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Alternative zum importierten Viehfutter : Heimische Eiweißpflanzen statt Soja

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Für Landwirte in MV könnten es Altanativen zum importierten Viehfutter sein: die heimischen Eiweißpflanzen. Davon sollen jetzt mehr auf die Felder gebracht werden. Doch Lupinen & Co. müssen dafür besser erforscht werden.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 10:44 Uhr

Schwerin | Bislang vernachlässigte Pflanzen auf den Äckern in Mecklenburg-Vorpommern könnten die Landwirte unabhängiger machen, die Umwelt schützen, die Gesundheit fördern und Entwicklungsländern helfen. In selterner Einigkeit machten sich deshalb gestern Landtagsabgeordnete aller Fraktionen dafür stark, mehr Eiweißpflanzen auf die einheimischen Felder zu bringen. Vorher müsse deren Potenzial aber noch genauer erforscht werden, so Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD).

Statt eiweißhaltige Ackerbohnen, Ackererbsen, blaue und gelbe Lupinen, Klee und Luzerne - so genannte Leguminosen - anzubauen, kaufen die Landwirte derzeit vor allem Soja aus Entwicklungsländern, um ihre Kühe und Schweine zu füttern. Wo Soja für die Tiermast in den Industrieländern wächst, kann kein Getreide für die Einheimischen wachsen, so Fritz Tack (Linke). Für Soja werde zudem immer wieder wertvoller Regenwald gerodet. Auch sei nicht gewährleistet, dass bei seinem Anbau keine Gentechnik angewandt wird.

Von den Vorteilen einheimischer Eiweißpflanzen schwärmte nicht nur Tack. Auch Heino Schütt (CDU) lobte, dass sie viel klimaschädlichen Stickstoff aus der Luft in den Boden ziehen sowie Phosphat aktivieren, und so den Einsatz von Kunstdünger reduzieren können. Der Boden wird lockerer, Schädlingen wird das Überleben schwer gemacht.

Was jedem Kleingärtner bekannt sei, hätten die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern keineswegs vergessen, beteuerte Tack. Allerdings bekommen sie für Weizen, Raps und Mais viel mehr Geld, so dass sich der Anbau von einheimischen Eiweißpflanzen nicht lohne. Auch Kartoffeln, Zuckerrüben und Braugerste gehörten deshalb zu den Verlierern. Leguminosen würden in Deutschland "stiefmütterlich behandelt", sagte Tack. In Mecklenburg-Vorpommern werden sie auf kaum mehr als 5000 Hektar angebaut.

Backhaus kündigte an, sich um die Erforschung der Eiweißpflanzen kümmern zu wollen, am besten im Forschungsinstitut "Agrobiotechnikum" Groß Lüsewitz. Allein aber könne Mecklenburg-Vorpommern nichts ausrichten, denn dafür wären rund 100 Millionen Euro notwendig, so der Minister. Darum müsse die "Eiweißstrategie" zusammen mit der Bundesregierung vorangetrieben werden.

Ursula Karlowski (Grüne) wies unterdessen darauf hin, dass einheimische Eiweißpflanzen den Soja-Import nicht ersetzen können. Der Fleischkonsum müsse sinken. Es sei ohnehin zweifelhaft, wenn proteinreiches Kraftfutter an Kühe verfüttert wird. Schließlich besäßen Kühe die herausragende Eigenschaft, sich ausschließlich von Gras ernähren zu können.

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