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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 21:25 Uhr

Karnevalsaison beginnt : Helau – so lacht MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Jecken sind los: 82 Vereine im Land bereiten die erste Karnevalssession in diesem Jahr vor

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:00 Uhr

„Gott sei Dank geht’s wieder los.“ Fröhlich klatscht Ingrid Röhlcke in die Hände. 2017 ist für sie voller Jubiläen: Seit 20 Jahren ist sie Präsidentin des Techentiner Carneval Clubs (TCC), seit 35 Jahren ist sie dort Mitglied im Elferrat und generell feiert in diesem Jahr der Verein 60-jähriges Bestehen. „Am Sonnabend starten wir die Session mit dem Seniorenkarneval. Am 25. Februar folgt dann unsere Galasitzung, zu der wir auch alle ehemaligen Prinzenpaare einladen.“ Erwartet werden Hunderte Gäste. Dabei hat alles ganz beschaulich angefangen: 1957 hatte der Dorfclub-Vorsitzende zum Gesangsnachmittag mit Freibier eingeladen. „An diesem Nachmittag wurde beschlossen, dass Techentin einen Karneval braucht – frei nach dem Motto ,Was die anderen Gemeinden können, können wir auch’“, erzählt Ingrid Röhlcke. Die Sache war beschlossen – es gründeten sich Ministerrat und Prinzengarde. 1958 feierte der TCC seinen ersten Karneval.

Zu Spitzenzeiten hatte der Club 190 Mitglieder. Sie wollten miteinander „fröhlich sein und die Sorgen des Alltags vergessen.“ Sie wollten sich aber auch in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, zum Beispiel durch das sportliche Angebot im Verein Garde und Show zu tanzen.

Ingrid Röhlcke ist seit ihrem 19. Lebensjahr mit der Organisation der Veranstaltungen beschäftigt. Die Erwartungshaltung der Besucher sei über die Jahrzehnte gestiegen. Die Büttenreden müssen intelligent sein, durchspickt mit politischer Satire, die Tänze synchron und professionell inszeniert, die Sketche sollen unterhalten und viele Lacher ernten. Mittlerweile ist die Vereins-Präsidentin 68. In zwei Jahren will sie voraussichtlich das Zepter an einen Nachfolger übergeben. „Ganz ohne Karneval werde ich wohl nie können. Das gehört für mich zum Leben dazu.“ Sie wünscht sich, dass der Verein noch viele Jahre besteht – an ihrer eigenen Familie hapert dies nicht. Ihr Vater engagierte sich im TCC, sie selbst und ihre Schwester, die Kinder ihrer Schwester und nun auch die Enkel. „Wir sind seit vier Generationen dabei“, resümiert Röhlcke.

Wissenswertes zum Karneval in MV

Die Orden

Die Geschichte der Karnevalsorden begann mit dem organisierten Karneval in Köln. Dort wollten die Kölner sich gegen die preußische Obrigkeit auflehnen,  der Karnevalsorden symbolisierte also eine Geringschätzung militärischen Benehmens und Pomps.

Die Zahl 11

Am 11. im 11. wird um 11.11 Uhr die zweite Karnevals-session im Jahr eröffnet. Der Grund: Am 11. November 1391 gründete Graf Adolf I. von Kleve den Narren-Orden von Kleve. Der Stifter besiegelte die entsprechende Urkunde an elfter Stelle.

Tradition Fastnacht

Die Fastnacht hat auch im heutigen MV mit traditionellen Fastelabenden, Fasching und Faslam eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert feierte das Bürgertum in den Städten Kostümfeste, Maskenbälle und Festsitzungen, um die Freude auf den bevorstehenden Frühling auszudrücken.

 

Der TCC ist nur ein Beispiel dafür, dass Karneval bereits zu DDR-Zeiten intensiv zelebriert wurde. 1989 waren in Mecklenburg-Vorpommern 192 Vereine registriert. Nach der Wende gründete sich am 26. Mai 1990 in Rostock der Karneval-Landesverband. Dieser gehört zum Bund Deutscher Karneval. Zur Zeit gibt es in MV 82 Karnevalsvereine, die sich an den Verband angliedern, weitere 40 zelebrieren die fünfte Jahreszeit autark. Damit sind mehr als 6000 Bewohner des Landes aktive Karnevalisten. Das Tal des Mitgliederschwundes, das sich nach 1990 auftat, sei durchschritten. „Jeder hat im Karneval seine Aufgabe“, weiß Verbandspräsident Lutz Scherling – vom Organisator, Tänzer, Trainer bis zum Techniker. Meistens seien es ganze Familien, die sich einbringen. „Karnevalsvereine waren immer eine Angelegenheit der Dörfer. Ohne sie würde es vielerorts kein Gemeindeleben geben“, sagt Scherling, der selbst viele Jahre in Sukow Präsident war. In Neu Kaliß seien beispielsweise 300 der 1500 Einwohner Mitglied im örtlichen närrischen Verein. „In kleineren Gemeinden ist es grundsätzlich einfach, die nötigen Strukturen zu schaffen, weil die Wege kürzer sind, zum Beispiel bei der Suche von Veranstaltungsorten.“

Dass sich der Karneval, der sich durch die Existenz eines Elferrates vom Fasching unterscheidet, noch immer mit dem Vorurteil des kollektiven Betrinkens auseinandersetzen muss, ärgert Scherling. „Vorurteile können nur durch Erlebnisse aus dem Weg geräumt werden. Wer dabei ist, spürt die Freude an der Freude. Die Vereine geben sich viel Mühe mit ihren Programmen. Sie wollen die Gunst des Publikums. Der Fernseher ist schließlich eine große Konkurrenz.“


Am kommenden Dienstag, 21. Februar, präsentiert der närrische Nordosten die Höhepunkte der Karnevalssession zwischen Ostsee und Seenplatte in Berlin. Dass die besten Tänzer, Sänger und Redner in die Bundeshauptstadt fahren, ist ein Novum.

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