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Joachim Gauck : Heimspiel auf dem roten Teppich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundespräsident Joachim Gauck trifft hohe Staatsgäste in Bad Doberan und Rostock

von
erstellt am 18.Sep.2014 | 21:33 Uhr

Kaiserwetter beim königlichen Besuch am Donnerstag in Bad Doberan. Bundespräsident Joachim Gauck empfing die Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder Schweiz, Liechtenstein, Österreich sowie den belgischen König Philippe und Großherzog Henri von Luxemburg bei strahlend blauem Himmel. Pünktlich um 9.30 Uhr fuhren die ersten Staatskarossen vor. Die Begrüßung der Staatsgäste mit Ehegattinnen und Gefolge durch den Bundespräsidenten und durch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dauerte etwa eine halbe Stunde. Dann nahm sich Sellering charmant der Frauen an, die von der belgischen Königin Mathilde angeführt wurden, und begleitete sie durchs Damenprogramm. Erste Station war eine Fahrt mit dem Molli nach Heiligendamm. Der Landtag in Schwerin hatte deshalb sogar seine Tagesordnung verändert. Streitpunkt „Russlandtag“ war auf den Nachmittag verlegt worden, damit Sellering nach seinem Damenprogramm an der Debatte im Parlament teilnehmen könnte.

In Bad Doberan wälzten die Staatsoberhäupter derweil schwere Probleme. „Die demografische Entwicklung betrifft uns alle“, sagte der Bundespräsident im anschließenden Pressetreff. Mehr oder weniger, denn Belgien kann mit einem Geburtenüberschuss aufwarten. König Philippe vergaß nicht, es zu erwähnen. Weiteres Thema: Die Krise in der Ukraine. „Außer dem Schweizer Kollegen Didier Burkhalter haben wir alle keine politisch operativen Aufgaben, sondern nur die Pflicht und die Freude der Repräsentanz“, sagte Gauck. Dennoch wolle man nicht schweigen, wenn Völkerrechte eklatant verletzt werden. Zu dem umstrittenen Russlandtag in Mecklenburg-Vorpommern wollte sich das deutsche Staatsoberhaupt dann auch auf Nachfrage nicht äußern. Nur so viel: Jeder Ministerpräsident solle sich außerordentlich sorgfältig mit den internationalen Entwicklungen und den deutschen Reaktionen darauf auseinandersetzen. Ein Ziel Deutschlands sei es allerdings auch, „eine Tür für Gespräche mit Russland offen zu halten“. Diese diplomatische Formulierung dürfte niemanden weh tun. In der Pressekonferenz durften die angereisten Journalisten drei Fragen stellen – nicht jeder, sondern insgesamt.

Anschließend ging es nach Warnemünde, wo der Kutter „MS Käpp’n Brass“ auf den hohen Besuch wartete und die Gäste zum Rostocker Stadthafen brachte. Dort begrüßte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling die Staatsoberhäupter. Der war bei der Planung des Staatsbesuchs ursprünglich vergessen worden, wie der Rest des Rathauses auch. Die Panne hatte die Staatskanzlei in Schwerin verschuldet. Gestern durfte er, vielleicht als Wiedergutmachung, die hohen Staatsgäste sogar beim nächsten Termin in der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen begleiten.

Das Nachmittagsprogramm war auf Gauck zugeschnitten, der selbst viele Jahre Bundesbeauftragter war. Auch beim anschließenden Besuch in der Marienkirche, wo ein Gespräch mit acht Bürgerrechtlern des Wendeherbstes vorgesehen war, hatte der Bundespräsident ein Heimspiel. Hier predigte er als Pfarrer schon während der friedlichen Revolution 1989. „Wir sind das Volk, das ist der stärkste Satz, den es in Deutschland jemals gab“, sagte er in der Kirche vor den hohen Staatsgästen. Christoph Kleemann, Bürgerrechtler und ehemaliger Oberbürgermeister der Hansestadt, nannte die Kirchen in der DDR „den einzigen Freiraum einer von der SED vollkommen beherrschten Gesellschaft“. Die Staatsoberhäupter lauschten. Der grüne Landtagsabgeordnete Georg Jaeger, zur Wendezeit ebenfalls Weggefährte Gaucks in Rostock, berichtete von den ersten Wochen und Monaten des Neuen Forums: „Wir hatten den Anspruch eine Plattform zu sein, wo sich Menschen unterschiedlicher Richtungen Gedanken über die Zukunft machten.“ Gauck sei der Einzige gewesen, der sich auf die Wahlliste von Bündnis 90 zur Volkskammerwahl im März 1990 setzen ließ. „Das war sein Start in die Politik.“


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