affären" heißt. Acht Wochen quer durch Deutschland - das ist der größte Brocken, den der 60-Jährige seit seiner Lungentransplantation vor drei Jahren bewältigen will. Schlagermuffel lassen sich die Chance zum Schlag unter die Gürtellinie nicht entgehen: "Eine neue Lunge ist wie ein neues Leben" summen sie nach dem Gassenhauer von Kaisers Schlagerkollegen Jürgen Marcus und verbreiten so einen Ohrwurm, den keiner haben will.

Arbeit an der Textsicherheit

Die Frauen aus dem Büro winken ab. Sie kennen solche Typen, die beim Thema Schlager die Augen verdrehen und so einen komischen süßsauren Zug um die Mundwinkel legen. "Nachher sieht man sie alle im Konzert", sagt Ute Albrecht. Selbst ihre Tochter - 18 Jahre alt - habe sich kürzlich beim Aprés-Ski verraten und einen Kaiser-Song angestimmt. "Und dann hat sie behauptet, dass sie so etwas ja schließlich immer mitanhören muss bei uns zu Hause", sagt Ute Albrecht. Vielleicht gibt es hier und da tatsächlich den einen oder anderen Totalverweigerer. Für alle andere ist und bleibt der Schlager Gute-Laune-Musik, mit Texten zum Mitsingen und einem Rhythmus, der direkt von den Ohren in die Knie geht. Nicht zuletzt deshalb steht noch immer die Frage nach dem passenden Schuhwerk im Raum.

Nebenan im Büro von Nicole Langhans dudeln Kaisers "Affären" - so leise, dass es nicht allzu sehr stört, laut genug, um noch ein wenig Textsicherheit zu gewinnen. Mit Hilfe ihres Ehemannes hat sie die Songs aus dem Internet runtergeladen. Ganz ohne Männer gelingt so ein Frauentagsvergnügen eben doch nicht. Das gilt auch für die Kollegen im Büro. "Unsere Erwartungshaltung ist groß", sagt Nicole Langhans und die anderen Frauen nicken beifällig. Wie war das gleich im vergangenen Jahr? Da gab es für jede von ihnen eine Rose. Sehr aufmerksam natürlich. Käme diesmal noch ein Gläschen zum Anstoßen dazu, bestünde noch mehr Grund zur Freude. Außerdem wäre es im Hinblick auf das Abendprogramm günstig, ein paar Minuten früher Feierabend machen zu können. Womit die Wunschliste komplett ist. Beinahe jedenfalls. Denn natürlich ruhen auch auf Roland Kaiser gewisse Hoffnungen. Sein Hit "Extreme", unstrittiger Lieblingssong in der Runde, sollte unbedingt dabei sein im Konzert und möglichst nicht erst als Zugabe erklingen. Beim letzten Mal mussten die Fans gar zu lange darauf warten.

Besteht zwischen Vorbereitung und Vorfreude noch Gelegenheit für ein paar Gedanken zum Hintergrund des Frauentages? "Natürlich ist mir die tiefere Bedeutung dieses Tages bewusst", sagt Nicole Langhans und erwähnt die Zeit vor dem 1. Weltkrieg, als das Frauenwahlrecht erkämpft sein wollte. Heutzutage sei frau an so vielen Schauplätzen tätig und erfolgreich. "Da ist es doch nur gerechtfertigt, wenn wir uns auch mal belohnen und feiern lassen." Wenn sie heute nach Dienstschluss nach Hause eilt, warten zwei Kinder auf sie. "Ein Abstecher zum Spielplatz" sollte noch drin sein, bevor Mama ausgeht. Treffpunkt 18 Uhr ist verabredet, um vorher noch nett etwas zu essen und - nicht zu vergessen - ein Schlückchen zu trinken. Ein Fläschchen Prosecco gehört an Tagen wie diesen unbedingt ins Marschgepäck. "Das wird lustig" - daran zweifelt keine im Bunde.

Die Frage nach den Schuhen

Bedauerlicherweise steht bei Familie Langhans am Sonnabend eine Elternversammlung im Terminkalender. Um - unglaubliche - 9 Uhr! Katrin Herrmann schenkt ihrer Kollegin einen mitfühlenden Seitenblick. "Ich habe mir sicherheitshalber den ganzen Vormittag freigehalten", sagt sie. Auch ihre Tochter ist Roland Kaiser gewohnt, hat jedoch die Einladung ins Konzert ausgeschlagen und sich stattdessen zum Fahrdienst verpflichtet. Das schafft Spielraum für alles, was da kommen könnte.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Abstecher hinter die Bühne? Natürlich würde keine ablehnen. So einen Star mal ganz von Nahem sehen, das hätte schon was. "Bei Andrea Berg hatte ich einmal das Glück", verrät Katrin Herrmann. "Roland mag ich, aber Andrea Berg, die verehr’ ich richtig." Sie war überrascht, wie groß die Sängerin ist, erst recht auf ihren berühmten Bleistiftabsätzen.

Roland Kaiser hingegen ist eher klein. "Klein und meistens etwas spießig angezogen mit seinen Anzügen", wie Ute Albrecht einwirft. Maximal das Sakko legt er ab, um dann in Weste weiterzusingen. Ja, diese Fans wissen Bescheid und machen sich einen Spaß daraus, solche Dinge zu erörtern. So auch die rein fiktive Idee, dem kleinen großen Herrn Kaiser heute Abend gegenüberzutreten. Auf Stilettos? Oder besser in flachen und bequemen Schuhen?

Morgen steht Roland Kaiser in Neubrandenburg auf der Bühne und am 23. März in Rostock.

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