Retter erhalten Auszeichnung : „Helfen und nicht weggucken“

Die Geehrten: Matthias Hallier (v.l.), Manuela Duwe und Thomas von Morstein (r.) mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig
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Die Geehrten: Matthias Hallier (v.l.), Manuela Duwe und Thomas von Morstein (r.) mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig

Geistesgegenwart und Mut machten drei Mecklenburger zu Rettern in letzter Sekunde. Nun ehrte sie Ministerpräsidentin Schwesig

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21. Februar 2018, 21:00 Uhr

An den Morgen des 20. Dezembers 2016 erinnert sich Thomas von Morstein aus Bresegard bei Eldena noch genau. „Ich fuhr gegen 6.20 Uhr aus der Toreinfahrt, am Haus 200 Meter entfernt qualmte es stark und ich dachte erst, der Nachbar heizt aber richtig ein“, erzählt er. Wenige Sekunden später wird ihm der Ernst der Lage bewusst, als er sieht, dass das Haus innen schon lichterloh in Flammen steht.

Mit dem Auto fuhr er zum Knopf der Sirene, doch die bleibt stumm. Über das Handy informierte er die Leitstelle. Doch was ist mit dem über 80-jährigen Bewohner des Hauses? Im selben Moment bringt Manuela Duwe ihre Tochter zur Bushaltestelle. Als die gelernte Krankenschwester das brennende Haus sieht und nun doch die Sirene anspringt, eilt sie hin. Keine Spur vom Bewohner, aber Thomas von Morstein ist dort. Alles muss schnell gehen. Mit einer Zaunlatte werden Fenster eingeschlagen, der Bewohner gerufen, der sich im Wohnzimmer befand. „Der Mann war sich der Gefahrensituation gar nicht bewusst“, so Manuela Duwe. Als Thomas von Morstein den Mann aus dem Haus zerrt, rutschen schon die Ziegel vom brennenden Dachstuhl.

Selbstlos und unter hoher Gefahr für das eigene Leben haben die beiden Bresegarder gehandelt. Für ihren Einsatz zeichnete sie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Mittwoch in der Schweriner Staatskanzlei mit der Rettungsmedaille des Landes aus. „Es ist gut, dass wir solch mutige Menschen im Land haben, besonders in einer Zeit, in der man den Eindruck haben kann, dass Selbstlosigkeit immer seltener wird“, so die Ministerpräsidentin. Ohne den Einsatz der nun ausgezeichneten Bresegarder wäre der Mann wohl verstorben. „Man geht da einfach rein und denkt in so einer Situation nicht drüber nach“, sagt Thomas von Morstein. „Die Feuerwehrleute haben uns im Nachhinein gesagt, bei ihrem Eintreffen wäre der Mann nicht mehr zu retten gewesen“, so Manuela Duwe.

Eine öffentliche Belobigung des Landes gab es zudem für Matthias Hallier aus Schwaan. Der Tag, an dem er über sich hinausgewachsen ist, ist ihm noch sehr präsent. Am 28. März 2017 rettete der Berufskraftfahrer einem dreijährigen Mädchen, das von einem Hund angefallen wurde, vermutlich ebenfalls das Leben. „Ich habe den Rasen geharkt und sah im Augenwinkel einen dunklen Schatten rennen. Nur kurze Zeit später hörte ich klägliche Hilfeschreie“,erinnert er sich. Hallier sprang über den Gartenzaun aufs Nachbargrundstück. „Es ist, als wenn ein Schalter umgelegt wird“. Der massige Hund hatte sich an dem Kind festgebissen, der Nachbarin gelang es nicht, das Tier von der Dreijährigen zu trennen. Hallier stürzte sich auf den Hund und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei im Würgegriff. Erst kurz vor dem Ersticken habe der Hund von dem bereits lebensgefährlich verletzten Mädchen abgelassen.

„Geistesgegenwärtig und ohne darüber nachzudenken, ob Sie selbst verletzt werden könnten, haben Sie geholfen, deshalb verdienen Sie höchsten Respekt und Anerkennung“, sagte Schwesig zu dem Retter. Dass die Heldentaten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden, darauf hofft die Ministerpräsidentin. „Wir alle wollen, dass unsere Kinder mit guten Werten aufwachsen und dafür geben Sie alle das beste Beispiel“, so Schwesig. Matthias Halliers Frau Marleen ist jedenfalls stolz auf ihren Mann, aber auch froh, dass er unverletzt blieb. Ihr Wunsch an die Gesellschaft: „Helfen, nicht weggucken, und wenn es selber nicht möglich ist, einzugreifen, Hilfe holen.“

Rettungsmedaille und Öffentliche Belobigung werden auf Vorschlag des Innenministers verliehen und ausgesprochen. Sie wurde 1992 durch den Landtag gestiftet.

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