"Heinar" darf "Steinar" verspotten

Mathias Brodkorb (SPD),  Mitbegründer von 'Storch Heinar' <foto>ddp</foto>
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Mathias Brodkorb (SPD), Mitbegründer von "Storch Heinar" ddp

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21. Juli 2010, 07:18 Uhr

Schwerin/ Nürnberg | Die bei Rechtsradikalen beliebte Modemarke "Thor Steinar" muss weiter mit Spott rechnen. Das Landgericht Nürnberg machte gestern deutlich, dass es den Verkauf der Persiflage-Klamotten "Storch Heinar" der Kampagne "Endstation Rechts" aus MV nicht verbieten wird. Diese sind seit 2008 das Markenzeichen einer gegen Neonazis gerichteten Internet-Domain "storchheinar.de". "Der Richter hat der Thor-Steinar-Vertriebsfirma MediaTex empfohlen, ihre Klage zurückzuziehen", berichtete der Endstation Rechts-Aktivist und SPD-Landtagsabgeordnete Mathias Brodkorb nach der Verhandlung in Nürnberg.

Allerdings beharren die Anwälte der Klageseite auf der Klage. Sie wollen das Urteil am 11. August abwarten. (Az. 3 O 5617/09). Brodkorb, Angeklagter und Miterfinder der Internet-Domain, geht nicht davon aus, wegen angeblicher Verletzung der Markenrechte verurteilt zu werden. "Der Richter sagte bereits in der gestrigen Verhandlung, das er keine Verwechslungsgefahr mit den Label der Thor Steinar-Marke sehe."

Die Satire-Klamotten sind eine Erfindung der Kampagne "Endstation Rechts". Ihr Wappentier ist ein schräger Vogel mit Hitlerbärtchen und Wehrmachtshelm. Name: "Storch Heinar". Sein Konterfei prangt auf T-Shirts, Tassen und Taschen, die im Internet verkauft werden. Das fand die im brandenburgischen Mittenwalde sitzende "Thor-Steinar"-Firma nicht spaßig. Sie fühlte sich verunglimpft.

Die beiden Mode-Labels könnten deutlich unterschieden werden, befand der Richter. "Thor und Storch sind nicht verwechselbar." Auch von Verunglimpfung, um Kunden abzuwerben, könne keine Rede sein.

Hingegen hat Brodkorbs Anwalt den ersten Teil der Klage wegen der Verwendung eines unzulässigen Logos bei der satirisch gemeinten "Kampftasche Wüstenfuchs" anerkannt. Bei vier verkauften Taschen zu je 29,90 Euro beläuft sich der Markenschaden allerdings laut Brodkorb auf 5,98 Euro. "Wir haben bereits gestern den Klägern zehn Euro angeboten", so Brodkorb. Zur Finanzierung der Prozesskosten hat "Storch Heinar" eine Spendenkampagne gestartet und Retter-T-Shirts mit dem Aufdruck "Weltkriegsverliererbesieger" auf den Markt gebracht.

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