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Archäologe aus Ankershagen : Heinrich Schliemann privat

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor 125 Jahren starb der Troja-Entdecker aus Ankershagen. Historiker Wilfried Bölke wertete 2500 Briefe des Archäologen aus

Der Archäologe und Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann, der am 26. Dezember vor 125 Jahren starb, hat der Nachwelt ein umfangreiches Schriftgut hinterlassen. Es umfasst mehr als 60 000 Briefe, 18 Reise- und Grabungstagebücher, Geschäftsbücher und Manuskripte. Der Schliemann-Forscher Wilfried Bölke hat in den vergangenen Jahren den Briefwechsel Schliemanns mit seiner mecklenburgischen Familie - seinem Vater und den sieben Geschwistern, mit Verwandten, Freunden und Bekannten - ausgewertet und ein Buch herausgebracht. Der Band „Dein Name ist unsterblich für alle Zeiten“ mit 750 Seiten und 150 Abbildungen ist im wissenschaftlichen Wellem-Verlag Duisburg angekündigt.

In den vergangenen Jahren sichtete Bölke etwa 2500 Briefe, die heute überwiegend in der Gennadius Library in Athen aufbewahrt werden. Darunter sind Briefe, die Schliemann schrieb und selbst in Kopierbücher übertrug. „Nur eine geringe Anzahl ist bisher veröffentlicht“, sagte Bölke. 1980 hatte der heute 77-Jährige das Schliemann-Museum in Ankershagen (Mecklenburgische Seenplatte) mitbegründet –dem Ort, in dem Schliemann als Kind acht Jahre lebte.

Das Museum befindet sich im einstigen Pfarrhaus, dem Elternhaus Schliemanns. Bölke leitete die Gedenk- und Forschungsstätte bis 2003.

Ihn interessierte stets besonders die Beziehung Schliemanns zu seiner mecklenburgischen Heimat. Der erfolgreiche Kaufmann und Ausgräber habe seine Familienangehörigen durch die Briefe an seinem ungewöhnlichen und erfolgreichen Lebensweg teilhaben lassen, sagte Bölke.„Über das Verhältnis Heinrich Schliemanns und seiner Geschwister zum Vater war bisher nur wenig bekannt“, berichtete er. „Deren Kindheit wurde schon früh von bedrückenden Erlebnissen überschattet, sie wuchsen in einer zerrütteten Familiensituation auf. In den Briefen wird deutlich, welch ein erheblich gestörtes Verhältnis zwischen den Kindern und ihrem Vater bestanden hat.“ Den Geschwistern gegenüber habe sich Schliemann zeitlebens als treusorgender, wenn auch autoritär auftretender Bruder erwiesen. „Heinrich übernahm früh die Rolle eines “amtierenden Familienoberhauptes„“, sagte Bölke. Das titelgebende Zitat stammt aus einem Brief von der jüngsten Schwester Louise 1887.

Aus dem Briefwechsel rekonstruierte der Autor die Lebenswege des Vaters und der Geschwister und Halbgeschwister, darunter das tragische Schicksal von Schliemanns Brüdern, die früh starben. „Wir lernen den privaten Schliemann besser kennen als bisher, erfahren überraschende Details aus seinem Leben, über seine Vorlieben, seine Ehe- und Scheidung, die Erlangung seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft, seinen religiösen Glauben - und auch, dass er in Paris einer Freimaurerloge beigetreten war“, erzählte Bölke.

 

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