Freiwilligendienste in MV : Helfen für Taschengeld ist beliebt

Bis 2011 hat der Zivi geholfen - heute kommt der Bufdi.
Foto:
Bis 2011 hat der Zivi geholfen - heute kommt der Bufdi.

Interesse am Freiwilligendienst in MV ist nach wie vor groß. Die Wohlfahrtsverbände hätten gerne mehr Stellen

svz.de von
11. August 2016, 06:00 Uhr

Sie bringen im Krankenhaus den Patienten das Essen und wechseln die Bettpfannen. Im Kindergarten spielen sie mit den Jungen und Mädchen. Im Pflegeheim gehen sie mit den Senioren spazieren. Dafür bekommen sie maximal 372 Euro im Monat als Taschengeld.

Rund 1580 Männer und Frauen leisten derzeit in Mecklenburg-Vorpommern ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD). Die sogenannten Bufdis haben mit der Abschaffung der Wehrpflicht 2011 vielerorts die Nachfolge der Zivis angetreten. Fünf Jahre nach Einführung des freiwilligen Dienstes ziehen die Wohlfahrts- und Sozialverbände im Land eine überwiegend positive Bilanz. „Das ist ein durchdachtes und gutes Modell“, findet Stefan Beutel, der beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Mecklenburg-Vorpommern für die sozialen Freiwilligendienste zuständig ist.

 

Beim DRK absolvieren aktuell 55 Freiwillige ihren Dienst – in Kindertagesstätten, in Krankenhäusern, in Pflegeheimen und im Fahrdienst. „Das Interesse am BFD ist nach wie vor groß“, sagt Beutel. Es gebe mehr Bewerber als Plätze. Am Freiwilligendienst schätzt Beutel vor allem, dass er altersoffen ist. Die Teilnehmer seien zwischen 30 und 65 Jahre alt. „Es waren aber auch schon Rentner dabei“, erinnert sich der Mann vom DRK.

Gerade für junge Leute ist der Freiwilligendienst laut Beutel eine gute Idee, die Zeit bis zu einer Ausbildung oder einem Studium sinnvoll zu überbrücken. Für ältere Menschen, die arbeitslos sind, biete der BDF eine Möglichkeit, die Chancen auf einen neuen Job zu erhöhen. „Sie sind wieder unter Leuten und bekommen soziale Kompetenzen vermittelt“, erklärt Beutel.

Gute Erfahrungen mit den Bufdis hat auch der Paritätische Wohlfahrtsverband gemacht. Dort werden im Schnitt 50 Plätze angeboten. Die Hälfte davon wird an Bewerber unter 27 Jahren vergeben. „In dieser Altersgruppe liegen wir gut im Rennen. Das Interesse ist nach wie vor da“ , sagt die für die Bufdis zuständige Referentin Anette Damrath.

Höchste Weihen für ihre Arbeit erhielten die bundesweit rund 40 000 Freiwilligen erst kürzlich von Bundesministerin Manuela Schwesig. „Sie machen das Leben in unserem Land besser“, sagte Schwesig. Das Engagement verdiene Dank, Anerkennung und Wertschätzung.

Die Wohlfahrts- und Sozialverbände im Land würden sogar noch mehr Bufdis beschäftigen. „Wir hätten gerne 80 Plätze“, sagt DRK-Mann Beutel. Beim Paritätischen würde man sich über zehn zusätzliche Stellen freuen. Doch damit ist in absehbarer Zeit wohl nicht zu rechnen.

Derzeit liegt das Budget für den BFD bei 167 Millionen Euro, mit denen bundesweit 35 000 bis 40 000 Stellen finanziert werden, wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mitteilt. „Das ist eine politische Entscheidung“, teilt ein Sprecher dazu mit. Eine Erhöhung müsste erst im Bundestag beschlossen werden.

Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)

Wer einen Freiwilligendienst leisten will, hat die Wahl zwischen Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Freiwilligem Sozialem Jahr (FSJ). Beide Dienste richten sich an Männer und Frauen und dauern ungefähr gleich lang. Auch die Einsatzbereiche überschneiden sich. Für beide Dienste wird ein monatliches Taschengeld gezahlt. Es gibt aber auch Unterschiede.

Träger und Finanzierung

Der wichtigste Unterschied dreht sich ums Geld. Für den BFD ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zuständig. Das FSJ dagegen ist Ländersache.

Alter

Wer sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr interessiert, darf nicht älter als 27 ein. Beim BFD gibt es nach oben keine Altersgrenze - er steht auch Senioren offen. Beide Dienste sind ab Vollendung der Schulpflicht möglich.

Wiederholung

Ein FSJ kann man nur einmal machen. Beim BFD ist eine mehrfache Wiederholung nach jeweils fünf Jahren möglich.

Einsatzort

Ein BFD ist nur in Deutschland möglich. Das FSJ kann man dagegen auch im Ausland leisten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen