MV wird 25 : Heldin der Arbeit mit Bundesverdienstkreuz

Solveig Leo: Das Gemeindeleben ist ihr wichtig.
Solveig Leo: Das Gemeindeleben ist ihr wichtig.

Auszüge aus einem Porträt über die ehemalige Bürgermeisterin der Gemeinde Banzkow

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09. März 2015, 11:55 Uhr

An der Wäscheleine im Garten flattert der Badeanzug im Wind. Solveig Leo war wie so oft bereits Schwimmen. Hinter ihrem Haus mit dem flachen Dach aus den Siebzigerjahren kann sie direkt in den Störkanal springen. Jetzt im Spätsommer sei das Wasser wieder angenehm kühl, berichtet sie. Solveig Leo mag es nicht, wenn das Wasser lauwarm ist. „Es muss schon auf der Haut kribbeln“, sagt sie,
Aus ihrem Wohnzimmerfenster blickt sie in die von ihr so geliebte weite flache Landschaft der Lewitz südlich von Schwerin. Hier liegt Banzkow. Wer das Dorf als „schmuck“ bezeichnet, erfasst nur die halbe Wahrheit. Vor allem ist es ein lebendiges Dorf. Solveig Leo hat großen Anteil daran. 17 Jahre lang stand sie an der Spitze der Gemeinde.

Während einer Tour mit ihrem kleinen dunkelgrünen Auto präsentiert sie ihr Dorf. Die mit Stroh gedeckten Bauernhäuser aus dem 18. Jahrhundert, die auch schon 100 Jahre alten Backsteingebäude, die gepflegten flachen Häuser für die sogenannten Neubauern nach dem Krieg. Die Regionalschule konnte im Dorf bleiben, weil im Gegenzug die Grundschule in der Nachbargemeinde erhalten blieb. Der kleine Supermarkt heißt wie zu DDR-Zeiten: „Konsum“. „So wie es sich gehört“, bemerkt Solveig Leo.

Die Kirche mit dem spitzen Turm wird seit vielen Jahren Stück für Stück unter anderem mit Spendengeldern der Banzkower Bürger und anderer Sponsoren saniert. Solveig Leo ist Mitglied im Förderkreis. Dabei kann sie, die in einem atheistischen Elternhaus aufwuchs, den christlichen Glauben zwar respektieren, aber nicht begreifen. Sie könne an das Gute im Menschen glauben, sagt sie, oder auch an den Sozialismus.

Das Gemeindeleben ist ihr wichtig. Zu Neujahr wird in Banzkow in der Stör angebadet. Im Winter feiert das Dorf Karneval, im Frühjahr trifft man sich am Osterfeuer und zum Holzfest.

Für diese Entwicklung bekam Banzkow 2007 im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und 2008 im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ die Goldmedaillen. Solveig Leo bekam für ihr Engagement bereits 2002 das Bundesverdienstkreuz.

Unterdessen kommt die verschmitzte Freude über den wiederbelebten Konsum oder die erhaltene Straße der Befreiung nicht von ungefähr. Solveig Leo kann auf ein erfolgreiches Leben als Landwirtin in der DDR zurückblicken. Falsch wäre es, ihr Leben bis 1989 ihr „erstes“ zu nennen. Es war ihr eigentliches.

Geboren wurde Solveig Leo 1943 in den Sudeten. Die Familie verschlug es ins thüringische Pößneck. Als mittleres von drei Kindern stromerte Solveig nach der Schule durch ihr Dorf, ging mit den Jungs fischen, tobte mit den Mädchen. „Das war eine schöne Kindheit“, sagt sie. Nach ihrer Lehre schloss sie ein dreijähriges Studium an der Fachschule für Landwirtschaft in Weimar an. Ein Zufall führte die 20-Jährige nach Banzkow. Die junge Landwirtin Solveig Leo wurde in der LPG Viehzuchtbrigadier. Offenbar hatte ihr Mentor, der Banzkower LPG-Vorsitzende, keine Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit. Im Januar 1968 schlug er Solveig Leo den hundert Banzkower LPG-Bauern als seine Nachfolgerin vor. Sie war damals die jüngste LPG-Vorsitzende der DDR.

1969 wurde sie nach Berlin in die Fernsehsendung „Mit dem Herzen dabei“ mit Hans-Georg Ponesky eingeladen. Vor laufender Kamera wurde ihr zu ihrer Überraschung verkündet, sie solle als „Held der Arbeit“ ausgezeichnet werden. Wenige Tage später überreichte ihr Walter Ulbricht im Staatsratsgebäude die Auszeichnung. „Ich werde den Tag nie vergessen, er war so beeindruckend, so emotional“, sagt Solveig Leo noch heute. Nur Lotte Ulbricht schüttelte den Kopf über die weißen Pumps, die Solveig Leo trug...

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