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Rettungsmedaille MV : Heldinnen in der Flammenhölle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitarbeiterinnen der Diakonie in Greifswald retten Heimbewohner: Dafür sind sie nun vom Land ausgezeichnet wurden

von
erstellt am 26.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Weil sie einen Heimbewohner vor dem Feuertod bewahrten, sind zwei Mitarbeiterinnen des Katharinenstifts in Greifwald mit der Rettungsmedaille des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet wurden. „Beide Frauen haben das Wertvollste getan, was ein Mensch leisten kann. Beide haben ihr Leben riskiert, um das Leben eines anderen zu retten“, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering, als er gestern in Schwerin die Auszeichnung an Sonja Heyden und Maria Schröder verlieh.

Rückblick: Es ist der 20. Februar 2014. Kurz vor Mitternacht. Im Katharinenstift in Greifswald ist es ruhig. Krankenschwester Sonja Heyden und Heilerziehungspflegerin Maria Schröder gehen ihrem Nachtdienst nach. Alles wirkt wie immer. Niemand ahnt, dass sich in einem der Zimmer des Behindertenwohnheims eine Katastrophe anbahnt.

Plötzlich durchbricht ein ohrenbetäubender Signalton die Stille. Der Rauchmelder hat ausgelöst. „Es war unglaublich laut. Den Alarm konnte man wirklich überall im Haus hören“, erzählt Heyden, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer der oberen Etagen des Hauses befindet. Die 55-Jährige nimmt Geschrei wahr. Jemand ruft um Hilfe. Es ist Maria Schröder. Heyden überlegt nicht lang, lässt alles stehen und liegen und eilt die Treppen hinab in den 1. Stock, wo ihre Kollegin gerade arbeitet.

Die 25-Jährige ist aufgelöst, rennt aufgeregt den Flur entlang. Schwerer Qualm breitet sich aus, macht das Atmen immer schwerer. Die Diakonie-Mitarbeiterin hat die Feuerquelle in einem der Zimmer ausgemacht. Was sie dort sehen muss, stockt ihr den Atem. Ein Mann liegt am Boden – sein Oberteil in Flammen.

Schröder rennt zurück auf den Flur, wo ihr Heyden bereits entgegenkommt. „Sie rief immerzu: Der Bewohner brennt, der Bewohner brennt“, erzählt Heyden und fügt hinzu: „Das konnte ich im ersten Moment nicht fassen. Es war einfach nur schrecklich“.

Die Frauen handeln geistesgegenwärtig, greifen sich Decken und versuchen das Feuer zu ersticken. „Wir haben mit den Decken immer wieder auf die Flammen geschlagen“, sagt die 55-Jährige, die seit mehr als 20 Jahren in ihrem Beruf tätig ist. Dabei hätten sie Sorge gehabt, sich selbst zu verletzen. „Wir hatten Angst, dass auch unsere Kleidung in Brand gerät“, so Schröder.

Sie machen dennoch weiter, versuchen nun mit Wasser den Brand zu löschen. „Wir haben uns Schüsseln und Pfannen geschnappt, sie mit Wasser gefüllt, um es über das Feuer zu schütten“, erinnert sich Heyden. Ihr beherztes Eingreifen hat Erfolg, sie können dem Brand den Garaus machen. Der Bewohner überlebt, trägt aber schwere Verletzung am Oberkörper und im Gesicht davon.

Doch damit nicht genug der Heldentaten: In dem Trubel schaffen es die Mitarbeiterinnen des Pommerschen Diakonievereins auch, die Feuerwehr zu rufen und andere Bewohner vor dem Rauch zu schützen. „Wir haben Handtücher und Decken vor die Türen gelegt, damit der Qualm nicht in die Zimmer eindringt“, sagt Heyden.

Ihr Mut hat einen Preis: Beide müssen mit Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Das Unglaubliche: Schröder ist zum damaligen Zeitpunkt in der siebenten Woche schwanger. Dennoch zögerte sie nicht eine Sekunde, zu helfen – und würde dies immer wieder tun. „Das ist für uns einfach selbstverständlich“, sagt die 25-Jährige, die vor vier Jahren ihre Arbeit im Katharinenstift aufnahm.

Umso verwunderter waren beide, als sie hörten, dass sie für ihre Tat mit der Rettungsmedaille des Landes ausgezeichnet werden. „Wir haben damit nicht gerechnet. Es bedeutet uns aber viel“, so Heyden. Ihr Einsatz habe bei Weitem ihre beruflichen Pflichten überstiegen, begründetet Sellering die Auszeichnung, die auch ein Signal an die Öffentlichkeit sei. „Wir brauchen Menschen wie Frau Heyden und Frau Schröder, die beherzt eingreifen, wenn es nötig ist.“

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