Heringsschwarm auf dem Rückzug

Küstentour: Agrarministerin Ilse Aigner informiert sich bei Institutschef Cornelius Hammer über den Heringsbestand.  dpa
Küstentour: Agrarministerin Ilse Aigner informiert sich bei Institutschef Cornelius Hammer über den Heringsbestand. dpa

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23. August 2010, 09:33 Uhr

Rostock | Notstand im Heringsschwarm: Der Nachwuchs der Fische ist nach Untersuchungen des bundeseigenen Instituts für Ostseefischerei seit 2003 um jährlich 20 bis 30 Prozent zurückgegangen - und es kommt noch schlimmer. Nach dem Tiefsstand 2008 habe es im vergangenen Jahr zwar Zuwchsraten gegeben. Doch die eigentliche Herausforderung steht erst noch bevor, warnte Institutschef Cornelius Hammer gestern in Rostock. "Das größte Problem sehen wir beim Heringsbestand in der westlichen Ostsee", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestern in Rostock. Das Niveau sei das niedrigste, das jemals festgestellt worden sei. Nach dem schwächelnden Nachwuchs in den Vorjahren nehme der Bestand trotz aller Schutzmaßnahmen weiter rapide ab. "Der Hering bleibt das Sorgenkind." Der Gesamtfang müsse deshalb bis 2015 um 36 Prozent reduziert werden. Der Vorschlag der EU: 29 Prozent. "Da ist nicht viel Verhandlungsspielraum", meinte Hammer. Noch sei allerdings unklar, warum die Heringsbestände derart stark zurückgegangen seien. Fest stehe nur: Die Fischer sind nicht Schuld, dass es dem Hering so schlecht geht."

Der Rückzug der Heringe bringt die Fischer indes um ihre Existenz. Bei einer 29-prozentigen Reduzierung der Fangquote blieben jedem Fischer in MV noch eine Fangmenge von zehn Tonnen. Selbst mit dem Verkauf anderen Fischarten könne "man davon nicht mehr leben", wehrte sich Norbert Kahlfuss, Präsident des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer, gegen entsprechende Pläne und forderte eine wissenschaftlich begründete Fangquoten. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Fischer bestraft würden, obwohl ihnen die Wissenschaft keine Schuld am Rückgang der Bestände gebe. "Was nützt es, den Hering zu schonen, wenn die Ursachen nicht bekannt sind", meinte Kahlfuss und kritisierte die "seit Jahren verfehlte EU-Fischereipolitik".

Das soll sich jetzt ändern. Die herkömmlichen Fangquoten-Regelung habe sich überholt, erklärte MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Stattdessen könnte für die Ostsee ein Modell zur Gesundung der Weltmeere aufgebaut werden. Für das größte Brackwassermeer der Welt müsse ein neues System errichtet werden, u. a. mit einem Schutzgebiete beispielsweise im Greifswalder Bodden, sagte Backhaus und forderte von der Wissenschaft klare Aussagen zu den Ursachen des Hering-Rückgangs. Er gehe davon aus, dass der fehlende Wasseraustausch in der Ostsee Hauptgrund für den Bestandsrückgang. "Das biologische Gleichgewicht der Ostsee ist gestört." Institutschef Hammer warnte indes: "Schutzgebiete lösen das Problem nicht", da die Fischbestände wanderten.

Bundesministerin Aigner sieht indes die Verbraucher in der Verantwortung und forderte sie zu einem verantwortungsvolleren Fischkonsum auf. "Wir wollen eine bewusste Entscheidung für Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen", sagte sie und kündigte harte Kontrollen für illegalen Fischfang an. Dazu müsse ein Strafpunktesystem aufgebaut werden, ähnlich wie die Flensburger Verkehrssünderdatei. Die schärferen Regelungen sind zum Jahresbeginn 2010 eingeführt worden.

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