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Aufräumen nach dem Tornado : Helfende Hände für Bützow

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Solidarität für Betroffene: Hunderte Freiwillige aus ganz Norddeutschland unterstützen beim Aufräumen

von
erstellt am 10.Mai.2015 | 20:45 Uhr

Mit festem Schritt gehen Axel Zimmermann, Cindy Ahlgrim und ihr Sohn Oliver auf das Rathaus der Kleinstadt Bützow zu. „Wo können wir mit anpacken“, fragen sie in den großen Empfangsraum, in dem weitere Helfer gerade eine Kaffeepause einlegen. Sie werden zum Haus von Bernd Giseking geschickt. Die Drei sind aus Schmadebeck bei Kröpelin gekommen, um den Bützowern beim großen Aufräumen nach dem Tornado zu helfen. „Wir haben selbst nicht viel Geld, aber arbeiten können wir. Und da haben wir uns gedacht, dass wir einfach auf diese Weise helfen“, sagt Cindy Ahlgrim.


Mehr als 350 Helfer aus dem Norden


Sie gehört zu etlichen freiwilligen Helfern, die seit Mittwoch nach Bützow kommen. Beim Notfalltelefon im Rathaus koordinieren Mitarbeiterinnen der Stadt die Aufräumarbeiten und verschiedenen Stationen. „Es ist unfassbar, wie viele Helfer jeden Tag zu uns kommen. Mehr als 350 Freiwillige unterstützen uns. Die meisten haben sich nicht mal angemeldet. Sie gehen einfach zu Betroffenen und fragen, was zu tun ist“, sagt Karin Schneider, Mitarbeiterin im Rathaus. Helfer aus Schwerin, Rostock, Güstrow, und anderen Teilen Norddeutschlands sind in die Kleinstadt gekommen. „Das ist großartig. Wir sind so unheimlich dankbar dafür“, sagt Karin Schneider.

Neben den öffentlichen Plätzen, die aufgeräumt werden, konnten sich Privatpersonen bei der Stadt melden, um helfende Hände geschickt zu bekommen. So hat es auch der 62 Jahre alte Bernd Giseking aus Steinhagen getan. Es haben sich bereits sieben Freiwillige in seinem Hof versammelt, um den Schutt zusammenzuräumen. „Bei unseren Ferienwohnungen sind die Dächer komplett zerstört. Die Dachrinnen haben sich ineinander verkeilt. Ich kann nur noch alles abdecken und aufräumen.“ Eimer und Kisten dafür stellt Bernd Giseking erst mal selbst bereit. Demnächst soll ein Container, den die Stadt geordert hat, den Müll aufnehmen.

Für die Verpflegung der vielen Freiwilligen sorgt beim großen Aufräumen in Bützow Ralf Stichert aus Kiel. Mit einem großen Grill und genügend Bratwürsten versorgt er mit seiner Familie die Helfer. „Wir haben die ganze Katastrophe und alles, was danach passiert ist, im Fernsehen verfolgt. Aber in Kiel kriegen wir nicht alles genau mit“, sagt Stichert. Der gebürtige Bützower ist aus Solidarität in seinen Heimatort zurückgekehrt und hat kurzerhand den Grill aufgestellt. „Es ist Wahnsinn, was die Leute hier leisten. Das ist der Norden. Hier hilft man sich gegenseitig, wenn es Probleme gibt. Das ist ganz selbstverständlich.“ Gemeinsam packen Anwohner, Handwerker sowie Freiwillige an, um der Stadt Bützow ihren alten Glanz wiederzugeben.


Gottesdienst in zerstörter Kirche


Die Stiftskirche im Stadtzentrum wurde vom Tornado am Dienstagabend besonders in Mitleidenschaft gezogen. Allmählich aber werden die letzten großen Löcher des Daches geschlossen. Und auch das Innere nimmt wieder Gestalt an: Denn die Mädchen der Pfadfinderinnenschaft St. Georg sind fleißig beim Putzen und Fegen.

„Ich bin ganz ergriffen, was alle hier schaffen. Das ist Solidarität. Unglaublich“, sagt Pastor Karl-Martin Schabow ergriffen. Ebenso begeistert war der Pastor von dem Besuch des Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg (CDU), der nicht im Anzug erschien, sondern in Arbeitssachen mit anpackte. „Die Menschen in Bützow und in der Umgebung helfen untereinander und stehen füreinander ein. Ich bin davon sehr beeindruckt“, sagt Rehberg zwischen den zusammengetragenen Schutthaufen.

Axel Zimmermann, Cindy Ahlgrim und ihr Sohn Oliver gehen nach der getanen Arbeit zum nächsten Betroffenen. Trotz der zahlreichen Unterstützung wird es noch eine Weile dauern, bis Normalität und Alltag in das kleine Städtchen Bützow zurückkehrt.

 

Weitere Artikel finden Sie auf unserer Dossierseite zu dem Thema: www.svz.de/tornado

 

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