Tagung in Güstrow : Herausforderung Wolf

Kaum ein Tier ruft so gegensätzliche Emotionen hervor wie der Wolf.
Kaum ein Tier ruft so gegensätzliche Emotionen hervor wie der Wolf.

Experte rechnet mit Wachstum des Bestands / Die Angst vor dem Raubtier ist groß, doch es findet hier gute Lebensbedingungen

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15. März 2015, 20:45 Uhr

Der Wolf wird sich nach Einschätzung des Wissenschaftlers Norman Stier in Deutschland weiter ausbreiten. Ein Grund sei das im Vergleich zu anderen europäischen Ländern große Nahrungsangebot an Wild, sagte der Forst-Zoologe von der Technischen Universität Dresden am Sonnabend auf einer Tagung in Güstrow. „Wir haben in Deutschland die höchste Beutetierdichte, der Wolf findet hier beste Lebensbedingungen.“ Zu der Veranstaltung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) kamen mehr als 150 Interessierte aus mehreren Bundesländern, darunter auch besorgte Bürger.

Vor der Tagung forderten Schäfer aus der Umgebung, auf die Tierhalter Rücksicht zu nehmen. In Mecklenburg-Vorpommern sind zwei Rudel sowie zwei Einzelwölfe nachgewiesen.

Nachdem der Wolf im 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet worden war, gibt es heute 32 Rudel mit mehr als 300 Einzeltieren, wie Stier berichtete. Bei fünf bis sechs Welpen pro Wurf betrage die jährliche Zuwachsrate 40 bis 45 Prozent. „Wenn es so weitergeht, werden wir es bald mit einer deutlich höheren Wolfszahl zu tun haben.“ Bei Naturschützern löst die Rückkehr der Wölfe überwiegend Freude aus. „Deutschland ist dadurch ein Stück naturnäher geworden“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Mathias Grünwald. Es gebe allerdings noch viel Regelungsbedarf. So müsse beraten werden, wann Wölfe als verhaltensauffällig gelten, ob und wann eine Vertreibung sinnvoll ist und welche tatsächlichen Gefahren bestehen. „Sonst ist jeder gesichtete Wolf Anlass für Spekulationen und neue Ängste.“

Mecklenburg-Vorpommerns Umwelt-Staatssekretär Peter Sanftleben betonte, der Wolf werde in Deutschland nicht wiederangesiedelt – er sei von selbst zurückgekehrt. Eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht – wie in Sachsen – sieht er skeptisch. Der Wolf werde wegen seines internationalen Schutzstatus ganzjährig geschont; unterliege er dem Jagdrecht, müssten weitere Aufgaben auf die Jäger übertragen werden, wie das Monitoring der Wölfe, das Ausstatten von Wölfen mit Sendern oder die Bekämpfung von Seuchen.

In MV wurden Sanftleben zufolge seit 2007 bei 29 Wolfsangriffen 149 Nutztiere getötet und 46 verletzt. Das Land beglich den Schaden mit 31 000 Euro und unterstützte seit 2013 Schutzmaßnahmen von Tierhaltern mit 56 000 Euro.

Stier betonte, dass Jäger ins Wolfsmonitoring einbezogen werden müssten. Sie seien die ersten, die eine Ansiedlung von Wölfen bemerkten. In Mecklenburg-Vorpommern seien mehr als zwei Drittel der 50 ehrenamtlichen Wolfsbetreuer Jäger.

Die meisten der in Deutschland lebenden Wölfe stammen mittlerweile auch aus der Bundesrepublik, wie der Wildtiergenetiker Carsten Nowak vom Senckenberg Institut Gelnhausen sagte. „Die Population erhält sich selbst.“ Die deutschen Wölfe bildeten mit den westpolnischen genetisch ein eigenständiges Cluster, sagte Nowak. Im Süden Deutschlands wanderten auch Wölfe aus Italien oder Frankreich zu.

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